Netzwerk 55plus

Für zwei Moerser spielt das Alter gar keine Rolle

Rolf Raskopf (l.) und Jürgen König vor der Lore an der Bismarckstraße.

Rolf Raskopf (l.) und Jürgen König vor der Lore an der Bismarckstraße.

Foto: Volker Herold

Moers.   Rolf Raskopf (78) und Jürgen König (81) sind keine Couch-Potatoes. Sie engagieren sich im Netzwerk 55plus. Dann klappt’s auch mit dem Tablet.

Das Netzwerk 55plus in Meerbeck ist bekannt dafür, dass es ältere Menschen vor der Einsamkeit bewahrt und ihnen Möglichkeiten zur aktiven Mitarbeit bietet. Jürgen König (81) und Rolf Raskopf (78) wissen das, weil sie es selbst erfahren haben. Die beiden Männer blicken auf unterschiedliche Lebenswege zurück. Was sie eint, ist der Einsatz fürs Netzwerk.

Die Rumänienhilfe – oder besser: die Hilfe für den Ort Sacueni – ist seit einiger Zeit die Sache von Raskopf und König. Das Netzwerk und die evangelische Kirchengemeinde in Meerbeck unterstützen die Menschen in dem Ort im Nordwesten Rumäniens, nahe an der Grenze zu Ungarn. Beide sind schon mehrfach in Sacueni gewesen. „Ich habe gedacht, das sieht aus wie bei uns nach dem Zweiten Weltkrieg. Selbst in der Schule fällt der Putz von der Decke“, sagt Rolf Raskopf und senkt dabei den Blick.

Jürgen König freut sich, den Menschen in Sacueni über das Netzwerk 55plus und die evangelischen Kirche helfen zu können. Vor allem in der Roma-Siedlung ist ihm viel Lebensfreude begegnet: „Die Menschen dort haben fast nichts, aber sie lächeln dich sofort an, wenn du auf sie zugehst.“ Wer mehr über die Rumänienhilfe und den jüngsten Transport wissen möchte: Rolf Raskopf hat einen Bericht geschrieben, zu lesen im Internet auf www.unser-quartier.de/meerbeck55plus.

Seit 50 Jahren ein Moerser

Das mit dem Internet bereitet Raskopf keine Kopfschmerzen. Er gehört zwar wirklich nicht zu der digitalen Generation, doch er beherrscht den PC und nicht umgekehrt. Oh, Verzeihung: PC ist out, Raskopf hat ein Tablet. Der spielerisch leichte Umgang mit allem, was die Computerindustrie so hervorgebracht hat, hat ihm auch den Kontakt zum Netzwerk 55plus eingebracht.

Seit 50 Jahren lebt er in Asberg. Seine Eltern sind vor 70 Jahren aus dem Hunsrück ins Ruhrgebiet gekommen. Aufgewachsen ist er in der Eisenbahnstraße in Ruhrort, später heiratete er. Ehefrau Rita hat Tochter Ilona zur Welt gebracht. 45 Jahre hat er für die August-Thyssen-Hütte gearbeitet, die meiste Zeit davon als Autoschlosser. Mit 55 Jahren kam dann der Sozialplan: „Da habe ich mich echt gefragt, was ich mit der ganzen Freizeit machen soll“, sagt Raskopf.

Über die Möglichkeiten staunen viele

Wie gut, dass das mit dem Computer klappte und wie gut, dass ihn irgendwann einmal eine Nachbarin gefragt hat, ob er das mit dem digitalen Fotobuch ‘mal im PC-Kurs des Netzwerks zeigen könnte. Natürlich fühlt er sich in der Familie wohl, doch das Netzwerk 55plus hat er über die Jahre schätzen gelernt: „Wenn ich erzähle, was ich hier alles machen kann, staunen viele.“

Das sieht Jürgen König auch so. Er ist in Mülheim geboren, aber seit dem 5. Lebensjahr Vollwaise. Zweimal hat er geheiratet, zwei Töchter, Sabine und Simone, hat er aus den beiden Ehen. Seit 1978 wohnt König in Eick-West. Seine zweite Frau starb vor fünf Jahren. Auch bei ihm spielt das Interesse am Computer die entscheidende Rolle, wenn es um das Netzwerk 55plus geht: „In der Zeitung habe ich von einem PC-Kurs für Anfänger gelesen, das war der Start.“

Wolfram Reutlinger vom Netzwerk hat ihn dann noch von anderen Angeboten überzeugt: Kanu-Touren auf der Lippe, wandern, die Rumänienhilfe – es wurde immer mehr. Deshalb fällt es Jürgen König auch nicht schwer, den Wert des Netzwerks in seinem Leben zu beschreiben: „Es gibt mir Kraft, man bleibt klar im Kopf.“

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