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Kamp-Lintfort: Wie Waldbaden gegen Alltagsstress hilft

Waldbaden im Kamper Wald in Kamp-Lintfort.

Waldbaden im Kamper Wald in Kamp-Lintfort.

Foto: Norbert Prümen

Kamp-Lintfort.   Regina Stark vermittelt Naturerlebnisse der einfachen Art. Sie sagt: Man braucht keine Outdoor-Ausrüstung, um den Kopf abzuschalten.

Im Wald baden? Klingt erstmal ungewöhnlich. Und gewiss: Eine Badewanne steht im Wald nicht bereit. Was Waldbaden bedeutet und wie entspannend es sein kann, erlebten Besucher neulich im Kamper Wald. Regina Stark hatte im Rahmen ihrer Reihe „Qigong im Park“ zum Naturerlebnis der besonderen Art eingeladen.

„Seit fünf Jahren kommen zwischen zehn uns zwanzig Personen zum Shibashi im Stephanswäldchen“, erklärt Stark. Schnell fanden alle Gefallen an der japanischen Bewegungsmediation unter freiem Himmel. Die Idee hinter der intensiven Begegnung mit der Natur entstand aus dem Alltag heraus: Stark steht auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstätte oft im Stau. Auf der Strecke nach Dinslaken ist Stress oft vorprogrammiert. „Da habe ich nach einem Ausgleich gesucht“, so Stark.

Ein Ausgleich für den Bürojob

Es sollte ein Ausgleich sein, der fernab des Bürostuhls ganz neue Erfahrungen bietet. In der Natur fand Stark ihre Kraft. In ihren Kursen erzählt sie von ihren Erlebnissen und macht die Heilungswege der Natur erfahrbar für andere.

„Im Juni sind wir erstmalig zum Waldbaden zusammengekommen“, sagt Stark. Das Waldbaden ist einfach, kann in der Gruppe oder alleine erlebt werden. Und: Man braucht keine Outdoor-Ausrüstung, um den Kopf abzuschalten, sagt Stark: „Viel wichtiger ist der direkte Kontakt mit der Natur, der heute so oft fehlt.“

Zwei Kilometer durch den Kamper Wald

Genau diesen Kontakt sollten die sechs Teilnehmer auch erleben. Beim kostenfreien Angebot ging es gut zwei Kilometer durch den Kamper Wald. „Augen auf und lasst eure Gefühle zu“, riet Stark, die die Teilnehmer bewusst ins Grüne schauen ließ. Es war ein Spaziergang der Sinne: Die Nase schnupperte hölzernen Waldgeruch, die Hände fühlten samtige Baumblätter und weiches Moos und unter den Füßen war erdiger Waldboden zu spüren. Wer genau hinsah, entdeckte manch märchenhaften Fleck.

Eine der Entdeckerinnen war Barbara Leiße. Die 62-jährige Orsoyerin liebt Dinge aus der Natur und verwendet sie als Dekoration: „Das Waldbaden mache ich zum ersten Mal und bin begeistert.“ Als leichter Sommerregen auf die Blätter prasselt, lacht sie: „Da kann ich stundenlang zuhören.“

Der Wald ist ein Stück Heimat

Trotz der durch die Hitze bedingten Dürre entdeckte die Gruppe noch viele Farben im Wald. Gabriele Müller aus Kamp-Lintfort hielt Bucheckern und einen rundgeformten Ast in der Hand. „Der Wald ist für mich ein Stück Heimat“, sagt Müller. Mit ihrem Hund und ihrer Kamera ist sie oft hier und hat den Blick fürs Detail. „Schaut mal, da ist ein Faultier“, rief sie und zeigte auf ein zerknautschtes holziges Baumgesicht, das aus einem Stamm emporblickte. „Das könnte auch Meister Yoda sein“, lachte Sabrina Wulf.

Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt und der Alltagsstress war schnell vergessen. Bei Atemübungen mit Blick ins Waldidyll wurde klar: Natur entspannt und verbindet Menschen. Zukünftig plant Stark weitere Führungen: „Für Kinder und Familien ist das Waldbaden ein tolles Erlebnis.“

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