Diebstahl

Marjam aus Moers ist traurig, der Weihnachtsbaum ist weg

Marjam Nadafi vor ihrem Kosmetikstudio in Moers. Vor einigen Tagen haben Unbekannte ihren Weihnachtsbaum vor dem Ladenlokal gestohlen. Was für einige eine Bagatelle ist, hat für die gebürtige Iranerin eine viel tiefere Bedeutung.

Marjam Nadafi vor ihrem Kosmetikstudio in Moers. Vor einigen Tagen haben Unbekannte ihren Weihnachtsbaum vor dem Ladenlokal gestohlen. Was für einige eine Bagatelle ist, hat für die gebürtige Iranerin eine viel tiefere Bedeutung.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Moers.  Warum der gestohlene Weihnachtsbaum für die gebürtige Iranerin aus Moers nicht bloß eine Bagatelle ist. Vor dem dreisten Diebstahl gab es Lob.

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Über die Bedeutsamkeit bestimmter Dinge denkt jeder anders. Und manche Dinge sind für einige Menschen so selbstverständlich geworden, dass sie ihre Bedeutung kaum noch wahrnehmen. Bei Marjam Nadafi ist das anders.

Für viele von uns ist der Tannenbaum das selbstverständlichste Objekt der Weihnachtszeit. Ab Mitte, Ende November steht er in jeder Einkaufsstraße; ein stiller Bote, der in unserer Gesellschaft mittlerweile eher zum profanen Begleiter unseres vorweihnachtlichen Konsumrauschs geworden ist. Er ist nichts Besonderes mehr.

Für Marjam Nadafi und ihre Familie ist der Baum dagegen ein Symbol der Freiheit. Der Freiheit, ihr Leben so zu leben, wie sie es möchten, ohne deswegen verfolgt zu werden. Die Nadafis sind Christen und sie lebten bis vor sechs Jahren im Iran. Wegen ihres Glaubens verfolgt, kehrten sie ihrer Heimat den Rücken und kamen nach Moers. Ohne Angst können sie nun in die Kirche gehen und auch das Weihnachtsfest feiern. Das freie Ausleben ihres Glaubens wird für Marjam Nadafi und ihre Familie zur glücklichen Normalität. Eine Selbstverständlichkeit ist es aber nicht. Weil es für sie so bedeutsam ist.

Genauso bedeutsam war der Weihnachtsbaum, den Marjam Nadafi gemeinsam mit ihrem Mann vor ihrem Kosmetikstudio an der Neustraße aufstellte. Und das hat einen bestimmten Grund. Seit drei Jahren betreibt Nadafi ihr Kosmetikstudio. Seitdem bestellt sie mit den benachbarten Geschäftsleuten einen Weihnachtsbaum. Als eines der letzten Geschäfte an der Straße sei für sie aber meistens nur der Rest übrig geblieben, der meistens auch nicht mehr ganz so schön ausgesehen habe. Das sollte sich in diesem Jahr ändern.

„Ich wollte auch mal endlich einen richtig schönen Baum haben“, sagt Marjam Nadafi. Mit ihrem Mann besorgt sie sich eine eigene Tanne, „1,80 Meter hoch, ganz grün und ganz dicht gewachsen – richtig schön“. Ihr Mann stellt den Baum vor dem Geschäft auf und Marjam Nadafi schmückt das Exemplar, das bald zum Blickfang auf der Neustraße wird. Viel Lob habe sie für den Baum bekommen, sagt Nadafi. Sechs Tage später ist er weg.

Die Polizei macht ihr wenig Hoffnung

Unbekannte schneiden die Lichterkette durch und reißen den Baum aus der Verankerung, die rund 30 Zentimeter im Boden steckt. Als Marjam Nadafi morgens zu ihrem Kosmetikstudio an der Neustraße kommt, blickt sie auf ein paar zerbrochene Weihnachtskugeln, eine durchtrennte Lichterkette und Pflastersteine, die zur Hälfte aus dem Boden ragen. Der Rest ist verschwunden.

Nun ist der Diebstahl eines Tannenbaums in der Vorweihnachtszeit schon längst kein Novum mehr. Und je normaler etwas wird, desto mehr verliert es häufig an Bedeutung. Die Polizei macht ihr wenig Hoffnung. So ist der einzige Trost, den Marjam Nadafi aus dieser Situation zieht, die Tatsache, dass der oder die Täter die Schönheit dieses Baums erkannt haben. „Ich hoffe, sie können sich jetzt auch noch an ihm erfreuen.“

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