Kirche

Missbrauch: Taten des Pfarrers erschüttern Gemeinde in Moers

Der Aushilfspfarrer war von 1986 bis 1988 in St. Bonifatius in Moers-Asberg im Einsatz.

Der Aushilfspfarrer war von 1986 bis 1988 in St. Bonifatius in Moers-Asberg im Einsatz.

Foto: Volker Herold / WAZ FotoPool

Moers.  Weitere Missbrauchsopfer des Pfarrers, der auch in Moers tätig war, haben sich nicht gemeldet. Jetzt gibt es offene Fragen – und einen Termin.

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Eine Woche ist seit der Veröffentlichung von Missbrauchsfällen durch einen katholischen Pfarrer vergangen. In dieser Zeit haben sich keine weiteren Opfer des Seelsorgers gemeldet, der von 1986 bis 1988 in St. Bonifatius in Asberg tätig war. Dies ergab eine Abfrage der NRZ bei den Bistümern Münster und Essen und dem Erzbistum Köln. In der Gemeinde St. Bonifatius erfreute sich der Priester bis zum Bekanntwerden seiner Taten großer Beliebtheit.

Der Mann war, wie berichtet, 1972 wegen „fortgesetzter Unzucht mit Kindern und Abhängigen“ zu einer Haftstrafe verurteilt und 1988 wegen sexueller Handlungen an Minderjährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Dennoch wirkte er über Jahrzehnte weiter als Priester in mehreren Bistümern. Das ergaben Nachforschungen im Erzbistum Köln und den Bistümern Münster und Essen. Mittlerweile ist er 85 Jahre und nicht mehr als Seelsorger tätig.

Ob Taten verjährt sind, hängt von vielen Faktoren ab

Ganz ausgeschlossen ist es nicht, dass sich Betroffene in der Zwischenzeit gemeldet haben. Sollten sie sich vertraulich an die Ansprechpartner der Bistümer gewandt haben, sei es durchaus möglich, dass diese Information noch nicht bei der Bistumsspitze vorliege, so Christoph Heckeley, Sprecher des Erzbistums Köln.

Ob es während des zweijährigen Einsatzes als Aushilfspfarrer in Asberg zu Übergriffen gekommen ist und was 1988 – dem letzten Jahr seines Einsatzes in Asberg – zur Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe führte, ist weder im Bistum Münster noch im Erzbistum Köln zu erfahren. Wann und ob zudem eine Tat inzwischen verjährt ist, hänge von vielen Faktoren ab, erklärt der Pressesprecher des Bistums Münster, Stephan Kronenberg. Wichtig seien unter anderem der Zeitpunkt der Begehung, der Tatvorwurf und das Alter des Opfers. Das Bistum Münster werde angesichts der Komplexität der Fragestellungen in diesem Bereich keine eigene Einschätzung der Taten und einer möglichen Verjährung vornehmen, sondern immer darauf verweisen, dass diese Prüfung eine Angelegenheit der jeweils zuständigen Staatsanwaltschaft sei. Wenn das Bistum Prüfungen durch sachdienliche Hinweis unterstützen kann, dann werde es das, wo immer möglich tun. Bei der Staatsanwaltschaft Kleve sind laut Oberstaatsanwalt Günter Neifer keine Ermittlungen anhängig.

Der Seelsorger genoss in St. Bonifatius hohes Ansehen

Das Bekanntwerden der Taten des Aushilfspfarrers scheint damals in St. Bonifatius wie ein Erdbeben gewirkt zu haben. Gemeindemitglieder berichten, dass er dort lange hohes Ansehen genoss und sehr beliebt war. Er sei derjenige gewesen, der Kinder- und Familiengottesdienste ins Leben rief und der es ermöglichte, dass Jugendliche sich einen eigenen Raum unter der Sakristei als Treffpunkt einrichten konnten. Fahrradtouren zum Hülser Berg und Grill-Ausflüge zum Bergsee in Schwafheim habe er organisiert. Man sei „froh“ gewesen, einen Priester zu erleben, „der erstmals etwas für die Jugend tat“. Manche erinnern sich auch an die „beste und engagierteste Kommunionvorbereitung“, die es bis dahin in St. Bonifatius gegeben habe.

Um so größer sei die Bestürzung, bei manchen sogar die Verzweiflung gewesen, als bekannt wurde, dass der Seelsorger noch eine andere Seite hatte, berichtet ein Gemeindemitglied, das anonym bleiben möchte. Das Entsetzen sei aber ebenso groß gegenüber denjenigen, die die ganze Geschichte kannten und ihn dennoch in der Seelsorge arbeiten ließen, heißt es. Nach seiner Verurteilung zu einer Haftstraße im Jahr 1972 wegen Unzucht mit Minderjährigen war er noch in sechs Orten im Einsatz, unter anderem in der Schulabteilung des Generalvikariats Münster.

Um zu informieren und Fragen zu beantworten, lädt das Bistum, wie berichtet, am Montag, 25. November, 19.30 Uhr, in das Pfarrheim St. Bonifatius, Bonifatiusstraße 100, ein. Teilnehmen werden Weihbischof Rolf Lohmann und der Interventionsbeauftragte Peter Frings.

Ansprechpartner für mögliche Betroffene im Bistum Münster sind Bernadette Böcker-Kock ( ) und Bardo Schaffner ( ).

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