Klartext für Kinder

Kinderarmut ist allgegenwärtig

NUR ONLINE Klartext für Kinder NRZ

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Foto: Miriam Fischer

Am Niederrhein.   Bis zu 40 Anfragen pro Woche erreichen „Klartext für Kinder“. Der Vorstand macht sich Gedanken, wie man auf die wachsende Nachfrage reagiert.

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Seit über acht Jahren kümmert sich der Verein Klartext für Kinder um sozial benachteiligte Kinder aus Moers, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn. Im Vorstand macht man sich jetzt Gedanken, wie man auf die wachsende Anzahl von Anfragen reagieren kann. Es geht ums liebe Geld und der Verein finanziert sich ausschließlich durch Spenden.

Wie sinnvoll die Arbeit ist, bestätigte zuletzt auf traurige Weise eine Bertelsmann-Studie zur Kinderarmut im September. Rund zwei Millionen Kinder, so das Ergebnis der Studie, müssen in Deutschland mit den Folgen von Armut leben. 14,7 Prozent aller Kinder in Deutschland unter 18 Jahren wachsen in Familien auf, die Hartz IV beziehen.

Kinderarmut ist für Außenstehende nicht immer leicht erkennbar

Für Außenstehende ist Kinderarmut nicht unbedingt sofort erkennbar. „Kinderarmut ist subtil, aber allgegenwärtig“, sagt Michael Passon, Geschäftsführer von Klartext für Kinder. Er und sein engagiertes Team kennen allerdings viele Beispiele für Kinderarmut. Passon: „Kinder schlafen auf dem Fußboden, weil es kein Bett gibt, sie haben im tiefsten Winter keine langen Unterhosen, oder sie kommen grundsätzlich ohne Pausenbrot in die Schule und können sich auch nichts zu essen kaufen.“

Die Teilnahme an Klassenfahrten sei ebenfalls oft gefährdet, weil die Eltern den Eigenanteil nicht leisten können.

Gegen diese und andere Formen der Kinderarmut kämpft das Team von Klartext für Kinder. Aufmerksam werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter durch Anträge von Kindertagesstätten, Jugendeinrichtungen und Grundschulen. Eltern selbst können keine Anträge stellen.

Bis zu 40 Anträge pro Woche erreichen den Verein, entschieden wird dann gemeinsam von einer Antragsgruppe und dem zuständigen Jugendamt. Manchmal werden die Anträge reduziert, die meisten werden jedoch so bewilligt, wie sie gestellt wurden.

Noch kann der Verein auf alle Hilferufe reagieren, die ihn erreichen, doch die Kluft zwischen den Spenden auf der einen und den Ausgaben auf der anderen Seite wird immer größer. In letzter Zeit melden sich zum Beispiel immer mehr alleinerziehende Mütter.

Der Verein möchte jetzt moderner werden

„Ohne die Menschen in der Region und ihre Bereitschaft zu spenden, könnten wir die Anfragen gar nicht bewältigen. Allerdings gibt es auch immer mehr Anträge, deshalb müssen wir uns überlegen zu budgetieren“, sagt Geschäftsführer Michael Passon.

Um das zu vermeiden, möchte der Verein jetzt moderner werden, zum Beispiel zusätzlich über die sozialen Medien im Internet informieren. Kommenden Donnerstag steht erst einmal die Jahreshauptversammlung auf dem Programm, dann beginnt die Weihnachtswunschbaum-Aktion (siehe separaten Artikel auf dieser Seite). Im kommenden Jahr beginnt der Kampf gegen Kinderarmut dann aufs Neue.

>> DIE WUNSCHBAUMAKTION STARTET BALD

Der Startschuss fällt bald: Zum zehnten Mal werden in Moers, Neukirchen-Vluyn und Kamp-Lintfort Weihnachtswünsche von Kindern erfüllt, deren Eltern jeden Cent umdrehen müssen. Der Verein „Klartext für Kinder – Aktiv gegen Kinderarmut“ und seine Mitstreiter stecken schon lange tief in den Vorbereitungen für die große Weihnachtswunschbaumaktion.

Auch die NRZ unterstützt das soziale Projekt.

Am Mittwoch, 23. November, geht es offiziell los. Dann hat die Enni an den zwölf Standorten die Bäume aufgestellt, und die örtlichen Kindergartenkinder können die wichtige Aufgabe angehen, die Bäume hübsch zu schmücken. Die wichtigsten Stücke am Baum sind natürlich die Wunschkarten. Auf diesen Karten ist der Vorname eines Kindes vermerkt, dessen Alter sowie der Wunsch, dem man dem Knirps zu Weihnachten erfüllen kann. Im Wert von bis zu 20 Euro.

Die jeweiligen Jugendämter haben Wochen im Voraus diejenigen Kinder identifiziert, die in Frage kommen.

Sie, liebe Leserinnen und Leser, können wieder mithelfen, dass sich auch jene Kinder an Weihnachten über ein Geschenk freuen können, die sonst vielleicht kein Paket unter dem Weihnachtsbaum gehabt hätten. Einfach eine der Karten von einem der Wunschbäume nehmen, einkaufen und das Geschenk unverpackt wieder unter den Baum legen.

Die Aktion des Vereins Klartext für Kinder, die 2007 von der NRZ initiiert worden ist und damals mit 150 beschenkten Kindern begonnen hat, ist längst zu einer enorm wichtigen Institution in der Region geworden. (sovo)

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