Kabarett

Lioba Albus sucht in Kamp-Lintfort den Weg ins Weg

Lioba Albus hat den Weg nach Kamp-Lintfort gefunden. Das Weg viel dem Publikum schwer

Lioba Albus hat den Weg nach Kamp-Lintfort gefunden. Das Weg viel dem Publikum schwer

Foto: Ulla Michels

Kamp-Lintfort.   Kabarettistin Lioba Albus testet in der Europaschule die Lachbelastbarkeit der Kamp-Lintforter. Ihr Alter Ego steht ihr hilfreich zur Seite.

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Volle Frauenpower, umstandslos, ehrlich und ganz schön direkt: So lässt sich der Humor beschreiben, mit dem die Kabarettistin Lioba Albus bundesweit ihr Publikum begeistert. Im Rahmen der städtischen Kabarett- und Kunstsaison war Albus am Freitag in der Europaschule zu Gast.

Lioba Albus ist keine Unbekannte: Im WDR hat sie die Radiosendung „Unterhaltung am Wochenende“ neben Größen wie Harald Schmidt, Elke Heidenreich und Hanns-Dieter-Hüsch moderiert. In Fernsehsendungen wie „Mitternachtsspitzen“ und „Ladies Night“ zeigte sie, was sie hervorragend kann – das Publikum an den Rand der Lachbelastbarkeit bringen. Klar, dass sie auch für Kamp-Lintfort ihr sorgfältig mit viel Ironie geschnürtes Humor-Paket mitbrachte.

Der Titel ihres Programms lässt aufhorchen: „Das Weg ist mein Ziel“. Wer nun glaubt, dass sich dort ein Rechtschreibfehler eingeschlichen hat, der irrt: Es geht ums Weg und um die geheimen Wege zum Weg. Bevor Albus sich dem Weg widmete, verwandelte sie sich. Mit grauer Lockenperücke betrat sie als Mia Mittelkötter die Bühne. „Und wie isses? Gute Laune?“, fragte sie ins zahlreich erschienene Publikum. Mia hatte gute Laune: „Ich dachte, ich geh mal bei Kamp-Lintfort bei, weg von meinem Mann.“ Der hat nämlich „schäbigen Herbstblues“.

Alles wird gewechselt

Grund genug, abzuhauen und die virtuelle Reise ins Weg zu wagen. „Früher hieß dat immer: Zuhause is’ am schönsten.“ Jetzt wollen alle weg: Tapetenwechsel, Seitenwechsel, Partnerwechsel. Wer sich wegwünscht, hat seine Mittelchen: Alkohol oder den unspektakulären Urlaub. Apropos Urlaub: Da hat Mia keine Ruhe, ihr Mann will ja mit. „Hab’ den schon zum Sperrmüll gestellt. Möbel waren weg, er stand noch da.“ Ganz weg soll er doch nicht, aber vielleicht woanders hin.

So wie Schwiegermutter Gisela. Fast mit philosophischem Zugriff zur Vergänglichkeit schlüsselte sie auf, wie Gisela in einer dicken Katze reinkarnierte. In drei kleidungstechnischen Handgriffen verwandelte sich Mia in Lioba zurück. Als gestandene Frau schaut sie sich das „Outdoor-Balzen der Jugend“ an.

Das Weg für „Heimat-Horst“

Da wünscht sie sich manches weg: Samuraifrisuren, Weicheier, „Fatzebuk“. Geht die Jugend später in die Politik, habe man den Salat: den mit dem toten Pekinesen auf dem Kopf, oer „Heimat-Horst“ und „Spacken-Spahn“.

Für Horst hat Albus eine Lösung: Eine nette Pflegerin, die ihn mit blau-weiß karierter Wolldecke durch den Park schiebt. Wer noch „Ausländer raus“ brüllt, kann ja gehen: „Untertage ist im Ruhrgebiet genug Platz“, scherzte Albus und brachte den Saal zum Lachen. Mit Albus lachten sich die Zuschauer in die wunderbare Welt des Weniger statt Mehr. Sie bekam großen Applaus für ihr Programm, das klar machte: Manche Umstände und Personen sind einfach da, aber mit einer Portion „Weg“ und viel Humor ist alles halb so wild.

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