Offene Werkstatt

Im Nähzimmer Neukirchen-Vluyn wird Opas Hemd zur Tasche

Jaudat Sido, Guido Lohmann, Gisela Alsdorf und Rainer Tyrakowski-Freese.

Jaudat Sido, Guido Lohmann, Gisela Alsdorf und Rainer Tyrakowski-Freese.

Foto: Norbert Prümen (nop)

Neukirchen-Vluyn.   Das Nähzimmer in Neukirchen-Vluyn gibt es seit rund zwei Jahren. Jetzt hat die Tuwas Genossenschaft dafür eine wichtige Unterstützung bekommen.

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Im kleinen Nähzimmer an der Hochstraße im Dorf Neukirchen herrscht Trubel. Es wird emsig genäht und geschneidert. An jenem Tag hat die Tuwas Genossenschaft zudem einen besonderen Gast im Nähzimmer.

Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Niederrhein, Guido Lohmann, schaut vorbei und bringt Geld mit. Nicht, weil er selbst etwas schneidern möchte. Die Volksbank unterstützt das Nähzimmer mit 2500 Euro. Sehr zur Freude vom Vorstand der kleinen Genossenschaft, Rainer Tyrakowski-Freese.

Die finanzielle Unterstützung kann er gut gebrauchen, um die Kursangebote und die offene Werkstatt zu finanzieren.

Eine kleine Parzelle, die anders tickt

So gibt es unter anderem Kurse für interessierte Fortgeschrittene und beruflich qualifizierte Schneider mit und ohne Migrationshintergrund. Tyrakowski-Freese weiß, dass aus Syrien viele qualifizierte Schneider kommen, die hier für einen Neustart Unterstützung brauchen. Der Schneider Jaudat Sido aus Aleppo ist mittlerweile bei der Genossenschaft angestellt und ein wichtiges Mitglied im Nähzimmer-Team.

„Eine kleine Parzelle in der Gesellschaft, die anders tickt“, sagt Guido Lohmann über die Genossenschaft und deren Angebot im Nähzimmer. So werden die Produktionsgeräte für einen kleinen Obolus von 1,25 Euro pro Stunde zur Verfügung gestellt und Hilfestellung für die handwerkliche Arbeit gegeben.

Und es geht um noch mehr. Es geht darum, die Menschen für den Wert von Kleidung zu sensibilisieren. Wer einmal ein T-Shirt oder ein Kleid selbst gemacht hat und weiß, wie viel Arbeit darin steckt, wird wohl kaum für 2 Euro ein Billig-Shirt kaufen, das nach zweimaligem Tragen im Müll landet.

Bei der Herstellung ist die Textilbranche unfair

„Es gibt keine unfairere Branche als die Textilbranche“, sagt Tyrakowski-Freese über den Herstellungsprozess von Kleidung. Insofern wirbt die Tuwas Genossenschaft seit langem für das Upcycling, also die Herstellung neuer Sachen aus alten Materialien. So wird Opas altes Hemd zur trendigen Einkaufstasche oder die zerschlissene Jeans mit einer kaputten Bluse zum neuen Rock. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Gisela Alsdorf ist ehrenamtliche Helferin in der Nähstube und schneidert Kleider aus dem Effeff. Und Jaudat Sido hat viele Ideen.

Insgesamt helfen zehn Ehrenamtler mit. Zu den Kursen kommen 50 bis 100 Menschen pro Jahr, dazu gesellen sich die einzelnen Hobbyschneider, die bei Projekten Hilfe brauchen oder schlicht keine Nähmaschine zu Hause haben. Infos: 02845/ 29 61 665.

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