Ausstellung

Kamp-Lintfort: Museum Kamp zeigt „Die Welt am Faden“

Der Schläfer, der Eisverkäufer und der Lotto-Opa – allesamt Marionetten von Annette Schreiner, die in der Ausstellung "Die Welt am Faden“ im Museum Kloster Kamp zu sehen sind.

Der Schläfer, der Eisverkäufer und der Lotto-Opa – allesamt Marionetten von Annette Schreiner, die in der Ausstellung "Die Welt am Faden“ im Museum Kloster Kamp zu sehen sind.

Foto: Lucas Bayer

Kamp-Lintfort.   Das Museum Kloster Kamp lässt die Puppen tanzen – mit Marionetten von Annette Schreiner. Die verzaubern die Schatzkammer in ein Märchenreich.

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Selten hat sich das Museum Kloster Kamp so verzaubert gezeigt, wie in diesen Tagen: „Die Welt am Faden“ heißt die aktuelle Ausstellung in der Schatzkammer auf dem Abteiberg, die den Besucher geradewegs ins Reich der Fantasie führt. Am morgigen Samstag öffnet sich dort offiziell der Vorhang für ein Marionettenspektakel der besonderen Art – mit den Figuren der Dinslakener Marionettenschnitzerin Annette Schreiner.

Der Froschkönig, gekleidet in rubinrotem Taft und eingehüllt in einen gefilzten grünen Umhang, hat einen listig-verschmitzten Mund zum Küssen. „Das ist tatsächlich einmal passiert, dass ein kleines Mädchen geradewegs auf dies Marionette zugegangen ist, und sie auf den Mund geküsst hat“, sagt Annette Schreiner und lacht: „Die Figuren suchen sich ihr Gegenüber aus.“

Die Puppen sind Persönlichkeiten für Persönlichkeiten

„Es sind Persönlichkeiten für Persönlichkeiten“, ergänzt Museumsleiter Peter Hahnen, der auf Kamp die Arbeiten der Dinslakenerin erstmals in einer eigenen Ausstellung präsentiert.

Annette Schreiners Marionetten bestechen nicht nur durch viel Liebe zum Detail, sondern vor allem durch ausdrucksstarke Gesichtszüge. Da kommen dem Besucher unwillkürlich magische Geschichten rund um Waldkönig oder Fliegenpilzfrau in den Sinn. Allein: Auf einer Puppenbühne bekommt man Annette Schreiners Figurenensemble nicht zu sehen: „Meine Marionetten sind nicht für die Bühne gedacht. Sie sind zu filigran gearbeitet und daher nicht bühnentauglich“, sagt die 59-jährige Kunsthandwerkerin. „Das Spiel interessiert mich nicht, mich interessiert nur die Puppe.“ Dass die unbedingt an Fäden hängen muss, erklärt sie so: „Die Beweglichkeit ist eine andere, eine Marionette hat etwas Lebhaftes, Lebendiges.“

Faszination für die Puppen mit Mitte 30 entdeckt

Studiert hat Annette Schreiner Geografie, mit Mitte 30 entdeckte sie ihre Faszination für die Puppen an Fäden. Ihr Handwerk lernte sie am Figurenkolleg Bochum. Spannend für die Museumsbesucher ist auch der Einblick in ihre Werkstatt. Exemplarisch sind in einer Vitrine Arbeitsgeräte und Werkstoffe arrangiert. Dazu zeigen Fotografien die Kunsthandwerkerin bei ihrer Arbeit.

Zu sehen sind aber nicht nur Fantasiefiguren, auch für Charakterköpfe hat Annette Schreiner ein Händchen. Für den Straßenmusiker mit der Geige am Kinn ebenso wie für den französischen Künstler mit der Zigarette zwischen den Lippen und der Palette in der Hand.

„Ich lebe dieses Kunsthandwerk, es ist eine Besessenheit“, sagt Annette Schreiner. Sie habe das Gefühl, dass die Welt der Marionetten heute wieder mehr Menschen interessiere. „Es gibt eine Sehnsucht nach Dingen, die die Seele satt machen.“

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