Kunst

In Moers eröffnet das weltweit erste Anatol-Museum

Eines der Markenzeichen von Anatol: der schwarze, breitkrempige Hut.

Eines der Markenzeichen von Anatol: der schwarze, breitkrempige Hut.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Moers.  Der Künstler Anatol Herzfeld hat im Seewerk die letzten Monate seines Lebens verbracht. Sein letzter Wunsch war ein Museum an diesem Ort.

Es war so etwas wie sein letzter Wille: „Versprich mir das Museum“, bat Anatol Herzfeld Angelika Petri vom Seewerk kurz vor seinem Tod. Die letzten Monate seines Lebens hat der Künstler auf dem ehemaligen Fabrikgelände am Silbersee verbracht, umsorgt von seiner Frau Erdmute und den Seewerkern Angelika Petri und Frank Merks, umgeben von seiner Kunst. Im Mai verstarb er 88-jährig.

Da liegen sie nun, die schwarze Weste und sein breitkrempiger, schwarzer Hut – irgendwie seine Markenzeichen – neben dem dicken Kondolenzbuch oben unterm Dach, wo so viele seiner Arbeiten versammelt sind. Und wo er gerne gearbeitet hat. „Mich hat das beeindruckt, wenn er mit 80 Jahren Fliesenleger-Schützer um die Hosenbeine gebunden hat, auf dem Boden rumgerutscht ist und Sprüche aufgemalt hat“, erzählt Petri. Solche Sprüche: „Und dann war es still, ganz still, nur die Träume der Toten waren zu hören.“

Mitbegründer der Museumsinsel Hombroich

Angelika Petri hält Wort: Am 25. Juli, dem Geburtstag seiner Erdmute, wird das weltweit erste Anatol-Museum eröffnet. Anatol war Mitbegründer der Museumsinsel. In Moers werden seine Bilder an dem Ort zu sehen sein, den sich Anatol gewünscht hat, und der so archaisch ist, wie es Anatol gefallen hat. Der Blick frei auf geweißte Schindeln, der Boden unbearbeitetes Holz, kein Schnickschnack, kein Chichi. Keine Profi-Beleuchtung. Die Bilder lehnen an der Wand, liegen auf dem Boden, die wenigsten hängen an weiß gestrichenen Holzwänden.

Alles darf man anfassen. Draußen im Gelände stehen – unter anderem – der „Schmetterlingsmann“, eine überlebensgroße, stählerne Skulptur. Oder die „Wachstation des Denkens gegen die illegale Gewalt“, eine documenta-Arbeit. Denn auch das war Anatol: politisch, wachsam. „Und ein Menschenfreund“, ist Angelika Petri wichtig zu sagen. Und ein Geschichtenerzähler, wird so mancher ergänzen, der den Mann mit dem markanten Schnauzbart kennen gelernt hat. Gelernt hat Karl-Heinz Herzfeld Schmied, dann wurde er Polizist, bevor er sich der Kunst widmete

Seewerk wurde zu zweitem Zuhause

Eintritt wird es nicht kosten, in diese Dachstube zu steigen. Die Kunst hier oben ist so selbstverständlich wie es selbstverständlich war, dass das Seewerk in den vergangenen gut zehn Jahren zu Anatols zweitem Zuhause wurde. Und auf diese Art auch irgendwie bleibt.

So unkonventionell wie der Raum sind auch die Öffnungszeiten: täglich von 8 bis 19 Uhr. „Alle, die hier im Seewerk leben und arbeiten, tragen das ja mit“, erklärt Angelika Petri. Im Winter allerdings „mehr oder weniger zu“, weil ungeheizt und zugig. „Anatol hat darauf bestanden, dass es hier oben so bleibt und keine Dämmung reinkommt“, sagt die Seewerkerin.

Und wer es wünscht, dem erzählt Angelika Petri auch gerne die Geschichten zu manchen der Arbeiten des Beuys-Schülers. Etwa die vom „Krieger“: Anatol habe in Polen erlebt, wie russische Soldaten eine Frau vergewaltigten. Das habe er mit dieser Figur verarbeiten wollen. Das Bild, auf dem eine Kirche gesprengt wird, ist gemalt auf einer alten Holztür – aus Garzweiler. „Der Anatol war oft dort und hat alles eingesammelt, was er noch brauchen konnte. Die Bauarbeiter, die mit dem Abriss der Ortschaften beschäftigt waren, haben ihm nachher schon immer was beiseite gelegt“, weiß Petri zu erzählen.

Zur Eröffnung des Museums wird natürlich im Garten des Seewerks auch das „Inselparlament“ aufgebaut, das schon auf Nepix Kull stand. Und auch das dürfte Anatol gefallen: Natürlich gibt es ein Ringgespräch mit vielen seiner Weggefährten.

Das Anatol-Museum im Seewerk, Silberseeweg 1 A in Moers-Kapellen, eröffnet am Donnerstag, 25. Juli, um 16 Uhr.

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