Natur

Issumerin lädt in ihren Garten ein

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Issum.Auf ihren Blauglockenbaum ist Irmhild Dahlen besonders stolz. Blassblau blüht er derzeit in voller Pracht und wird auch jene Besucher erfreuen, die am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag, 16. Mai, zwischen 10 und 17 Uhr an der Nieukerker Straße 32 die „offene Gartenpforte“ passieren.

Dort können sie insbesondere einen Blick in den japanischen Garten werfen. Sie werden vorbeigehen an einen Chinesischen Taschentuchbaum, der im vorderen Park steht, die seit fünf Generationen im Familienbesitz befindliche Mühle passieren und dann erstaunt sein darüber, dass sich kurz vor den niederrheinischen Äckern Kiefern in den Himmel recken, die so gar nicht heimisch aussehen. „Sie wurden japanisch beschnitten“, sagt Irmhild Dahlen und auch, dass es sich um österreichische Schwarzkiefern handelt.

Kargheit und
Ausdruckskraft

Die passionierte Gärtnerin mag klare Strukturen, wie sie in jedem japanischen Garten zu finden sind. Lange hatten Irmhild Dahlen und ihr Mann in Bonn gelebt. Dort lernte sie den von der japanischen Botschaft angelegten Garten kennen und lieben: „Im dem war ich ständig zu Gast“. 1985 begann sie in Sevelen damit, den eigenen Garten anzulegen. Ein zehn Meter breiter Ackerstreifen wurde mit Bäumen bepflanzt. Später kam die Teichlandschaft dazu, in der heute zahllose Kois leben.

Der Japan-Garten hat Vorbilder in den Shogunen-Gärten, die in der Zeit von 1100 bis 1500 in Japan entstanden sind, „eine kriegerische aber auch sehr kulturvolle Zeit“, sagt Irmhild Dahlen. Später kamen mit dem Erstarken des japanischen Bürgertums die Zen-Gärten hinzu.

Ihnen allen zu eigen ist ihre Kargheit, in der eine enorme Ausdruckskraft liegt. Da spielen die Formen und Farben der Blätter und Nadeln eine wesentliche Rolle, nuancierende Grüntöne, die im Kontrast zu schwarzen Stämmen und weißem Kies stehen.

Bunte Farbtupfer setzen an der Nieukerker Straße die Azaleen- und Rhododendronblüten. Letztere stehen makellos da - sie und der Rasen bekommen Dünger. Ansonsten bleibt die Chemie draußen.

Es gibt lauschige Plätze auf dem 8000-Quadratmeter-Areal - zwischen Kiefern blickt man von einem kleinen Sandhügel hinaus auf den See, in dessen Mitte sich eine kleine Insel befindet - die Schildkröteninsel. „In Japan stehen Schildkröten für ein langes Leben und Kraniche für Schönheit,“ sagt Irmhild Dahlen, klar, dass auch zwei der Vögel am Wasser stehen - allerdings als lebensgroße Nachbildungen.

Zur Ruhe und zu sich selbst findet, wer auf dem kleinen grünen Bänkchen Platz nimmt, das unter einem dichten Wacholderdach steht. Kunstvoll ist auch dieser Baum geschnitten, ähnelt einer grünen Kaskade.

Unweit davon kümmert ein Schneeglöckchenstrauch: „Mit dem muss ich sprechen“, sagt die Gärtnerin, die auch eine „Krankenabteilung“ unterhält, ansonsten aber eine robuste Haltung ihren Pflanzen gegenüber einnimmt: „Oberste Leitlinie ist: Bei mir muss niemand im Garten bleiben“ - sprich: Wenn’s gar nicht klappt, werden die Pflanzen wieder ausgegraben.

Das kleine japanische Teehaus ist Grenzstein im Garten. Danach geht es „karibisch“ weiter - mit blauem Pool und passender Bepflanzung. Goldregen, lila und hellblauer Flieder stehen neben einer mächtigen Sequoia, dahinter ein Iris-Beet, den Pflanzen, die auch im Garten von Givenchy zu finden sind - man kann sich nicht statt sehen im Garten von Irmhild Dahlen, die stolz darauf ist, ihn allein in Ordnung zu halten. Auch wenn das im Alter zunehmend schwer wird. „Einen Meniskus hab ich dem Garten geopfert“, sagt sie lächelnd. Doch aufhören? Kein Gedanke!

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