Doppelausstellung

Kunstreise auf dem Kamper Berg führt zurück zu den Wurzeln

Der Kokon bietet Schutz. Gabriele Kaiser-Schanz mit einem Objekt aus ihrer Performance „Befreit von meinen Banden - -ein anderer Exodus“, die Ende Juni in der Abteikirche zu sehen war.

Foto: Lars Fröhlich

Der Kokon bietet Schutz. Gabriele Kaiser-Schanz mit einem Objekt aus ihrer Performance „Befreit von meinen Banden - -ein anderer Exodus“, die Ende Juni in der Abteikirche zu sehen war. Foto: Lars Fröhlich

Kamp-Lintfort.   „Weit müssen wir gehen“ sagt Performancekünstlerin Gabriele Kaiser-Schanz und lädt Kunstinteressierte ein zu einer ungewöhnlichen Reise.

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Am Anfang war die Zelle. Gabriele Kaiser-Schanz hat sie aus Draht gehäkelt, in Kunstharz gegossen und auf eine Säule in den Gewölbekeller des Kamper Klosters gestellt. Flankiert von zarten weiterentwickelten Zellschwestern und -brüdern – mal bizarr aus Papier geformt, mal auf Papier gezeichnet – , die im weiß gekälkten Klostergewölbe ebenso archaisch wie ästhetisch anmuten.

Das ist der Start einer ungewöhnlichen Reise, zu der die Essener Performancekünstlerin ab Samstag die Besucher auf dem Klosterberg einlädt. „Weit müssen wir gehen“ ist die Doppelausstellung im Gewölbekeller und im Museum Kloster Kamp überschrieben. Und – ja, es lohnt, sich auf den Weg zu machen.

Die Suche nach Wurzeln

Woher kommen wir, wohin gehen wir – um diese Fragen kreist das künstlerische Schaffen der Künstlerin. „Mein Ausgangspunkt ist immer der Mensch“, sagt Gabriele Kaiser-Schanz. „Aber bei allem, was wir machen, kommen wir immer wieder zum Ursprung zurück.“ Im zweiten Raum des Gewölbekellers begibt sie sich daher auf die Suche nach den Wurzeln der Kulturgeschichte.

„Mich interessiert, wo und wann Menschen angefangen haben, ihre Spuren zu hinterlassen“, sagt Kaiser-Schanz. Arbeiten mit scheinbar einfachen Mustern oder Punkten hängen an der Wand, erinnern an Felsmalerei oder Keilschrift. Große Gefäße aus Ton und Bronze wecken die Assoziation an Grabbeigaben. Rituale, sagt Kaiser-Schanz, dienen der Identitätsbildung, geben Sicherheit und helfen dem Menschen, einen Platz im Kosmos zu finden.

Familie kann nur Freiraum sein

Dann gilt es ganz real, sich auf den Weg zu machen: Im Museum Kloster Kamp sind Teil drei und vier der Doppelausstellung zu finden. Fünf mit Stoff überzogene Puppen stehen als Familie im Raum. Sie sind Bestandteil des 2015 in Essen uraufgeführten bewegten Installationsprojektes „Mikrokosmos versus Makrokosmos“, von dem im Museum nicht nur Fotosequenzen an den Wänden hängen, sondern auch ein Video in Endlosschleife läuft. „Familie kann nur Freiraum sein und entstehen, wenn Bewegung zugelassen wird. Das Leben ist Veränderung, Verwandlung und Bewegung“, so Kaiser-Schanz.

Akt der Befreiung

Bereits im Juni war die Künstlerin mit ihrer Performance „Befreit von meinen Banden – ein anderer Exodus“ in der Abteikirche zusehen. Fotos dieser Performance sind im vierten Raum ausgestellt – ebenso wie ein aus Papier geformter aufgebrochener Kokon.

Die Performance, zu deren Anfang die Künstlerin gleich einem stramm gewickelten zur Bewegungslosigkeit verdammten Baby auf dem Boden liegt, zeigt einen Befreiungsprozess. Mit ihrer Performance in der Klosterkirche hatte Kaiser-Schanz Ende Juni viele Besucher emotional berührt. „Das, was ich mache, ist authentisch. Ich mache so etwas nicht um der Inszenierung willen, ich lebe das“, sagt die Essener Künstlerin.

So befreit und gehäutet führt der Weg zurück vorbei an einem großen, einem Steinseeigel ähnlichem Zellobjekt aus braunem Papier mit über einem Meter Durchmesser. Am Anfang war die Zelle...

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