Fleischmafia

Hohe Haftstrafen für die Drahtzieher der Fleischmafia

Vor dem Landgericht Duisburg wurden vier Männer verurteilt. Es ging um Steuerhinterziehung im großen Stil in der Schlachthofbranche.

Vor dem Landgericht Duisburg wurden vier Männer verurteilt. Es ging um Steuerhinterziehung im großen Stil in der Schlachthofbranche.

Foto: NRZ-BILD,

Kamp-Lintfort/Duisburg.   Vier Männer aus der Schlachthofbranche sind unter anderem wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden. Die Täter agierten von Kamp-Lintfort aus.

Sieben Jahre, fünf Jahre, ein Jahr sechs Monate und ein Jahr drei Monate auf Bewährung – für die vier Angeklagten hagelte es am Freitag vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Duisburg hohe Strafen. Sie waren Drahtzieher einer „Fleischmafia“, die mit polnischen und rumänischen Leiharbeitern auf den Schlachthöfen Unsummen verdiente und hauptsächlich von Kamp-Lintfort aus agierte.

„Die Arbeitnehmerrechte wurden missachtet“, erklärte der Vorsitzende der Strafkammer. Aber nicht etwa dafür wurden die Angeklagten verurteilt, sondern hauptsächlich wegen Steuerhinterziehung im großen Stil. Laut Anklage der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ging es um 14,5 Millionen Euro Umsatz- und Lohnsteuer, die die Angeklagten hinterzogen und in die eigenen Tasche gesteckt haben sollten.

Zentrum an der Moerser Straße in Kamp-Lintfort

Zu diesem Zweck bauten sie, so der Vorsitzende, „ein profitabeles Steuer- und Sozialabgaben-Hinterziehungssystem“ auf, dessen Zentrum mit der ACO Limited an der Moerser Straße in Kamp-Lintfort lag. Unter anderem mittels Scheinrechnungen und fingierten Werkvertragsketten hinterzogen sie Millionen.

Luxusautos waren eine Selbstverständlichkeit. Der Haupttäter, der 55-jährige Ralf R. aus Rheurdt, auf dessen Villa geschossen wurde, um Geldforderungen Nachdruck zu verleihen, ließ seiner Ehefrau ein Gehalt von 9000 Euro pro Monat zahlen. Ein anderer bezog offiziell ein Geschäftsführergehalt von 2400 Euro, erhielt indes von einer weiteren Firma des komplizierten Unternehmensgeflechts monatlich 15.000 Euro zur freien Verfügung.

Vorsitzender Richter: Viele haben sich bereichert

Geschädigt wurden der Fiskus sowie die Sozialkassen, denen Abgaben vorenthalten wurden. Daran, dass die vor dem Duisburger Landgericht Angeklagten nicht alleine waren, ließ der Vorsitzende der Strafkammer keinen Zweifel: Viele andere hätten sich ebenfalls an diesem System bereichert, und die Schlachthofbetreiber hätten sich mit dem System der Subunternehmer und Werkverträge ihrer Verantwortung gegenüber den Arbeitnehmern zu entledigen versucht. Der 55-Jährige Rheurdter hatte zudem vor Gericht erklärt, alle in der Branche hätten Bescheid gewusst.

Sieben Jahre für den 55-jährigen Rheurdter, fünf Jahre für einen einschlägig vorbestraften 58-jährigen Duisburger, ein Jahr und drei Monate auf Bewährung für einen 59-jährigen Rheinberger, ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung für einen 75-jährigen Rheinberger – so lautete das Urteil. Steuerhinterziehung, Vorenthaltung von Arbeitsentgelt und Beihilfe lagen ihm zugrunde. Laut Gewerkschaftsangaben erhielten die „Lohnsklaven“ in den Schlachthöfen Hungerlöhne zwischen 1,50 und sechs Euro pro Stunde. Dies jedoch war nicht Gegenstand des Prozesses.

>> EIN MAMMUTPROZESS:

Es war ein Mammutprozess: 107 Verhandlungstage vergingen, bis das Urteil gesprochen wurde. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Düsseldorf umfasste 1124 Seiten. Die Prozessakte verteilt sich auf 670 Leitz-Ordner und Datensätze von 20,4 Gigabyte. Eine Polizeiaktion mit 60 Durchsuchungen in Deutschland und Bezügen in europäische Länder ging dem Prozess voraus.

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