Hobby

Kamp-Lintforterin faltet aus alten Büchern Papierobjekte

Kathrin Herbig zeigt, wie’s geht.

Kathrin Herbig zeigt, wie’s geht.

Foto: Markus Weissenfels

Kamp-Lintfort.   Kathrin Herbig haucht dicken Schmökern neues Leben ein. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Trotzdem kommt es auf Genauigkeit an.

Der filigran gefaltete Kamin war einmal ein echter Bestseller. Akkurat hat Kathrin Herbig die 726 Seiten der „Muschelsucher“ von Rosamunde Pilcher in 24 Stunden zu einem verblüffenden Objekt geformt. Wie man Gelesenem aus dem Bücherregal ganz neues Leben einhauchen kann, damit beschäftigt sich die 38-Jährige seit nunmehr zwei Jahren. „Für mich ist das Entschleunigung“, sagt die zweifache Mutter über ihr Hobby und lacht.

Wie aus einem Buch wieder ein (Tannen-)Baum werden kann? Kathrin Herbig arbeitet dafür mit Orimoto – einem PC-Programm, das hilft, Falt-Vorlagen zu erstellen. Seite für Seite wird dann von Hand nach einem bestimmten Muster gefaltet. „Kreativ veranlagt war ich eigentlich schon immer“, sagt die gelernte Speditionskauffrau über sich. In der Elternzeit stieß sie auf das Bücherfalten, brachte es sich selbst bei und hat ihr Hobby im Laufe der Zeit weiterentwickelt.

Das Geo-Dreieck kommt auch zum Einsatz

Längst greift sie für ihre Objekte auch mal zu Geo-Dreieck und Cutter – mit Schneidetechnik lassen sich nämlich weitere Effekte erzielen Was man aus dicken Wälzern alles falten kann? „Alles. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Kathrin Herbig.

Kathrin Herbig bastelt mit alten Büchern

Kathrin Herbig bastelt mit alten Büchern.
Kathrin Herbig bastelt mit alten Büchern

Jetzt, in der Adventszeit, bastelt sie überwiegend weihnachtliche Motive. Aber Kathrin Herbig nimmt auch individuelle Auftragsarbeiten an. Das können Namen sein, ebenso wie Tiere. „Ich versuche immer, das Objekt mit den Leuten gemeinsam zu gestalten“, sagt Kathrin Herbig. Dazu kann auf Wunsch auch die Auswahl eines speziellen Buches gehören.

Zum Basteln eine Tasse Tee und ein Hörbuch

Bei Familie Herbig sind die Bücher in den Wohnzimmerregalen nicht nach Autoren, sondern streng nach Farben geordnet. Ihre Bastelliteratur bekommt Kathrin Herbig von Freunden und Bekannten oder vom Trödel. „Mittlerweile hat es sich ja rumgesprochen. Und keiner schmeißt gerne Bücher weg. Viele freuen sich ja, wenn ihre Bücher dadurch einen neuen Zweck bekommen.“ Dabei entpuppen sich die alten Schmöker manchmal als letzter Hort von Geheimnissen oder Skurrilitäten. Schon oft hat Kathrin Herbig Zettel zwischen den Seiten gefunden ...

Am letzten Wochenende war sie erstmals mit einem Stand auf dem Barbaramarkt in der Altsiedlung vertreten. „Die Resonanz war überwältigend“, freut sich Kathrin Herbig immer noch. Ab heute (Eröffnung 17 Uhr) ist sie mit ihren Objekten auch auf dem Nikolausmarkt rund um das EK3 zu finden. „Mein Traum ist, ab Januar ein Gewerbe anzumelden, bislang ist es ja nur ein Hobby“, sagt die 38-Jährige. Noch macht sie keine Werbung in eigener Sache, das könnte sich dann ändern. Geplant ist im nächsten Jahr außerdem eine Ausstellung ihrer Objekte in der Kamp-Lintforter Mediathek.

Einziger Wermutstropfen: Zum Lesen kommt Kathrin Herbig derzeit zwischen Hobby, Beruf und Familie eher selten. Aber: „Wenn ich meine Objekte bastel, dann am liebsten bei einer Tasse Tee – und einem Hörbuch.“

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