Rettungsstaffel

Mensch-Hund-Teams trainieren in Kamp-Lintfort den Ernstfall

Sarah Schupelius mit Chiara und Dr. Hans-Werner Scharafinski mit Jana trainieren für den Ernstfall.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Sarah Schupelius mit Chiara und Dr. Hans-Werner Scharafinski mit Jana trainieren für den Ernstfall. Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Kamp-Lintfort.   Die Rettungsstaffel Niederrhein trainiert in Hoerstgen. Die Hunde sind spezialisiert, Menschen zu finden. Die Einsatzgründe sind vielfältig.

Es ist eisig kalt an diesem Abend. Der Wind reißt an den Wänden des Zeltes, drinnen bollert ein Gasofen. Frauen und Männer in gelb-roter „Arbeitskleidung“ wärmen sich die Hände an Kaffeebechern und Tassen mit Gulaschsuppe, während andere vor dem Zelt stehen und sich vorbereiten.

Flutlicht erhellt das Übungsgelände, die Hunde warten in den Autos ungeduldig auf ihren Einsatz. Die Rettungshundestaffel (RHS) Niederrhein macht sich bereit für ihres nächstes Training, und dieses dient nur einem Ziel: der Rettung von Menschenleben.

Die Ausbildung nimmt viel Zeit in Anspruch

Hundetrainer Senco Alic gründete die RHS vor fünf Jahren, heute hat sie rund 30 Mitglieder. Diese Frauen und Männer sind Enthusiasten, die sich zu jeder Jahreszeit, bei Wind und bei Wetter, mit ihren vierläufigen Partnern auf den Ernstfall vorbereiten. Mantrailerhunde suchen nach dem individuellen, Flächenhunde indes nach jedem menschlichen Geruch.

Zwei bis drei Jahre dauert die Ausbildung, in der Mensch und Hund gleichermaßen gefordert werden. Die Hunde werden vor Beginn auf Eignung und Wesen überprüft, ihre menschlichen Partner werden unter anderem in Rettungstaktik, Erster Hilfe für Hund und Mensch, in der Arbeit mit Karte und Kompass unterwiesen. Denn wenn es ernst wird, müssen die Fähigkeiten der Teams von einer Minute auf die andere abrufbar sein.

Die Suche nach Vermissten steht im Vordergrund

Die RHS Niederrhein wird gerufen, wenn vor Ort Hilfe benötigt wird. Orientierungslos durch die Kälte irrende Senioren, vermisste Kinder, Suche nach Unfallopfern – nicht nur in Katastrophengebieten sind Rettungshunde unverzichtbare Helfer. Das wissen Staffelmitglieder wie Dr. Hans-Werner Scharafinski, ehemals Chef der Neurologie im Moerser St. Josef-Krankenhaus, genau; der pensionierte Mediziner bildet mit seiner Hündin Jana ein schlagkräftiges Team.

Trainiert wird auf dem Ausbildungsgelände in Hoerstgen mindestens zwei Mal in der Woche, meist aber viel öfter. Senco Alic, der eine große Hundeschule betreibt, nutzt diese, um guten Nachwuchs für die Rettungsstaffel herauszufiltern.

Alles wird aus eigener Tasche bezahlt

Außer Begeisterung und Zeit müssen deren Mitglieder auch noch Geld mitbringen, denn öffentliche Zuschüsse gibt es keine. Ausbildung, Ausrüstung für Mensch und Tier, Fahrten zu Prüfungen in andere Bundesländer – all das zahlen die Frauen und Männer der RHS Niederrhein aus eigener Tasche. Senco Alic hat seine eigene Philosophie: „Wenn ein Hund von klein auf ausgebildet wird und hat innerhalb von zehn Jahren nur einen Einsatz, bei dem aber ein Mensch gerettet wird, dann hat sich die Arbeit gelohnt.“

So wie beim dem Einsatz, bei dem die RHS nach einem 14-jährigen Mädchen suchte, das sein Handy ausgeschaltet hatte und im Wald verschwunden war, wohin es ein 40-jähriger „Internet-Freund“ gelockt hatte. Für die RHS-Teams gibt es viele Gründe, aus denen sie angefordert werden können. Aber immer gilt es, einen Menschen zu retten, und dafür trainieren sie, Mensch und Hund, gemeinsam.

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