Knöllchen

Moers startet Rückrufaktion für Parkausweise per Knöllchen

Befristet oder unbefristet, das ist hier die Frage.

Foto: Arnulf Stoffel

Befristet oder unbefristet, das ist hier die Frage. Foto: Arnulf Stoffel

Moers.   Weil die Stadt Moers sich nicht anders zu helfen wusste, probiert sie es mit einer alternativen Kommunikationsmethode. Und das ging daneben.

Der Moerser Wolfgang O. traute kürzlich seinen Augen nicht: Das Auto seiner Schwiegermutter war auf der Gellertstraße auf einem Parkplatz abgestellt, der Behinderten-Parkausweis lag ordnungsgemäß hinter der Windschutzscheibe – und am Scheibenwischer hing ein Knöllchen. Wolfgang O. wandte sich an die Stadt, um zu fragen, was das solle. Er erhielt eine überraschende Antwort.

Das Knöllchen, so der Moerser, habe man bei der Stadt gegen Vorlage des Schwerbehindertenausweises seiner Schwiegermutter anstandslos zurücknehmen wollen. Man habe ihm aber gleichzeitig eröffnet, dass der Parkausweis ungültig sei und ein neuer beantragt werden müsse. Da kam Wolfgang O. nicht mehr ganz mit.

Nacht-und-Nebel-Aktion?

Er fragte sich: Wie kann ein unbefristet ausgestellter Parkausweis, immerhin ein gültiges Dokument der Stadt Moers, plötzlich ungültig sein? Vor allem, wenn die Stadt die Inhaberin des Parkausweises mit keiner Zeile über die angebliche Ungültigkeit des Dokumentes informierte? Was er erfuhr, war nur, dass die Ausweise ungültig seien. Wolfgang O. wandte sich an die NRZ, weil er eine „Nacht-und-Nebel-Aktion“ vermutete. Und damit lag er gar nicht so falsch.

Denn in der Tat versuchte die Stadt, mittels kreativer Knöllchenverteilung einem Missstande abzuhelfen, der, so Stadtsprecher Klaus Janczyk, eher „zufällig aufgefallen“ war. „Behinderten-Parkausweise werden zum Teil missbräuchlich benutzt“, erklärt Janczyk.

Man habe festgestellt, dass sie teilweise auch Jahre nach dem Tode des Inhabers von Verwandten munter weitergenutzt wurden. Da es sehr mühselig erschien, unter den insgesamt 8000 im Umlauf befindlichen Parkausweisen diese Behinderten-Parkausweise herauszusuchen (es gibt nämlich keine eigene Datei), kam man auf die pfiffige Idee, einfach allen Autos mit unbefristetem Behinderten-Parkausweis ein Knöllchen zu verpassen; dann würden sich die Parkausweis-Inhaber schon melden.

Stadt rudert zurück

Was im Fall O. funktionierte. Jedoch räumte die Stadt gegenüber dieser Zeitung ein: „Das war nicht die taugliche Lösung.“ Und so werden ab Mitte Januar die Politessen den Inhabern von unbefristeten Behinderten-Parkausweisen keine Knöllchen, sondern Pappkärtchen mit der Bitte, sich zu melden, hinter den Scheibenwischer klemmen.

Anschließend werden die unbefristeten Behinderten-Parkausweise kostenlos in auf fünf Jahre befristete umgetauscht; allerdings müssen diese nach Ablauf verlängert werden. Gebühr: 35 Euro. Und was die unbefristeten Ausweise angeht, so seien die gar nicht vorgesehen, so Janczyk. Man habe wohl besonders bürgerfreundlich sein wollen.

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