Stadtgeschichte

In Kamp-Lintforts Archiven wühlt seit Sommer ein Neuer

Wer das lesen kann ist klar im Vorteil, wenn man die Stadtgeschichte aufarbeiten will. Zu Dr. Martin Klüners Aufgaben gehört auch das Entziffern und Zuordnen von Schriften.

Wer das lesen kann ist klar im Vorteil, wenn man die Stadtgeschichte aufarbeiten will. Zu Dr. Martin Klüners Aufgaben gehört auch das Entziffern und Zuordnen von Schriften.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Dr. Martin Klüners kann sich für Altes aus der Kamp-Lintforter Stadtgeschichte begeistern. Dabei muss er eine besondere Fähigkeit besitzen.

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Seit dem Sommer ist er im dritten Stock des Rathauses zu finden: der neue Stadtarchivar Dr. Martin Klüners (40). Und er hat längst Arbeit bis über beide Ohren. Wer da denkt, die Arbeit im Archiv sei dröge oder wenig interessant, der irrt. Klüners erzählt von seinem Werdegang und berichtet, was er an alten und neuen Dokumenten so spannend findet.

Die Liebe zur Geschichte hat er vom Vater: „Er war Geschichtslehrer“, berichtet der Archivar. Als „der Junge“ 16 war, leistete er ein Praktikum im Staatsarchiv Detmold ab. Da sprang der Funke über und weckte die Liebe zu den alten Schriften. Doch zunächst studierte Klüners Geschichte, Literatur und Italianistik in Berlin. „Ich habe dann später gemerkt, dass es für die Archivarbeit sinnvoll ist, ein spezielles Studium anzuschließen“, schildert Klüners. In Wien absolvierte er ein Masterstudium, 2018 legte er das Examen in Archivwissenschaft ab, und zwar mit Auszeichnung.

Die Kunde der Schreibschriften

Nehmen wir doch ‘mal ein sehr altes Dokument, auf dem, angenommen, ein Kaufvertrag zwischen den Grafen von Moers und dem Kloster Kamp geschlossen wird. Aber leider in einer völlig unleserlichen Schrift. „Wenn man etwas erforschen will, muss man es lesen können“, so die Grundregel des Archivexperten. Will heißen: Eine Säule des Studiums ist die Kunde der Schreibschriften (Paläographie), und zwar quer durch alle Jahrhunderte bis hin zu den alten Römern oder Griechen und noch weiter. „Die Römer hatten die römische Kursive“, berichtet Klüners und zeigt ein Beispiel der kringeligen Schriftzüge am Computer. Auf Monumenten habe man Großbuchstaben „Kapitalis“ eingemeißelt. Später dann die Mönche um 800 mit ihrer karolingischen Minuskel, die viel mit unserer heutigen Schrift zu tun habe. Im Mittelalter werde es kompliziert: „Ab da gibt es so viele Schreibschriften, und alle sind schwer zu lesen“, weiß der Fachmann. Für ihn und seine Kollegen sei es immer wieder eine spannende Herausforderung, solche Schriften zu entziffern. „Die Schriftart ist schon anders, zudem hatte mancher Schreiber der Vorzeit auch eine Sauklaue“, lächelt der Fachmann.

Jetzt wird erstmal digitalisiert

Um sich die künftige Arbeit im Rathaus zu erleichtern, digitalisiert Klüners derzeit das vom Vorgänger Dr. Albert Spitzner-Jahn erstellte Findbuch. „Langfristig sollen die Bürger selbstständig Aktenunterlagen finden können“, so das ehrgeizige Ziel des Archivars. Und nicht nur alte geschichtliche Dokumente, sondern auch Heirats-, Geburts- und Todesurkunden der Kamp-Lintforter befinden sich im Archiv. Sie füllen zahlreiche dicke, große Schwarten in vielen Schränken.

Zudem wird der Archivar auch im Rathaus selbst gebraucht. „Es ist so gedacht: Wenn in einem Amt mangels Platz Akten ausgemistet werden müssen, schaue ich nach, was man archivieren muss und was weg kann.“ Planungs- und Ratsunterlagen stünden da an erster Stelle: „Weil das Metall der Ordner das Papier zerstört, lege ich alle Aktenblätter lose in einen einfachen Klapp-Ordner.“ Darüber hinaus fänden auch Dinge wie Theaterprogramme, Jubiläumsschriften von Vereinen und Institutionen und vieles andere aus dem kulturellen Leben in der Stadt ihren Weg in die Aufbewahrung. „Das ist für mich jetzt ein großer Vorteil, weil ich zurzeit eine Ausstellung über die Geschichte der Stadthalle zusammenstelle“, berichtet der Archivar. Daneben habe er auch viele Anfragen von Familienforschern zu beantworten.

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