Musik

Martin Kohlstedt spielt in Moers nach Gefühl und Stimmung

Konzentriert: Martin Kohlstedt im Bollwerk 107 in Moers.

Konzentriert: Martin Kohlstedt im Bollwerk 107 in Moers.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Moers.  Konzerte des Tasten-Virtuosen sind wie eine Wundertüte: Das wissen jetzt auch die Gäste im Bollwerk 107. Besonders speziell sind die Song-Titel.

Klassik am Piano gemischt mit elektronischen Nuancen durch Synthesizer: Das bot Martin Kohlstedt den Besucherinnen und Besuchern des Bollwerks 107 am Donnerstagabend in Moers. Für diejenigen, denen der Name Martin Kohlstedt noch kein Begriff ist: Der in Weimar geborene 31-jährige Pianist, Komponist und Produzent hat schon Konzerte in der russischen Staatsbibliothek, im Iran und in der Elbphilharmonie in Hamburg gegeben. Momentan ist der Solo-Künstler viel unterwegs und spielt Konzerte in Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Martin Kohlstedt braucht keine Noten für ein Konzert, er spielt nach Gefühl und Stimmung. Die Namen seiner Lieder haben meist nur drei Buchstaben und heißen „JIN“ oder „VET“. Diese kombiniert er während seiner Konzerte und erschafft durch reine Improvisation neue, einzigartige Kreationen seiner eigenen Stücke. Als Kohlstedt am Donnerstagabend den Saal betrat, herrschte gespannte Stille, der Künstler setzte sich an sein Klavier und begann sofort zu spielen. Erst nach seinem ersten Stück begrüßte er die Gäste.

Mit ruhiger Stimme spricht Kohlstedt zwischen seinen Kompositionen und erzählt aus seinem Leben – als er das Piano für sich entdeckte und woher seine Lieder kommen. Dazu erzählt er eine Geschichte aus seiner Vergangenheit, wie er einen Geburtstag verpasst, weil ihn niemand abholt und er für sich allein bis halb fünf Uhr morgens – vollkommen durchgeschwitzt – Klavier spielt ohne überhaupt zu merken, wie die Zeit vergeht.

Wenn Kohlstedt zwischen den Pausen auf humorvolle Art Anekdoten aus seinem Leben erzählt, wird im Publikum viel geschmunzelt, doch wenn er zu spielen beginnt, herrscht Stille. Der ein oder andere nickt im Takt mit oder wippt mit den Beinen, die Aufmerksamkeit ist vollkommen auf Kohlstedt und seine Musik gerichtet.

Martin Kohlstedt sagt in einem Interview mit Zeit Campus „Meine Musik braucht Augenhöhe“. Das merken auch die Gäste im Bollwerk, zum Beispiel, wenn er seine Stücke unterbricht, weil er mit seiner Improvisation nicht komplett zufrieden ist. Dann kann es auch passieren, dass er das Publikum fragt, was es sich wünscht. Martin Kohlstedt: das war auch im Jugendkulturzentrum Bollwerk 107 in Moers ein Abend voller Emotionen, Improvisation und Abwechslung.

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