Schule

Gymnasium aus Moers hält Erinnerung an den Holocaust wach

Lehrer und Schüler sprechen über die Reise nach Polen.

Lehrer und Schüler sprechen über die Reise nach Polen.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Moers.  Seit zehn Jahren fährt das Gymnasium Adolfinum in Moers mit der Jahrgangsstufe 10 zu den Holocaust-Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau in Polen.

„Nie wieder! – Erinnern statt vergessen.“ Diese eindringliche Mahnung stand als Motto über einem Festakt, mit dem das Gymnasium Adolfinum am Donnerstag das zehnjährige Jubiläum seiner Gedenkstättenfahrten nach Polen feierte.

„Nach der Fahrt mit einem Geschichts-Leistungskurs nach Krakau und Auschwitz wuchs in uns die Idee, eine solche Fahrt für mehr Schüler anzubieten“, berichtet Historikerin Maria Vollendorf-Löcher von den Anfängen. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. André Remy und mit der Förderung durch Schulleiter Hans van Stephoudt nahm das Projekt schnell konkrete Formen an.

Ohne Spenden ist die Fahrt nicht möglich

Bereits 2009 fuhr die erste größere Schülergruppe für eine Woche nach Polen. Inzwischen gehört die Fahrt der 10. Klassen zu den Gedenkstätten zum festen Schulprogramm. Ein Angebot, das auch von den Schülerinnen und Schülern voll angenommen wird, so fuhren in diesem Jahr schon 240 Jungen und Mädchen mit. „Klar, dass eine solche Fahrt auf Dauer nicht ohne großzügige Spenden und Sponsoren zu stemmen ist“, betonte Mitinitiator Remy.

Eine Besonderheit des anspruchsvollen Projekts ist das Konzept „Schüler begleiten Schüler“: So genannte „Teamer“, erfahrene Schülerinnen und Schüler, bereiten die Teilnehmer in Kleingruppen vor und begleiten sie auch auf der Fahrt.

Martin Domagala hält die Reise im Film fest

Wie das funktioniert und welche Eindrücke Besuche von Auschwitz und dem Vernichtungslager Birkenau vermitteln, zeigte ein gut 50 Minuten langer Film von Martin Domagala, der eine Schülergruppe vor, bei und nach der Fahrt begleitet hatte.

„Es war ein krasses Erlebnis, das wir uns in seiner Dimension und Realität so nicht vorgestellt hatten und nie mehr vergessen werden“, versuchten Dominik, Luca, Niklas, Sören und Burak, einige der Teilnehmer, ihre Gefühle in Worte zu fassen. „Besonders berührt haben mich die Kinderbaracken“, sagte Greta. „Ich habe lange Zeit gebraucht, um das alles zu verarbeiten.“

Da es bald keine Zeitzeugen mehr geben wird, „ist es an uns, die Erinnerung wach zu halten und weiter zu geben“.Darin waren sich alle einig.

„Angesichts deutlichen Zunahme von Antisemitismus in Deutschland und der jüngsten schrecklichen Ereignisse kann man die Wichtigkeit eines solchen Projekts nicht genug betonen“, lobte in seinem Grußwort Ibrahim Yetim, SPD-Landtagsabgeordneter und stellvertretender Moerser Bürgermeister, das beispielhafte Engagement am Gymnasium Adolfinum. Sein sinngemäßes „weiter so“ traf in der mit vielen Schülern, Ehemaligen und Eltern besetzten Aula denn auch auf offene Ohren.

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