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Kamp-Lintforter schreibt Buch "Messerwerfen wie die Profis"

Messerwerfer Peter Kramer mit zwei seiner Trophäen.

Foto: Arnulf Stoffel

Messerwerfer Peter Kramer mit zwei seiner Trophäen.

Kamp-Lintfort.   Peter Kramer wirft mit Messern und Äxten. Aber nur zu Wettkampf-Zwecken. Jetzt hat er ein Buch über diesen ungewöhnlichen Sport geschrieben.

Als der kleine Peter Kramer sich Mutters Küchenmesser für seine ersten Versuche im Messerwerfen auslieh, stieß das nicht unbedingt auf Gegenliebe: „Das führte nicht zur Anerkennung meiner sportlichen Leistung“, schmunzelt der heute 53-Jährige.

Die kam erst viel später, nämlich im Jahre 2015. Mit dem Weltmeister-Titel im Axtwerfen in Nottingham. Der Kamp-Lintforter relativiert aber in aller Bescheidenheit: „Da waren zwei unter den 150 Teilnehmern, die ich normalerweise nicht schlagen kann. Aber die hatten einen schlechten Tag, ich einen guten.“

Schuld am Hobby ist eigentlich Karl May

So kann’s gehen. Beim Wurfmesser hat es immerhin für die Bronzemedaille gereicht. Der Mann ist im richtigen Leben Versicherungskaufmann, keine Berufsgruppe, die für ausgefallene Hobbys bekannt ist. Schuld ist

eigentlich Karl May. „Selbstverständlich habe ich alle Bände gelesen. Damit fing der Spaß ja an“, erklärt Kramer. Da, wo er wohnte, gab es einen Bahndamm und früher durfte man dort ja noch ungestraft spielen. Winnetou und Old Shatterhand waren natürlich die Vorbilder. Weil Mutter ihre Messer selbst brauchte, gab es irgendwann auch mal ein Pfadfindermesser.

Nach der Kinderzeit war es lange ruhig um das Hobby. 2004 hat Peter Kramer aus Spaß nach einem Wurfmesser im Internet gesucht und stieß auf „messerwerfen.de“ „Da gibt’s noch mehr Spinner wie mich“, stellte der Mann fest. Etwa 400 Menschen betreiben diesen Sport, schätzt er. Zu Wettkämpfen erscheine allerdings meist nur der harte Kern von 20 Sportlern. Kramer hat sich mit der offiziellen Version des Messerwerfens ein Jahr beschäftigt, „exzessiv“ trainiert und machte ein Jahr später bei den ersten Wettkämpfen mit.

Missionsarbeit gibt es noch viel zu leisten

Missionsarbeit gibt es aber noch viel zu leisten, weiß Kramer. „Die meisten denken beim Messerwerfen immer an die Zirkusnummer. Aber wir unterscheiden uns von den Show-Werfern.“ Zum Beispiel darin, dass es keine lebenden Zielscheiben gibt. Vor allem aber darin, dass die Wettkampf-Werfer über verschiedene Distanzen ihr Sportgerät ins Ziel bringen müssen. „Die Show-Werfer sind auf kurzen Distanzen richtig gut, aber bei fünf oder sieben Metern Abstand nicht mehr so“, weiß der Sportler.

Obwohl auch die Sportwerfer schon mal zu Vorführungen gebeten werden. Kramer selbst ist beispielsweise regelmäßiger Gast bei Feiern des BKA Meckenheim, wo dann schon mal auf Spielkarten gezielt wird. Oder einem Schützenverein in Bocholt, der sich dem Westernschießen verschrieben hat. „Das ist toll, dann können die mit den Messern werfen und ich kann mit einer Winchester schießen.“ Versteht sich von selbst, dass der Mann mittlerweile jeden Western gesehen hat, den es so gibt.

Kramer: „Bogenschießen ist gefährlicher“

Gefährlich ist dieses Hobby nicht, behauptet der Mann mit den zielsicheren Wurf. „Bogenschießen ist gefährlicher.“ Es sei denn, man versucht mit

Tomahawks zu jonglieren. „Hat mal einer versucht, ist nicht so gut ausgegangen.“ Ein bisschen fit sollte man schon sein, vor allem beim Werfen mit der Axt: „Da muss man das Tomahawk aus sieben Metern in ein pampelmusengroßes Ziel befördern, das braucht schon ein bisschen Kraft.“ Kein Problem für den athletisch gebauten Mann, der früher als Kunst- und Turmspringer erfolgreich war und im Kampfsport. Andersherum: Bei den Wettkämpfen tritt auch ein Herr erfolgreich an, der weit in den 70ern ist.

Etwa 30 Wurfmesser hat Peter Kramer inzwischen, günstige aber auch teure Einzelanfertigungen. Die Küchenmesser bleiben da, wo sie hingehören.


>>INFO
Das Buch „Messerwerfen wie die Profis“ von Peter Kramer ist im Wieland-Verlag erschienen und kostet 19,90 Euro. Darin gibt der Welt- und sechsfache Europameister Tipps zu Wurftechnik, Messern, Regeln oder die mentale Vorbereitung. Es ist das erst dritte Buch auf dem Markt zu diesem Thema.

Verbissen oder trocken geht der Profi dabei nicht ans Werk. Er beschreibt die Sportwerfer als „umgängliche und unkomplizierte Gesellen“.

Dieser Sport fristet gar kein Nischendasein: Kramers Website www.messerpete.npage.de hat schon 90 000 Besucher gehabt.

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