Lebenslanges Arbeiten

Käthe van Schingen geht auch mit 80 noch regelmäßig ins Büro

Käthe van Schingen an ihrem Arbeitsplatz: Sie ist die älteste Mitarbeiterin des Bethanien Krankenhauses. Und sie muss manchmal genau hinhören, was die Ärzte so diktiert haben.

Käthe van Schingen an ihrem Arbeitsplatz: Sie ist die älteste Mitarbeiterin des Bethanien Krankenhauses. Und sie muss manchmal genau hinhören, was die Ärzte so diktiert haben.

Foto: Arnulf Stoffel

Moers.   Die Rentnerin kann es nicht lassen: Regelmäßig schreibt sie für das Krankenhaus Bethanien Arztberichte. Eine Aufgabe, die durchaus Tücken hat.

„Bethanien ist mein Leben!“ Mit dieser einfachen Begründung erklärt Käthe „Katja“ van Schingen, warum sie als 80-Jährige immer noch im Job und eine von knapp 1400 Mitarbeitern des Moerser Krankenhauses ist. „Nach neun Jahren als Rechtsanwaltsgehilfin habe ich am 1. April 1963 als Schreibkraft im Bethanien angefangen“, erzählt sie bei Kaffee und Plätzchen in ihrem weihnachtlich geschmückten Büro.

Uns gegenüber sitzt eine elegant gekleidete, perfekt frisierte Frau, der man ihr Alter nicht ansieht: „Die Arbeit und die netten Kolleginnen halten mich jung“, sagt sie und lächelt verschmitzt. Außerdem sei sie seit 15 Jahren Witwe, habe keine Kinder und somit genügend Zeit. Inzwischen komme sie nur noch zweimal in der Woche ins Büro, um die OP-Berichte zu schreiben.

Pressesprecherin Barbara Schirner betont: „Von uns allen, einschließlich der Ärzte, möchte niemand auf sie verzichten.“ Deshalb sei das kein Problem gewesen, als Frau van Schingen vor 15 Jahren in Rente ging und trotzdem weiterarbeiten wollte. „Samstag war mein letzter Arbeitstag und am Montag drauf war ich wieder da“, berichtet diese.

Manche Ärzte nuscheln

Das Besondere an ihrer Arbeit: „Manche Ärzte nuscheln, andere diktieren ohne Punkt und Komma, doch damit komme ich gut klar“. Auch medizinische Fachbegriffe, anfangs „böhmische Dörfer für mich“, seien schon lange kein Problem mehr. „Kurz davor, aufzugeben, war ich nur einmal. Das war vor 20 Jahren, als der Computer die Schreibmaschine verdrängte“, erinnert sich die alte Dame. „Doch alle hatten Verständnis und die Kollegen haben mir geholfen. Heute möchte ich ihn nicht mehr missen.“

Und wie ist das, immer die Krankenberichte zu schreiben? Ja, meint Katja van Schingen, dabei könne man schon zum Hypochonder werden. „Anfangs bin ich immer gleich zum Arzt gelaufen und habe gesagt: ‚Herr Doktor, das hab ich auch‘. Aber, das muss man ablegen, sonst wird man hier nicht alt.“

Urlaub ist ein Fremdwort

Überhaupt müsse heute so vieles penibel dokumentiert werden. Alles sei wesentlich schnelllebiger geworden, doch das gute Betriebsklima sei geblieben. Zwar habe es in ihrem Leben – und natürlich auch im Job – Höhen und Tiefen gegeben, „doch hier habe ich mich immer wohl gefühlt. Hier war ich zuhause“.

So sehr, dass „Urlaub“ für sie stets ein Fremdwort war. „All die Jahre bin ich, auch morgens um fünf, mit Freude zur Arbeit gegangen. Mein größter Wunsch ist, dies noch eine Weile weiter tun zu können“, sagt die rüstige Seniorin, die am 18. Dezember 81 wird und im nächsten Jahr ihr 55-jähriges Bethanien-Jubiläum feiern kann.

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