Kiesabbau

Kamp-Lintfort setzt im Kiesstreit auf den eigenen Dialog

Denise Cleve, BM Cristoph Landscheid und Melanie Gronau, von links, erklären am Freitag, warum es Sinn ergibt, eine alternative Bürgerkonferenz zum Thema Kies zu veranstalten.

Denise Cleve, BM Cristoph Landscheid und Melanie Gronau, von links, erklären am Freitag, warum es Sinn ergibt, eine alternative Bürgerkonferenz zum Thema Kies zu veranstalten.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Kamp-Lintforts Bürgermeister sieht die Konferenz in Wesel als sinnlos an und initiiert mit Niederrheinappell am selben Tag einen Bürgerdialog.

Die Kieskonferenz in Wesel am kommenden Dienstag, 8. Oktober, wird ohne die Stadt-Kamp-Lintfort stattfinden. Stattdessen wird Bürgermeister Christoph Landscheidt am selben Tag um 18 Uhr einen Bürgerdialog anbieten – gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Niederrheinappell, das sich bekanntlich gegen weitere Auskiesungsflächen ausspricht. In einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärte Bürgermeister Landscheidt am Freitag gemeinsam mit den Bündnismitgliedern Melanie Gronau und Denise Cleve die Gründe.

So sei bei der Konferenz in Wesel keine Abwägung gegenseitiger Interessen geplant, sondern lediglich der Austausch verschiedener Standpunkte, ohne dass sich an der grundsätzlichen Frage, ob überhaupt weitere Auskiesungsflächen ausgewiesen werden müssen, irgendetwas ändere, so Landscheidt. Wenn überhaupt, werde über Austauschflächen diskutiert. Für Landscheidt, Cleve und Gronau geht es aber nicht um Flächentausch, sondern um weniger Kiesabbau. Und solange sich an der grundsätzlichen Haltung nichts ändere, ergebe es für die Stadt und das Bündnis keinen Sinn, mit der Kiesindustrie zu verhandeln. „Fragen Sie doch mal die Braunkohlegegner, ob sie an einer Konferenz teilnehmen wollen, auf der nur festgelegt wird, wo man baggert, aber nicht, ob überhaupt noch gebaggert werden soll“, sagt Melanie Gronau.

“Es gibt keine konfliktfreien Flächen mehr“, sagt Denise Cleve

Bürgermeister Landscheidt erinnert unterdessen an die Versprechen, die die Kiesindustrie in den vergangenen Jahren nicht eingehalten habe. So habe man schon 1999 versprochen, dass 2019 in Rossenray alles renaturiert sei. Tatsächlich aber sehe es dort aus „wie eine Mondlandschaft“. Zum anderen beklagen Landscheidt, Cleve und Gronau die dünne Informationslage. „Stimmt es, dass 30 Prozent des abgebauten Kieses exportiert werden?“, fragt der Bürgermeister. Eine Antwort darauf habe er bis heute nicht.

Dabei gehe es doch in erster Linie um den Bedarf und das System zur Ermittlung der Flächenanzahl, sagt Melanie Gronau. Anstatt zunächst zu gucken, wie viele Flächen man überhaupt benötige, würden zahllose Flächen ausgewiesen, so Gronau weiter. Damit „zäumt man das Pferd von hinten auf“, ergänzt Denise Cleve, der vor allem der Trinkwasserschutz ein Anliegen ist. Das Thema sei in Wesel aber gar nicht vorgesehen. Dabei, so Cleve weiter, sei auch klar: „Es gibt keine konfliktfreien Flächen mehr.“ Als nächstes seien Natur- und Landschaftsschutzflächen an der Reihe.

„Wir sprechen über Auskiesung, wenn es weniger wird“, sagt der Bürgermeister

Auf diese und weitere Probleme im Zusammenhang mit dem Kiesabbau möchten Stadt und Niederrheinappell am Dienstagabend ab 18 Uhr im Ratssaal hinweisen. Zunächst kommen Umweltexperten zu Wort, danach können die Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen.

Damit wird die Stadt als einzige betroffene Kommune am Dienstag nicht mit am Tisch in Wesel sitzen. Dass er damit den Konflikt mit Kiesindustrie und auch der Landespolitik weiter verschärfen könnte, ficht den Bürgermeister unterdessen nicht an. „Anders als konfrontativ kann man das Thema eben nicht behandeln“, sagt Christoph Landscheidt, dem auch eines wichtig ist: Man versperre sich in keiner Weise dem Dialog mit der Kiesindustrie. Allerdings ergebe ein Gespräch, bei dem das Ergebnis bereits vorher feststehe, keinen Sinn. „Wir sprechen über Auskiesung, wenn es weniger wird.“ Vorher nicht.

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