Geschichte

Geschichten rund um die Mühle in Neukirchen-Vluyn

Gerhard Bruckhaus (rechts) und seine Schwester Margarete Bruckhaus (links) wissen alles von früher über die alte Mühle in der Dong.

Foto: Funke Foto Services

Gerhard Bruckhaus (rechts) und seine Schwester Margarete Bruckhaus (links) wissen alles von früher über die alte Mühle in der Dong. Foto: Funke Foto Services

Neukirchen-Vluyn.   Die Kindheit von Margarete und Gerhard Bruckhaus ist eng mit dem alten Wahrzeichen in der Dong verbunden.

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Wenn am kommenden Dienstag die alte Mühle in der Neukirchener Dong ihre neuen Flügel bekommt, sind zwei ganz sicher mit dabei: Margarete und Gerhard Bruckhaus, 79 und 78 Jahre alt, freuen sich schon. Ihre Kindheit in der Dong ist eng mit der Mühle verbunden, war doch ihr Großvater Tillmann Bruckhaus der vorletzte Müller dort.

„Unser elterlicher Hof, der Eickhaushof, war nur zwei Kilometer von der Mühle entfernt“, schildert Margarete Bruckhaus. „Ich kann mich noch gut erinnern. Wenn die Getreidesäcke von unserem Hof mit dem hohen Schlagkarren zur Mühle gefahren wurden, durften wir oben ‘drauf sitzen. Das war immer ein Riesenspaß für uns Kinder.“ Einmal habe sie nicht mitgedurft und habe jämmerlich zu weinen angefangen. „Da hat mich der Vater fotografiert. Das war gemein.“

„Und ich weiß noch, wie die Säcke an der Mühle mit der Kette nach oben gezogen wurden und dann die schweren Holzläden mit viel Lärm zuschlugen. Das Geräusch höre ich heute noch“, berichtet Gerhard Bruckhaus. „Wenn Opa mit dem Pferdekarren rückwärts rangieren musste, musste er aufpassen: Das Pferd hieß Cäsar, und es war sehr empfindlich, wenn irgendetwas ihn beim Rangieren am Hintern berührte. Das war immer ein Tanz...“, erinnert sich Margarete Bruckhaus.

Viele Geschichten vom Land und der Mühle wurden vor allem von den Tanten der beiden Zeitzeugen in so mancher Kaffeestunde überliefert. „Beispielsweise unser Vater, Fritz Bruckhaus, war ein ganz begeisterter Sportler. Er liebte das Fechten, Paddeln und Skilaufen. Er war auch der Erste, der mit kurzer Turnhose durch die Gegend joggte. „Der ist vielleicht jeck, der rennt ja mit de korte Büx door de Dong, haben sich die Leute damals mokiert“, sagt Gerhard Bruckhaus lachend.

Der sportliche Fritz Bruckhaus war es auch, der sich als Jugendlicher einen Spaß daraus machte, einen der Mühlenflügel wie an einer Leiter hinaufzuklettern. Oben konnte er „bis nach Moers kieken“, wie er den Kindern unten zurief – und es gab jedes Mal eine Gardinenpredigt wegen der gefährlichen Kletterei.

Müller-Opa Tillmann Bruckhaus hatte fleißig gespart, um seinem „mittleren“ Sohn Fritz eine eigene Mühle als Berufsgrundlage zu kaufen. „Das Geld war bei der Währungsreform 1923 leider futsch. Fritz, also unser Vater, machte eine kaufmännische Lehre und war später, als der Schacht in Dickscheheide abgeteuft worden war, lange Jahre als Bilanzbuchhalter bei der Niederrheinischen Bergbau AG, NBAG, tätig.“ So mancher Neukirchen-Vluyner stellte sich auf den noch jungen Bergbau in der Stadt ein. „Ich weiß noch, dass Bauer Londong seinen Hof in Dickscheheide als Casino für die Zeche zur Verfügung stellte.“

Noch eine Erinnerung an die alte Mühle: „Wenn wir mit Großvater auf den Mühlenberg kamen, sah man in einem Nebengebäude immer den schwarzen Totenkarren stehen. Damit wurden die Leichen, die damals noch alle zu Hause aufgebahrt wurden, zum Friedhof gefahren. Für eine Hochzeit bekamen die Karrenfenster weiße Gardinen.“ So war das damals...

Großvater Tillmann Bruckhaus übergab die von ihm gepachtete Mühle später an Müller Heckes, den letzten Müller in der Dong. Die Mühle arbeitete noch bis Anfang der 70-er Jahre – später ohne Flügel, elektrisch angetrieben. Doch 1987 bekam das Denkmal seine Flügel wieder zurück – die aber inzwischen bekanntlich ebenfalls wieder erneuerungsbedürftig waren. „Schon beim Flügelaufhängen 1987 waren wir dabei“, erzählt Gerhard Bruckhaus. „Wir freuen uns sehr, dass der heutige Bewohner und Eigentümer, Dr. Joachim Bürger, uns auch diesmal eingeladen hat.“

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