Austausch

Junge Franzosen in Issum zu Gast

Foto: WAZ FotoPool

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Issum. „C'est bien” - das ist gut, der Kommentar der jungen Franzosen aus Courdemanche, die erstmals zum Austausch nach Issum gekommen sind, fällt positiv aus.

Dabei haben sie eigentlich noch gar nicht so viel vom Ort gesehen. Gegen 10.30 Uhr stehen sie mit ihren deutschen Freunden an der Schulstraße, wollen zum Dorfrundgang aufbrechen.

509 Stufen hoch - und wieder runter

Tagszuvor ging's nach Köln - erst ins Schokoladenmuseum, und dann, mit gut gefülltem Magen, rauf auf den Kölner Dom: 509 Stufen hoch und wieder runter. Da waren die Kalorien wieder weg. Abends dann in Issum große Scheunenparty bei Kleinmanns - zum besseren Kennenlernen werden in Deutschland und Frankreich populäre Spiele gespielt, es wird gesungen und getanzt und Diebels probiert.

In diesem Jahr bestehend die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Issum und Courdemanche 50 Jahre, was im Mai mit dem Besuch von 48 Gästen aus dem Departement Sarthe groß gefeiert wurde. Gustav Niermann und Roger Salinas hatten sich im Krieg kennen gelernt, der eine als Besatzer, der andere als Besetzter. Dennoch wurden sie Freunde und schworen sich: Einen neuen Krieg darf es nicht geben. Und es wird ihn nicht mehr geben, wenn sich die Jugend beider Völker kennen und verstehen lernt.

Niermann, später NRW-Landwirtschaftsminister, und andere Engagierte verfolgten die Idee weiter. 1959 kam es zur ersten Austauschreise.

50 Jahre später sind die Begegnungen zwischen Issumern und den Bürgern aus Courdemanche, der älteste vom Deutsch-Französischen Jugendwerk geförderte Austausch.

„Wir erhalten einen Zuschuss zu den Fahrtkosten”, sagt Carsten Vosseler. 80 Euro pro Person. Für alles andere kommen die Freunde auf.

Fünf Jahrzehnte nach der Gründung ist der Austausch lebendig wie nie. Internet und Webcam helfen, die Freundschaft zu bewahren. Und es hilft der Verein, der im Dezember vergangenen Jahres gegründet wurde. Ohne seine 30 Mitglieder hätte das Jubiläum nicht gestemmt werden können, sagt Vosseler.

Zwischenzeitlich ist die Gruppe am „His-Törchen” angekommen, besucht die Bergbau-Ausstellung. Später gibt es vor Haus Issum erste Informationen zur Ortsgeschichte und drüber, dass Issum im 18. Jahrhundert vorübergehen französisch wurde und dass Napoleon auch Gutes mitbrachte: Die Post, ein verbessertes Straßennetz, den Code Civil. Die jungen Franzosen erfuhren, dass Issums Wirtschaft landwirtschaftlich geprägt ist, aber auch eine Hochzeit als Weber-Ort mit knapp 600 Webstühlen auf 2000 Einwohner hatte.

Wein und Tuffstein

600 Einwohner zählt das kleine Örtchen Courdemanche, 38 Kilometer südlich von Le Mans gelegen. Hier dominieren die Landwirtschaft und der Tuffsteinabbau, und „es gibt auch ein wenig Weinbau - den Jasnière, einen der ältesten Weine Frankreichs”, sagt Nelly Beaune´. Dass das flüssig auf Deutsch rüberkommt, hat einen einfachen Grund: Nelly Beaune´ kam auch im Austausch - ist aber vor zehn Jahren hier geblieben.

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