Musik in der Stadtkirche

Fast ein Jahr geprobt: Moerser Kammerchor singt den „Paulus“

Der Moerser Kammerchor in der Stadtkirche.

Foto: Markus Joosten

Der Moerser Kammerchor in der Stadtkirche. Foto: Markus Joosten

Moers.   Romantisches Oratorium von Mendelssohn Bartholdy in der Stadtkirche. 400 Zuhörer sind beeindruckt, wie der Chor die Herausforderung meistert.

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Wer am Samstag keinen Bock auf „Hoppeditz-Erwachen“ und Prinzenproklamation hatte, die im Kulturzentrum Rheinkamp über die Bühne ging, konnte zwischen mehreren Alternativen wählen. Sicher nicht die schlechteste davon fand in der Stadtkirche statt.

Dort führte der Moerser Kammerchor das romantische Oratorium „Paulus“ von Felix Mendelssohn Bartholdy auf. Dieses ist das erste seiner beiden vollendeten Oratorien und wurde 1836 beim Niederrheinischen Musikfest in Düsseldorf uraufgeführt. In zwei Teilen und 45 Musikstücken zeichnet es Leben und Wirken des Apostels Paulus nach, wobei es sowohl Texte aus der Bibel als auch Choräle aus dem Gesangbuch zum Vorbild nimmt.

Dramatische Arien und Rezitative

„Der barocke Einfluss von Bach und Händel ist zwar nicht zu überhören, erfährt bei Mendelssohn aber eine entscheidende romantische Erweiterung. Das mit Streichern, Holz- und Blechbläsern großbesetzte Orchester unterstreicht diesen Aspekt“, erklärte Klaus-Peter Pfeifer, seit 20 Jahren Chorleiter und Dirigent des Konzerts.

Der rund 80 Sängerinnen und Sänger starke Chor musizierte das Oratorium wieder zusammen mit 40 Instrumentallisten der Düsseldorfer Camerata Louis Spohr. Außerdem wirkten als überzeugende Solisten mit: Katharina Leyhe (Sopran), Esther Borghorst (Alt), Mark Heines (Tenor) sowie Gregor Finke (Bass). Gemeinsam brachten sie ein Werk zu Gehör, bei dem sich dramatische Arien und Rezitative mit ruhigeren Chorälen abwechselten und sich An- und Entspannung dadurch die Waage hielten.

80 Sänger, 40 Instrumentalisten

Langweile kam deshalb bei den rund 400 Besuchern nicht auf. Obwohl: „Es gab zwar einige spannende Passagen, doch eine Stunde weniger hätte auch gereicht“, drückte Cordula aus Moers die Meinung einer Gruppe von jungen Leuten aus, die ansonsten in der Kirche kaum vertreten waren.

„Wir haben den Paulus seit Anfang des Jahres geprobt. Er ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung, die man nur einmal im Jahr bestehen kann“, betonte Chor-Vorsitzende Gisela Jans, glücklich, dass, „bis auf ein paar Schnitzer“ alles so gut funktioniert hatte. Mit seinem wunderbaren Kolorit in der Instrumentation und dem meisterlichen Spiel mit allen Formen der Setzkunst sei der Paulus „ein Juwel der Chormusik“, lobte schon Mendelssohn- Zeitgenosse Robert Schumann das Werk. Ein Urteil, das, nimmt man den stürmischen Beifall am Ende als Maßstab, offensichtlich auch heute noch gilt.

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