Ausstellung

Kamp-Lintfort: Wie Uecker Worte zu Farben werden lässt

Elke Wimmer (Lineg) und Galerist Andreas Verfürth mit der hölzernen Schatulle, die als „Mappe“ für die Druckgrafiken dient.

Elke Wimmer (Lineg) und Galerist Andreas Verfürth mit der hölzernen Schatulle, die als „Mappe“ für die Druckgrafiken dient.

Foto: Volker Herold

Kamp-Lintfort.   Galerie Schürmann und Lineg zeigen „Günther Uecker – Huldigung an Hafez“. Eine poetische und farbenfrohe Bilderschau – fast ohne Nägel.

So richtig mag man es auf den ersten Blick kaum glauben: Diese sinnlichen, farbenfrohen Grafiken hat ausgerechnet Nagelkünstler Günther Uecker geschaffen? Hat er – inspiriert und fasziniert vom Werk des großen persischen Dichters Hafez, den schon Goethe verehrte. „Huldigung an Hafez“ heißt demnach auch die Mappe mit 42 druckgrafischen Werken des bekannten 89-jährigen Malers und Objektkünstlers, die die Galerie Schürmann in Zusammenarbeit mit der Lineg jetzt nach Kamp-Lintfort geholt hat.

Nicht nur, dass Kamp-Lintfort mit dieser Ausstellung erneut einen kulturellen Höhepunkt in der Region setzen kann – mit der Uecker-Ausstellung geht für Galerist Andreas Verfürth auch ein persönlicher Traum in Erfüllung: Nach Otto Piene (2016) und Heinz Mack (2018) kann er nun mit Günther Uecker auch den dritten der drei großen deutschen Zero-Künstler in einer Einzelausstellung zeigen. Und das „mit einem wirklich monumentalen Werk“, wie Verfürth findet.

Kulturelle Brücken in schwierigen Zeiten

Ueckers 2015 entstandener Zyklus zu Ehren des persischen Dichters hatte nicht nur Kunstkritiker jubeln lassen, sondern auch kulturelle Brücken in politisch schwierigen Zeiten geschlagen: „Huldigung an Hafez“ war schon in Shiraz und Teheran und in diesem Jahr bereits in Isfahan zu sehen.

Ebenso kraftvoll und dynamisch wie mitunter auch leise und leicht hat Uecker die Lyrik des 1320 geborenen Dichters in seine Bildsprache übersetzt. Mal kombiniert er die Ghazele genannte lyrische Gedichtform mit ins Deutsche übersetzten Zitaten aus eben jenen Gedichten, mal löst er Schrift auf oder lässt sie einfach weg. Und – ja – es gibt in dieser Mappe auch Prägedrucke, bei denen Nägel eine Rolle spielen. Sehenswert sind auch jene Blätter, auf denen Uecker mit Sand arbeitet. Der erste Hingucker findet sich übrigens direkt am Eingang des Lineg-Gebäudes: eine bemalte hölzerne Schatulle – die tatsächlich als „Mappe“ für die Grafiken dient.

Zero-Kunst als Eckpfeiler

Die Serie „Huldigung an Hafez“ besteht aus 31 Siebdrucken, fünf Prägedrucken und sechs Sanddrucken. Zusätzlich hat Verfürth Einzelstücke und Arbeiten einer weiteren Mappe gehängt, die ausgestellten Werke sind laut Verfürth zwischen 1971 und 2018 entstanden. Was Zero-Kunst für ihn zu einem Meilenstein der deutschen Kunstgeschichte macht, erklärt Verfürth so: „Zero begleitet mich, seitdem ich mich ernsthaft mit Kunst beschäftige. Das ist eine Art von Kunst, hinter die ich mich voll stellen kann. Die Aufbruchstimmung, die herrschte, als diese Kunst entstanden ist, begleitet mich in meiner Arbeit. Für mich sind Piene, Mack und Uecker Eckpfeiler.“

>>> INFO

„Erfüllt vom Klang der Poesie, von Hafez, tief in der Seele angerührt, beschwingt durch die lebensvolle Kraft der Wörter, im Taumel tanzen die Gedanken, in den Beschreibungen, den Dichter auf seinen Wegen zu begleiten, die Wörter werden zu Farben, bekränzen ihn und seine wundersamen Verse ...“

Diese Worte stellt Uecker seinem Werkzyklus voran. Die Ausstellung „Günther Uecker – Huldigung an Hafez“ ist vom 17. Mai bis zum 28. Juni in den Räumen der Lineg, Friedrich-Heinrich-Allee 64, während der Geschäftszeiten (mo bis do 9 bis 16 Uhr, fr 9 bis 13 Uhr) oder nach Vereinbarung zu sehen.

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