LesArt

Kamp-Lintforter müssen nicht auf LesArt-Buchtipps verzichten

Es gibt die Buchtipps in diesem Jahr nicht bei einem Präsenz-Treffen in Kamp-Lintfort.

Es gibt die Buchtipps in diesem Jahr nicht bei einem Präsenz-Treffen in Kamp-Lintfort.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  In diesem Jahr der Verein LesArt die Buchtipps nicht bei einem Treffen weitergeben. Aber die Kamp-Lintforter müssen nicht auf Tipps verzichten.

Im Garten sind bald die letzten Blätter weggefegt, die Temperaturen sinken endgültig auf Herbst- statt Frühlingsniveau – was gibt es da Schöneres, als mit einem herrlichen Schmöker auf die Couch zu ziehen. Normalerweise können die Kamp-Lintforter bei der Wahl der Lektüre auf die Reihe „Aufgelesen“ des Vereins LesART zurückgreifen. Diese Veranstaltung ist aber eine der vielen anderen, die wegen Corona nicht möglich sind. Verzichten müssen sie aber nicht auf die Buchtipps. In zwei Teilen veröffentlicht die NRZ die Kurzrezensionen der Titel, die die Vereinsmitglieder für den Abend „Aufgelesen“ vorbereitet haben. Dieses ist der zweite Teil.


David Zaoui: Schmid malt. Roman
. Dieser Roman ist genauso knallbunt, wie es das Cover verspricht. Es ist die Geschichte eines erfolglosen Künstlers, der sich um seine demente Großmutter kümmert, in einem Plattenbau einer Pariser Vorstadt Tür an Tür mit seinen Eltern lebt und die Träume der Tiere im Zoo, in dem sein Vater arbeitet, malt. Niemand will diese Träume sehen, keine Agentur zeigt an seinen Bildern Interesse, sein Arbeitsberater bedrängt ihn mit stereotypen Briefen und kuriosen Jobangeboten, die ihn in der Eigenschaft eines Künstlers nicht akzeptieren. Von seiner Großmutter erbt er Schmid, einen Kapuzineraffen. Durch sie, – es ist eine Affendame – und durch eine kleine Liebesgeschichte am Rande gelingt ihm endlich der künstlerische Durchbruch – und das auf höchst amüsante und unvorhersehbare Weise. Eine kuriose Geschichte, die bis auf ein paar Kleinigkeiten trotzdem so real daher kommt, als sei sie aus dem wirklichen Leben gesprungen. (Katharina Gebauer). https://www.nrz.de/staedte/moers-und-umland/corona-in-moers-am-besten-ueber-die-probleme-sprechen-id230971208.html


Arezu Weitholz : Beinahe Alaska.
Eine junge Fotografin begleitet mit dem Auftrag, die Reise zu dokumentieren, eine Kreuzfahrt von Grönland durch die Nordwestpassage. Ziel: Alaska. „Es wird keinen Mord geben, keine Leichen, kein Monster, keinen Unfall, keine abgefrorenen Nasen oder Zehen. …. Es wird kein Mann und auch keine Frau über Bord gehen, es wird nicht knapp, nicht eng, nur kalt und gelegentlich ein bisschen böse. Die Abgründe bleiben in den Menschen. Man wird sie bloß spüren.“ Sie beobachtet die vorbeiziehenden Landschaften und vor allem ihre Mitreisenden, ihr Verhalten zueinander, ihre Reaktionen auf fremde Eindrücke und auf die Ankündigung, dass das geplante Ziel nicht erreicht werden wird, weil die Nordwestpassage nicht passierbar ist. Gleichzeitig beobachtet sie auch sich selbst; während die Überschrift des ersten Kapitels „Es wird“ lautet, heißt das letzte „Ich könnte“ – die arktische Natur hat sie nicht unberührt gelassen, sie sieht für ihr Leben neue Möglichkeiten.

Ich habe selbst auf mehreren Reisen die Stille und überwältigende Größe der arktischen Landschaften erlebt, und Arezu Weitholz‘ klare, ruhige Sprache ruft Bilder hervor, die mich sehr angesprochen haben. Empfehlenswert! (Renate Kloesgen)


Elisabeth Gilbert: City of Girls
. Die Erzählerin bringt uns in das New York der 40er Jahre zu Gangstern, Drinks und Jazz. Aber auch zu wunderbaren, unkonventionellen Figuren, die einen sofort interessieren und berühren. Da ist Vivien, sie kommt 1940 in die Stadt, 19 Jahre jung. Vivien stammt aus einem reichen, konservativen Elternhaus. Sie entspricht aber keineswegs den Erwartungen ihrer Eltern und ihres strengen Bruders. Sie fliegt von der Schule und wird zu Ihrer Tante nach N.Y. geschickt. Ausgerechnet ……Die betreibt das „Lily Playhouse“, ein heruntergekommenes, kleines Theater, das billige Shows produziert.

Die bis dahin gut behütete Vivien kann ihr Glück nicht fassen, da war Glamour, Chaos, Spaß. Eine andere Welt. Fröhlich und ausgelassen und frei. Sie hat wenig gelernt, außer Nähen kann sie nichts. Das hat ihr ihre Oma beigebracht. Damit macht sie sich nützlich und näht von da an die Kostüme der Revuegirls.

Es ist kein tiefgründiger Feminismus, sondern der Roman erzählt genüsslich, was diese Gruppe Frauen in den 40ern beschäftigt. Noch hat der Krieg Amerika nicht erreicht. Eine Emanzipationsgeschichte einer jungen Frau, zeigt auch den zeitgeschichtlichen Hintergrund. Die Autorin hat viele Erfahrungen aus ihrem eigenem Leben preisgegeben. Als Barkeeperin in N.Y. sorgte ihr buntes Liebesleben jahrelang für Schlagzeilen.

Zuletzt war sie mit der Künstlerin Raya Elias verheirate, die 2018 an Krebs starb. Auf mich hat das Buch nach den ersten 50 Seiten eine große Sogwirkung ausgeübt. Lesen! (Ulla Schümann)



Moritz von Uslar: Deutschboden. Eine teilnehmende Beobachtung.
Moritz von Uslar bringt uns in „Deutschboden“ seiner „teilnehmenden Beobachtung“ Charaktere aus der Kneipen- und Jugendszene der brandenburgischen Provinz näher. Indem der Zeitautor das in gewohnt sprachmächtiger Form tut, hilft er, Klischees über Ostdeutschland zu überwinden und damit ein differenziertes Bild zu schaffen. Viel Positiveres über Literatur kann man fast nicht sagen. (Birgit Spieker)

Elizabeth von Arnim: Elizabeth auf Rügen. Ein Sommerfrische-Roman, der anhand einer Rundtour über die Insel von Stralsund nach Binz romantische Naturschilderungen und Infos über Urlaubsverhalten um 1900 verbindet. Mit lockerem Schreibstil begegnet die Autorin ihren Zeitgenossen mit leicht Ironischer Distanz. (Birgit Spieker)

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