Zeitgeschichte

In Moers ist ein Foto der Pogromnacht 1938 aufgetaucht

Jochen Schink blättert in einem alten Fotoalbum seines verstorbenen Großvaters.

Jochen Schink blättert in einem alten Fotoalbum seines verstorbenen Großvaters.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Moers.  Museumsleiterin Diana Finkele hat ein historisch bedeutendes Foto von der Schändung der Synagoge entdeckt. Bisher gab es nur Zeitzeugenberichte.

Die Moerser Museumsleiterin Diana Finkele hat ein zeitgeschichtlich bedeutendes Foto gefunden: Es zeigt die Moerser Synagoge nach der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Bisher gab es zur Schändung des Gebäudes durch Nationalsozialisten ausschließlich mündliche Überlieferungen.

Die Synagoge war am Morgen des 10. November 1938 durch mehrere Täter geschändet worden. Sie schlugen Fenster ein, stahlen Kulturgegenstände und verbrannten die Tora-Rollen. In ganz Deutschland hatten Handlanger der nationalsozialistischen Terrorherrschaft Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen in Brand gesetzt oder demoliert. In Moers wurden jüdische Männer festgesetzt und in das Vernichtungslager Dachau verschleppt. Bisher gab es von der Schändung Zeitzeugenberichte, etwa davon, dass die Täter an der Synagoge eine Aufschrift hinterließen: „Dieser Talmud-Stall ist für immer geschlossen.“

Genau dieser Satz findet sich auf dem Foto wieder. „Das Foto muss unmittelbar nach der Pogromnacht aufgenommen worden sein“, sagt Hans-Helmut Eickschen von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Moers. Für ihn ist das Foto von großer Bedeutung – auch deshalb, weil es erstmals eine Gesamtansicht der Synagoge zeigt. Einen Teil kannte Eickschen schon von einem anderen Foto, doch jetzt wird erstmals die ganze Fassade der Synagoge sichtbar. Schon 1940 war die Häuserfront deutlich verändert worden, 1975 war es bei der Innenstadtsanierung abgerissen worden.

Möglich gemacht hat den wichtigen Fund Jochen Schink. Die Aufnahme ist von seinem Großvater Wilhelm Schink, Kassierer bei der NSDAP Moers. Im Fotoalbum findet sie sich zwischen Fotos vom Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald und dem Leuchtturm von Bad Kühlungsborn an der Ostsee wieder. Dieses und vier weitere Alben mit historischen Fotos hat Schink jetzt dem Museum geschenkt: „Wir haben in der Familie kurz darüber gesprochen. Uns war klar, dass die Alben nicht auf ewig im Wohnzimmerschrank bleiben sollten.“

„Ein wichtiges Bildzeugnis für die Moerser Geschichte“, nennt Museumsleiterin Finkele die Aufnahme der Synagoge nach der Schändung. Das Foto – und eine Vergrößerung – bekommt einen Platz in der Ausstellung über Moerser Geschichte im 20. Jahrhundert, die 2020 im Alten Landratsamt eröffnet wird.

Für Hans-Helmut Eickschen beweist das Foto: „Die Schändung der Synagoge in Moers muss jeder gesehen haben.“

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