Soziale Medien

Kamp-Lintforterin ist für einen YouTube-Preis nominiert

Professionelle Ausleuchtung in der winzigen Studentenbude von Chrisi.

Professionelle Ausleuchtung in der winzigen Studentenbude von Chrisi.

Foto: Arnulf Stoffel

Kamp-Lintfort.   Christiane Stark hat was zu sagen und teilt das gerne auf YouTube mit. Dabei diskutiert sie keineswegs über neueste Klamotten oder Nagellack.

Vielleicht ist das ja ein „Einzelkind-Ding“, vermutet Christiane Stark. Aber ja, sie sei sehr mitteilungsbedürftig. Videos zu drehen und auf YouTube zu stellen: „Das ist total mein Ding.“ Dort wendet sie sich als „Chrisi“ mit verschiedensten Themen an die Öffentlichkeit: Wie stelle ich eine Mappe fürs Studium zusammen? Über Politikverdrossenheit, Patriotismus oder Hilfsbereitschaft. Letzterer ist der jüngste Beitrag. Sie hat aber auch schon ein Stück „Kurzhaar-Guide“ eingestellt, nachdem sie sich getraut hat, ihre langen Haare abzuschneiden.

Jetzt wurde die Kamp-Lintforter Studentin als eine von drei YouTubern für den Youlius-Award nominiert in der Kategorie „Politik, Umwelt & Soziales“. 170 Bewerbungen hat es gegeben. Der Youlius-Award wird vom Verein zur Förderung der Webvideokultur aus Bochum verliehen und richtet sich vor allem an kleine Kanäle mit wenigen Followern – in diesem Fall unter 2019 an der Zahl. Zu gewinnen gibt es nicht viel außer Ruhm und Ehre: „Ein Analyseprogramm oder einen Musikzugang oder sowas“, erklärt Chrisi. Wobei sie betont: „Mir sind Kommentare wichtiger als die Zahl der Aufrufe.“ Also wenn es ernst zu nehmende Kommentare sind.

Eines ihrer frühen Videos hat die 23-Jährige mittlerweile „privat“ gestellt. Darin ging es um Veganer und ob sie versuchen, andere zu bekehren. Da setzte es den einzigen Shitstorm in ihrer bisherigen Video-Zeit. Beim nächsten Video „Unser Umgang mit Ernährung“, in dem es auch darum ging, wie man darüber miteinander redet, ging es dann zivilisierter zu. „Beim Hochladen des Videos zum Thema Patriotismus war schon ein wenig nervös“, gibt sie zu. War aber nicht nötig. Da blieb es in den Kommentaren ganz sachlich.

Die Produktion dauert bis zu zehn Stunden

So ein Dreh in der kleinen Studentenwohnung dauert bis zur Fertigstellung ein bis zwei Stunden, manchmal aber auch zehn Stunden. Christiane Stark twittert auch gerne. „Ich schätze den Meinungsaustausch. Und beim Schreiben kann ich gut vorher nachdenken“, erklärt die junge Frau, die an der Hochschule Rhein Waal – wie passend „Information and Communication Design“ studiert. Überhaupt habe erst Twitter ihr Politikinteresse geweckt. Sie fühlt sich wohl in ihrem Online-Freundeskreis. Vor allem, wenn man sich dann ganz analog bei einer Gartenparty in Koblenz mit internationaler Besetzung wiederfindet. Schon vorgekommen.

Was aber alles nicht heißt, dass die gebürtige Emmericherin, die überlegt in Kamp-Lintfort zu bleiben, ihr Leben komplett in die digitale Welt verlegt hat. Ihren prallen Terminkalender führt sie handschriftlich. Macht einen Nebenjob an der Uni und trifft sich gerne „offline“ mit Menschen. Demnächst – darauf freut sie sich schon – steht dann auch öfter Kino auf dem Programm.

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