Evangelische Kirche

Moers behält seinen Platz bei Pfarrer Torsten Maes

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Parrer Torsten Maes in der Moerser Stadtkirche. Der 56-Jährige wird nun Kreispfarrer in Oldenburg.

Parrer Torsten Maes in der Moerser Stadtkirche. Der 56-Jährige wird nun Kreispfarrer in Oldenburg.

Foto: Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Moers.  Nach 22 Jahren als evangelischer Pfarrer in Moers geht Torsten Maes nach Oldenburg. Er hat in dieser Zeit - mit anderen - eine Menge bewegt.

Die Bücher von Pfarrer Torsten Maes füllen schon 30 Umzugskisten. Im Hausflur stapeln sich links hinter der Eingangstür – einen Meter hoch – weitere, noch zusammengefaltete Kartons. Die Einzelteile eines großen Esstisches, die gerade geliefert werden, bleiben verpackt und gleich im Flur. Tisch, Bücher und vieles mehr aus dem Haus an der Filder Straße wird ein Umzugswagen in ein paar Tagen nach Oldenburg in Niedersachsen transportieren, wo der 56-Jährige eine Wohnung im Pfarrhaus bezieht. Am 1. März tritt er sein Amt als neuer Kreispfarrer des Kirchenkreises Oldenburg-Stadt an. Damit enden 22 Jahre als Pfarrer zuerst der evangelischen Kirchengemeinde Asberg, seit 2008 der Gemeinde Moers – eine lange Zeit, in der Maes viel bewegt hat.

Er habe sein Berufsleben stets in Abschnitten gesehen, erklärt Torsten Maes den Entschluss zum bevorstehenden Wechsel. Pfarrer sollten „nicht auf ewig“ auf einer Stelle bleiben: „Sonst besteht die Gefahr, dass die Gemeinde zur Personalgemeinde wird. Ich will nicht, dass es heißt: ‘Moers ist Maes’, sowas ist für keine Gemeinde gut.“ In seiner Amtszeit habe er auch immer Wert darauf gelegt, sich von Alleingängen fernzuhalten und „dass alle beisammen sind“, wie er es formuliert. „Die Gemeinde Moers und das Presbyterium sind sehr diskussionsfreudig, waren in ihren Entscheidungen auch nicht immer einstimmig, am Ende aber einmütig. Darauf kommt es an.“

Und es gab eine Menge zu entscheiden und zu ändern, darin, so Pfarrer Maes, sei er sich mit seinem Kollegen Wolfgang Döring und dem Presbyterium schon 2009 einig gewesen. Beispielsweise die Auflösung der früheren Pfarrbezirke Vinn und Hülsdonk, die sich nun mit Moers als eine Gemeinde um die Stadtkirche versammeln. Der marode Kindergarten an der Kleinen Allee wird aufgegeben und in absehbarer Zeit in einen fünfzügigen Neubau in Hülsdonk integriert. Die Liegenschaften an der Haagstraße und am Kastell sind verkauft. Jetzt kann die Gemeinde den Neubau ihres Gemeindehauses zu Ende bringen. Die Pläne für den „nicht zu großen“ Anbau an die Kirche, so Maes, haben die Empfehlung zur weiteren Planung des Gestaltungsbeirats der Stadt erhalten. Spätestens 2024 soll das Haus stehen. Die Jugendarbeit muss die Kirche aus Maes’ Sicht stadtweit organisieren.

Der größte „Brocken“ in seiner Amtszeit war die Stadtkirche. Das im 17. Jahrhundert errichtete Gotteshaus, „eines der wenigen erhaltenen und wirklich schönen Gebäude der Innenstadt“, wie der Pfarrer findet, drohte 2009 abzusacken und war einsturzgefährdet. Während der Sanierung von 2011 bis 2016 tauchten immer wieder neue Überraschungen in Gemäuer und Gebälk auf, die die Kosten von 1,7 auf 3 Millionen Euro trieben und den Zeitplan durcheinander wirbelten. Auf das Ergebnis freilich ist Torsten Maes stolz: hell und lichtdurchflutet das Kirchenschiff, der Andachtsraum in sanftem Kontrast zum historischen Baukörper, der Boden aus Muschelkalk – zurückhaltend und edel zugleich. „Wir können evangelisch auch in schön“, kommentierte seinerzeit die auf Kirchensanierung spezialisierte Berliner Architektin Gesine Weinmiller anlässlich der Wiederöffnung.

