Gesundheit in Moers

Kinderarzt aus Moers: Notdienst ist dringend erforderlich

Symbolbild Kinderarzt

Symbolbild Kinderarzt

Foto: Waltraud Grubitzsch

Moers.   Wenn ein Kind am Wochenende krank wird, gibt es in der Region ein Problem – immer noch. Großmutter Hildegard Hribar kennt sich da aus.

„Wenn Kinder im Raum Moers am Wochenende krank werden, hat man schlechte Karten“, meint Hildegard Hribar, Großmutter zweier Enkelinnen. „Da gibt es keinen kinderärztlichen Notdienst, und man muss mit den Kleinen in die Kinderklinik Bethanien. Und dort ist man, wie leicht zu sehen ist, einfach überlastet.“

„So ein Notdienst ist dringend erforderlich“, sagt beispielsweise auch der Moerser Kinderarzt Dr. Albrecht Boeck. Es habe bereits Gespräche zum Thema gegeben. Er selbst sei zwar Arzt für privat Versicherte. „Ich würde mich aber am Notdienst beteiligen.“ Boeck hat sich auch Gedanken zum Thema gemacht: „Die niedergelassenen Kinderärzte könnten beispielsweise zu Spitzenzeiten an der Kinderklinik Bethanien mit aushelfen“, schlägt er als Lösung vor. Kinder bräuchten bekanntlich, so der Mediziner weiter, einen speziellen Notdienst.

Bethaniens Kinderklinik-Chef freut sich über Vorschläge

Dr. Michael Wallot, Chef der Kinderklinik Bethanien, würde konstruktive Vorschläge dankbar aufgreifen: „Das Thema notärztliche Versorgung für Kinder ist in Moers über 30 Jahre alt. Es war schon bei meinem Vorgänger akut“, weiß der Chefarzt. Doch bisher habe es immer nur ergebnislose Gespräche gegeben. Tatsächlich sei die Kinderklinik auf die vielen Notfälle nicht eingerichtet. „Hilfe wäre uns willkommen.“

Zuständig für die Einrichtung des Notdienstes ist die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Düsseldorf. Dort meint der stellvertretende Pressesprecher, Christopher Schneider: „Für Bereiche wie Düsseldorf oder Krefeld gibt es einen solchen Notdienst.“ In Moers gebe es aber nur sechs, sieben Kinderärzte. „Bei 53 Wochen mit Notdienst wäre das eine hohe Belastung für die Mediziner.“ Die KV könne Regelungen auch nicht erzwingen. „Es muss die Bereitschaft dazu unter den Ärzten geben, eventuell auch kreisübergreifende Lösungen zu finden.“ Sinnvoll sei es auch, wenn ein Obmann Vorschläge mache.

An der Umsetzung ist man seit 2014

Den Obmann gibt es, es ist Dr. Stephan Dreher in Geldern, der die Kinderärzte in den Kreisen Kleve und Wesel vertritt. Der weiß: „Die Vollversammlung der KV hat 2011 beschlossen, dass es unter anderem für den Bereich der Kinderärzte einen speziellen Notdienst geben müsse. Seit 2014 ist man bei der Umsetzung, kommt aber nicht weiter.“

Denn: „Wir haben fünf Kinderkliniken in den beiden Kreisen. Die KV will an allen Häusern 34 Stunden Notdienst in der Woche vorhalten. Das ist aber nicht möglich.“ Denn es gebe nur rund 38 Kollegen in den beiden Kreisen, wovon einige bereits kurz vor der Altersgrenze stünden. Die Zahl der Überstunden würde die Kollegen schlicht überfordern. „Die Kollegen arbeiten jetzt schon am Rande des Möglichen.“

Der Obmann sieht die Verantwortung bei der KV

Bliebe als Lösung, so der Obmann, einen Notdienst an der Kinderklinik Geldern für den Kreis Kleve sowie einen an der Klinik in Wesel anzusiedeln. Moers habe ohnehin schon viel Zulauf aus dem Ruhrgebiet. „Aber das wäre unzufriedenstellend, wenn man die weiten Wege bedenkt, die nicht nur für die Eltern und Patienten, sondern auch für die Kollegen anfallen würden. Wer will schon nach einem 14-Stunden-Tag im Winter abends mit dem Köfferchen bis nach Wesel fahren...“

Und: „Wenn man an die Eltern denkt... Wer fährt im Notfall beispielsweise von Moers aus an zwei Kinderkliniken vorbei, um nach Wesel in die Praxis am Krankenhaus zu kommen?“ Also: „Die verbindliche Lösung muss von der KV kommen. Und die Lösung müsste zumindest gerecht sein. Beispielsweise in Dinslaken arbeiten die Kollegen ohnehin schon bis zu 300 Stunden im Notdienst.“

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