Justiz

Kamp-Lintforter soll 1700 € zahlen für einen Filmschnipsel

Ernst Toelke vor seinem PC im Arbeitszimmer.

Foto: Volker Herold

Ernst Toelke vor seinem PC im Arbeitszimmer. Foto: Volker Herold

Kamp-Lintfort.   Ernst Toelke soll für wenige Sekunden mitten in der Nacht einen Film in einer Tauschbörse im Netz angeboten haben. Den Film kennt er aber nicht.

Ernst Toelke wusste nicht, wie im geschah, als er Mitte Januar plötzlich einen dicken Brief einer Anwaltskanzlei aus München in den Händen hielt. Der 83-Jährige solle, hieß es da, am 27. Dezember von genau 4 Uhr 53 und 43 Sekunden bis 4 Uhr 54 und neun Sekunden den Film „Valerian and the City of a Thousand Planets“ in einer Tauschbörse angeboten haben. Das sei Urheberrechtsverletzung. 1700 Euro wären zu zahlen. Wenn er die mitgeschickte Unterlassungserklärung unterschreibe und binnen einer Woche zahle, wäre es mit 915 Euro getan.

„Den Film kenne ich gar nicht“, empört sich der Senior, der sich keiner Schuld bewusst ist. „Und um die Zeit bin ich nie am Rechner. Außerdem kenne nur ich das achtstellige Passwort für meinen Rechner.“ Nachdem der Rentner den ersten Schock überwunden hatte, ging e r ins Internet, um herauszufinden, was es mit dieser Abmahnung auf sich haben könnte.

Geld kostet die Sache in jedem Fall

Und wurde schnell fündig. Nicht nur, dass dieser Brief leider ernst zu nehmen sei und keinesfalls wegzuwerfen, sondern er fand auch zahlreiche Anzeigen von Rechtsanwaltskanzleien, die zu diesem Thema ihre Dienste anbieten. Eine davon hat er beauftragt. Seit 1978 sei er rechtsschutzversichert und habe sie noch nie in Anspruch genommen. Half aber nichts, denn solche Fälle decken nur die wenigsten dieser Policen ab. Was auch immer am Ende aus diesem Fall wird – einen ordentlichen Batzen Geld ist er los.

Erklären kann er sich beim besten Willen nicht, wie er ins Visier der Kanzlei geraten konnte. Die Tauschbörsen, um die es gehen könnte, sind alle in dem Brief der Kanzlei aufgeführt. „Davon kenne ich keine.“ Bitorent, eMule und wie sie alle heißen – das sind böhmische Dörfer für den Mann. Auch das Wort „Filesharing“ statt Tauschbörse geht ihm nicht über die Lippen. Gleichwohl: Dass von seiner IP-Adresse die Urheberrechtsverletzung begangen wurde – von wem und auf welchem Weg auch immer – ist gerichtlich festgestellt.

In Computerfragen lässt sich Toelke immer helfen

Der Kamp-Lintforter nutzt seinen Rechner im Keller vor allem dazu, um Schriftsätze zu fertigen im Rahmen seiner Tätigkeit als Rentenberater und Rechtsberater im Sozialversicherungsrecht. Und fürs Online-Banking. Oder er guckt auf You Tube Fernsehsendungen, die am Vorabend zu spät für ihn ausgestrahlt wurden.

Allerdings ist er kein Computer-Fachmann. Wie das mit dem WLAN genau funktioniert, und ob und wie es Passwort-gesichert ist, kann er auf Anhieb nicht genau sagen. Er lasse sich da immer helfen. Was er allerdings schnell herausgefunden hat: „In meinem Bekanntenkreis kennt so ziemlich jeder einen, dem dasselbe oder etwas Ähnliches passiert ist wie mir.“

Experten: „Das Risiko der Digitalisierung“

Das fassen Experten als „das Risiko der Digitalisierung“ zusammen. Deshalb rät Gisela Daniels von der Verbraucherzentrale Moers, der die bundesweit tätigen Abmahnkanzleien bekannt sind, vor allem: „WLAN sichern, sichern, sichern. Die Kinder im Haus sensibilisieren. Hellhörig werden, wenn es im Netz etwas umsonst gibt, Filme oder Musik.“ Denn Hinweise, dass jetzt gerade etwas Illegales geschieht, gebe es im Netz nicht.

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