Literatur

Kamp-Lintfort: So schaurig-schön ist die Kriminacht

| Lesedauer: 3 Minuten
Autor Martin Krist liest  in der Mediathek aus seinem Buch „Märchenwald“ vor. Die Kriminacht ist eine gemeinsame Lesungsreihe der Mediathek Kamp-Lintfort, des Vereins LesART, des Bistro 26 und der Buchhandlung am Rathaus.

Autor Martin Krist liest in der Mediathek aus seinem Buch „Märchenwald“ vor. Die Kriminacht ist eine gemeinsame Lesungsreihe der Mediathek Kamp-Lintfort, des Vereins LesART, des Bistro 26 und der Buchhandlung am Rathaus.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Autor Martin Krist las in der Mediathek in Kamp-Lintfort aus seinem Thriller „Märchenwald“. Im November ist Kathryn Shepherd zu Gast.

Zwei Kinder fliehen vor einem unsichtbaren Gewalttäter in die Nacht, ein beim Abendessen Verstorbener verwahrt Leichenstücke in der Kühltruhe, und eine geschundene Frau ohne Gedächtnis wird durch das nächtliche Berlin gejagt. Schön schaurig ist es bei der jüngsten Kriminacht in der Mediathek. Autor Martin Krist liest aus seinem Roman „Märchenwald“, einem Thriller, der nicht eine Minute langweilt.

Martin Krist liest gekonnt. Er wechselt die Stimmlage je nach handelnder Person. Mindestens genauso gut kann er schreiben. Er schildert das aufkeimende Grauen der Protagonisten, die Szenarien sind plastisch und detailreich, aber nicht langatmig. Stephen King sei eines seiner Vorbilder, sagt er. „Der Film im Kopf beginnt zu laufen“, beschreibt es eine Zuhörerin. Sie habe den Krimi gelesen.

Die verschiedenen Handlungsstränge verwebt Martin Krist bis zum Ende, es folgt ein Finale mit unerwartetem Ausgang. Manchmal schwingt schwarzer Humor mit. Vor allem, als ein offensichtlich in seiner Wohnung beim Essen Verstorbener – er fiel mit dem Kopf in die Bratensoße – von Kommissar Kalkbrenner und Team gefunden wird. Leider finden sie auch die in Gefrierbeuteln verpackten Leichenstücke in der Truhe, sonst wäre es ein ganz normaler Toter gewesen. Und als die Nachbarin dem Kommissar berichtet, sie und ihr Mann hätten doch immer so exquisit bei den vielen Einladungen des Verstorbenen gespeist, macht sich Heiterkeit im Publikum breit.

Die Buch-Ideen kämen ihm überall, berichtet der Autor. So auch, als er in der S-Bahn in Berlin abends zwei Kinder ganz allein habe sitzen sehen. „Wer lässt seine Kinder zu dieser Zeit allein durch Berlin fahren, dachte ich da.“ Die beiden tauchen im Krimi „Märchenwald“ wieder auf, als Flüchtende, die sich zum Opa retten wollen. „Es ist nur ein Spiel; im Märchenwald wird immer alles wieder gut“, sagt der Große zur kleinen Schwester.

Der 1971 in Kevelaer geborene Autor, mit bürgerlichem Namen Marcel Feige, lebt in Berlin. 2006 veröffentlichte er seinen ersten Roman, zuvor schon schrieb er Sachbücher. Als Christoph Brandhurst schreibt er auch Erotik. „Ich wollte als Kind immer Lokführer werden“, erzählt Feige alias Krist dem Publikum. Als Kind habe er Bücher verschlungen, später für die Zeitung vor Ort geschrieben. Die Pseudonyme habe er sich vor Jahren auch wegen eines Verlagswechsels gegeben.

In der Reihe „Kriminacht“ liest am 17. November Kathryn Shepherd (es gilt stets die 3-G-Regel). Karten gibt es nur im Vorverkauf für je acht Euro in der Mediathek und in der Buchhandlung am Rathaus. Inbegriffen ist ein kleiner Imbiss vom Bistro 26. Beginn der Lesungen ist jeweils um 19 Uhr.

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