Pflege

In Kamp-Lintfort gibt es zuwenig Plätze in der Tagespflege

Foto: Oliver Berg / picture alliance/dpa

Kamp-Lintfort.  Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigt. Der Kreis Wesel hat den Alten- und Pflegeplan aktualisiert. An einer Stelle spart die Stadt Geld.

Die Stadtverwaltung sieht die Pflegelandschaft in Kamp-Lintfort aktuell „im Großen und Ganzen“ gut aufgestellt. Einziger Wermutstropfen: Plätze in der Tagespflege sind in der Stadt derzeit noch Mangelware.

Der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung wächst – und damit auch Zahl der Pflegebedürftigen. Nach Zahlen des aktuellen Alten- und Pflegeplans des Kreises Wesel, der am Donnerstag Thema im Ausschuss für Soziales und Senioren war, wird die Zahl der pflegebedürftigen Menschen im Kreisgebiet bis 2040 auf etwa 35.000 steigen, aktuell liegt die Zahl bei 26.104. Stark zugenommen hat in den letzten Jahren auch die ambulante Pflege. Allein im Kreis Wesel ist die Zahl der ambulanten Pflegedienste von 55 Diensten im Jahr 2015 über 63 in 2017 auf 72 in 2019 gestiegen.

Pflege findet vor allem durch Angehörige statt

Gewachsen ist außerdem die Nachfrage nach Tagespflege. In Kamp-Lintfort gibt es aktuell zwei Einrichtungen: die Tagespflege der Caritas im Niersenbruch (12 Plätze) und die Tagespflege der Awo auf der Markgrafenstraße in der Innenstadt (14 Plätze). Gerade über die Tagespflege können aber Angehörige entlastet werden. Nach wie vor findet Pflege nämlich weiterhin vor allem durch Angehörige statt.

Nach der vom Kreis Wesel ermittelten Versorgungsquote müsste Kamp-Lintfort die Zahl der Plätze mehr als verdoppeln. Deshalb wolle die Stadt künftig „ein besonderes Augenmerk“ auf die Verbesserung des örtlichen Angebots legen, hieß es am Donnerstag. Wie genau das aussehen kann, konnte Sozialamtsleiter Franz-Josef Evers am Donnerstag noch nicht konkretisieren – der aktuelle Pflegeplan lag der Verwaltung erst seit drei Wochen vor.

Hunderte Plätze in der der vollstationären Pflege

Besser sieht es bei der vollstationären Pflege aus. Hier stehen in Kamp-Lintfort aktuell 446 Plätze in fünf Einrichtungen zur Verfügung. Um den eigenen, innerörtlichen Bedarf im Jahr 2040 abzudecken, wären etwa weitere 20 Plätze notwendig. Immer häufiger geht es für alte Menschen aber auch darum, selbstständig zu bleiben. Der Haken: es gibt auch in Kamp-Lintfort zu wenig barrierefreie Wohnungen.

Laut Verwaltung berichten die in Kamp-Lintfort arbeitenden Senioren- und Pflegeberater von regelmäßigen Nachfragen nach barrierefreien Wohnungen und Wohnformen. Auch hier will die Stadt Investoren motivieren, entsprechende Angebote zu schaffen.

Bei der Versorgung von Pflegebedürftigen durch ambulante Pflegedienste sieht der Kreis Wesel gut aus: Während im Bundesdurchschnitt 76 Prozent der Pflegebedürftigen ambulant versorgt werden, wird im Kreis Wesel ein Prozentsatz von 82,3 Prozent erreicht.

Dass im Schnitt weniger Menschen in einer stationären Einrichtung wohnen, spare über die Kreisumlage auch der Stadt Kamp-Lintfort Geld, erklärte Franz-Josef Evers. Das sei auch das Ergebnis der Pflegeberatung vor Ort, sagte Evers. Die bewirke, dass weniger Menschen in eine Pflegeeinrichtung zögen.

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Grünen-Fraktionschef Johannes Tuschen fragte in der Sitzung an, ob es – ähnlich wie in anderen deutschen Städten – auch in Kamp-Lintfort Bestrebungen gebe, freiwillig mehr Flüchtlinge aufzunehmen, vor allem aus den Aufnahmezentren auf den griechischen Inseln. Bisher gebe es solche Überlegungen nicht, antwortete Dezernent Christoph Müllmann.

Sozialamtsleiter Franz-Josef Evers erklärte, die Verwaltung wolle bis Ende des Jahres ein Papier ausarbeiten, das sich der Frage widme, ob die Integration der Flüchtlinge in Kamp-Lintfort gelungen sei.

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