„Bloß Corona hat verhindert, dass wir zu Tango und Sekt eingeladen konnten“

Torsten Maes gefällt nicht zuletzt, dass die „kümmerlichen“ Bänke durch Stühle ersetzt worden sind und die Gemeinde mehr Gestaltungsmöglichkeiten hat. Zum jüngsten Totensonntag etwa breiteten Trauernde Blumen und Fotos mit Namen ihrer Verstorbenen auf den Boden aus. Nicht nur Gemeindemitglieder, sondern Bürgerinnen und Bürger aus der ganzen Stadt kamen im Laufe des Tages zu dem „kleinen Fest der Toten“, wie Maes die Feier nennt. „Bloß Corona hat verhindert, dass wir abends zu Tango und Sekt eingeladen konnten. Leben und Tod gehören zusammen. Wir müssen in unserer Kirche nicht immer bedrückt trauern und nach dem Ritus nach Hause gehen.“

Betrachtet man die Änderungen und Entscheidungen, an denen Pfarrer Maes in zwölf Jahren maßgeblich mitgewirkt hat, scheinen sie auf den ersten Blick eher ins Arbeitsprofil des „Geschäftsführers“ einer Kirchengemeinde zu passen als in das eines Geistlichen. Doch Torsten Maes sieht das ganz anders: „Gottes Wort zu predigen und die Strukturen und Orte, derer ich mich dazu bediene, gehören zusammen. Sie sind eins, weil beide zukunftsfähig sein müssen und Auswirkungen auf die Wirklichkeit haben, in der ich Gottes Wort verkünde.“ Zudem dürfe man als Gemeindepfarrer nicht „präsidial“ sein: „Leitung heißt, Vertrauen suchen, beraten, entscheiden und Verantwortung übernehmen.“

Torsten Maes freut sich auf seine neue Arbeit und den künftigen Lebensmittelpunkt

So will Torsten Maes es auch in Oldenburg machen. Im Gespräch ist ihm schnell anzumerken, wie sehr er sich auf die neue Arbeit und seinen künftigen Lebensmittelpunkt freut. Der Kirchenkreis sei 71.000 Glieder in dessen acht Gemeinden groß. Sie seien lebendig und nahe bei den Menschen, erklärt Maes. Gespannt ist er auch auf die Stadt, die ihn an seinen Studienort Münster erinnert: „Oldenburg ist wachsende Stadt in Niedersachsen, die Uni hat einen super Ruf, da sind viele junge Leute unterwegs, du spürst, wie die Stadt pulsiert.“

Die neue Aufgabe und die neuen Menschen erleichtern den Abschied also. Mit vielen guten und gewachsenen Beziehungen und Freundschaften wird Moers aber sicher nicht vergessen werden. „Hier gibt es so viele Verbindungen, dass Moers seinen Platz im Leben behalten wird,“ sagt er. Man geht eben niemals so ganz.

>>>Wie geht es weiter mit der Stelle von Maes in Moers?<<<

Die Kirchengemeinde Moers hat mit Wolfgang Döring, der zum Jahresbeginn nach Rheinkamp gewechselt ist, und Torsten Maes zwei ihrer bisher drei Pfarrer verloren. Eine Wiederbesetzung der Stelle hängt von der gemeinsamen Planung der benachbarten Gemeinden in Asberg, Hochstraß, Kapellen, Moers, Scherpenberg und Schwafheim ab. Anders als im Moerser Norden gibt es hier keine Planungen für notwendige Zusammenschlüsse.

„Ich hoffe, dass für mich in kurzer Zeit ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gefunden wird“, sagt Maes. „Es braucht jemanden, der Verständnis hat für moderne und einladende Arbeit, die nicht nur die Bedürfnisse derer aufnimmt, die der Gemeinde sowieso eng verbunden sind. Viele neue Impulse, auch aus der Coronazeit müssen unbedingt fortgeführt werden. Moers braucht eine lebendige Stadtkirche.“

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