Literatur

„Guten Tag, Tod mein Name“

Foto: WAZ FotoPool

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Moers. Hatten Sie je den heftigen Drang, etwas zu schreiben? Etwas, das über eine Ansichtskarte, eine E-Mail, eine SMS oder einen Einkaufszettel hinaus geht? Nein? Macht nichts. Das ist völlig normal. Es unterscheidet Sie allerdings von Kerstin Jordan. Die 36-jährige gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau wohnt in Repelen , ist derzeit Hausfrau und Mutter und hatte, wie sie im Gespräch mit dieser Zeitung berichtet, schon von Jugend an den unbändigen Drang zu schreiben. Zudem habe sie schon immer über „eine wilde Phantasie“ verfügt. Konkrete Form nahmen diese Phantasien jedoch erst vor gut zwei Jahren an. Da buchte sie einen Schreibkurs bei einer Klever Autorin, die lehrte, wie man eine Geschichte aufbaut, wie man Personen entwickelt und die richtigen Akzente setzt.

Das Ergebnis ist verblüffend: Inzwischen hat Jordan 19 Kurzgeschichten geschrieben. Schon ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher ist aber deren gemeinsamer Plot: Die Hauptfigur ist nämlich jedes Mal der personifizierte Tod.

Wie es dazu kam, erklärt Jordan so: „Ich hatte bei einer Hausaufgabe meines Kurses eine totale Schreibblockade – mir fiel absolut nichts ein. Da bat ich aufs Geradewohl einen Bekannten, mir ein Stichwort zu nennen, über das ich etwas schreiben könnte. Er sagte ‚Tod’. Das war für mich der Durchbruch. Seitdem beginnen alle meine Geschichten mit dem Satz: ‚Guten Tag, Tod mein Name. Der Tod’.“ Ideen dazu finde sie überall: „Egal, ob ich mich über den Apotheker geärgert habe, mir meine Mutter von einer Kreuzfahrt erzählt oder ich über den Weihnachtsmarkt bummle.“

So weit, so gut. Aber leider nicht gut genug, um dafür auch einen Verleger zu finden. Schließlich sollen die Geschichten ja auch gelesen werden. „Ich war“, so gesteht sie, „ziemlich naiv und habe einfach etliche Verlage angeschrieben und ihnen meine Texte geschickt. Hin und wieder kam sogar eine Bestätigung mit dem Vermerk ‚Sehen Sie bitte von Nachfragen ab, ggfs. rufen wir Sie an’.“ Dabei blieb es.

Ein Glück jedoch, dass es heute das Internet gibt. Dort finden junge Autoren und Autorinnen – etwa bei Facebook, Twitter und in diversen Blogs – eine Plattform, auf der sie ihre Texte einstellen können und wo sie auch gelesen werden. Außerdem gibt es verlegerisch aktive Autoren, die Anthologien zusammenstellen und dafür Beiträge suchen. So hat es Kerstin Jordan inzwischen geschafft, in drei solcher Sammlungen von Kurzgeschichten aufgenommen zu werden, die sowohl als E-Book als auch in gedruckter Form erschienen sind. Klar, dass sie auch eine eigene Homepage hat, auf der man alle ihre Texte lesen und kommentieren kann: „Meine Seite haben schon fast 30 000 Leute angeklickt“, berichtet sie einigermaßen stolz.

Das mit dem Tod sei übrigens nicht immer traurig: „Er ist eigentlich ein ganz sympathischer Kerl, mit Sorgen wie du und ich. Eine reelle Persönlichkeit aus einem fiktiven Leben eben“, betont Jordan. Wer’s nicht glaubt: Unter www.todmeinname.de kann man sich davon überzeugen. Als nächstes Projekt plant sie eine Anthologie sämtlicher bisher erschienener Tod-Geschichten. Jordan: „Wenn ich dafür keinen Verleger finde, gebe ich sie eben selbst heraus.“

Mag sein – ihre Geschichten sind vielleicht keine große Literatur. Doch sie sind kurz, schwarz und makaber. Dazu geben sie oftmals auch Anlass zum Schmunzeln. Wie etwa in ihrer aktuellen Weihnachtsgeschichte, in der das Christkind dem Tod ein Schnippchen schlägt...

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben