Ausstellung

Moers: Was Menschen auf ihrer letzten Reise wichtig ist

Der Geschäftsführer des St. Josef Krankenhauses, Ralf Nennhaus, eröffnete am Freitagabend die Ausstellung „Im letzten Hemd“ im Peschkenhaus.

Der Geschäftsführer des St. Josef Krankenhauses, Ralf Nennhaus, eröffnete am Freitagabend die Ausstellung „Im letzten Hemd“ im Peschkenhaus.

Foto: Ulla Michels

Moers.   „Im letzten Hemd“ heißt eine Ausstellung im Peschkenhaus. Für das Projekt haben sich Menschen Gedanken gemacht, wie sie beerdigt werden wollen.

Den Spruch „das letzte Hemd hat keine Taschen“ kennt jeder. Doch wie dieses aussehen soll, darüber machen sich nur die Wenigsten Gedanken. „Im letzten Hemd“ heißt deshalb eine Foto-Ausstellung, die am Freitag im Peschkenhaus eröffnet wurde. Anlass ist das 20-jährige Bestehen des Orsoyer Hospizes „Haus Sonnenschein“. Dort finden seit 1998 unheilbar erkrankte Menschen ein letztes Zuhause. Um sie, wie es Hospiz-Leiterin Beate Bergmann sagte, „zu pflegen, tröstend zu begleiten, zu stärken und ihnen die oftmals fließenden Tränen abzuwischen“.

Es gibt auch ausgefallene Wünsche

Aber machen sich Menschen, die im Sterben liegen, noch Gedanken über ihr „letztes Hemd“? Die meisten hätten schon eine Vorstellung davon, was sie auf dem Totenbett tragen wollen, berichtet Bergmann. Zum größten Teil sei das ziemlich konventionell, doch gebe es durchaus auch ausgefallene Wünsche.

Genauer wissen wollte es das Bergisch-Gladbacher Bestattungshaus Pütz-Roth und befragte dazu 50 Menschen, die meist noch mitten im Leben stehen. Der Fotograf Thomas Balzer porträtierte die Teilnehmer, aufgebahrt in ihrer Wunschbekleidung. Ein schlichtes Totenhemd, wie es früher mal zu jeder Aussteuer gehörte, war nicht dabei: Dagegen ein Maler, der mit Staffelei und Pinsel begraben werden möchte ebenso wie Musiker mit ihren Instrumenten.

Ein Karnevalsjeck in Uniform mit Narrenkappe

Oder ein Mann im Jägerdress, der das Geweih eines 22-Enders umklammert hält und ein Karnevalsjeck in Uniform mit Narrenkappe und Orden. Ein Smartphone-Freak, der auch im Himmel keinen Anruf verpassen und eine Frau, die am liebsten in grüne Blätter eingewickelt und ohne Marmorblock auf dem Kopf ruhen will. Vergleichsweise harmlos dagegen zwei Frauen, die eine mit ihrem Hochzeitstäschchen in der Hand, die andere mit einer weißen Rose auf der Brust: „Mit den zum Teil nicht ganz ernst gemeinten Bildern wollten wir dem heiklen Thema ‚Tod und Sterben‘ etwas die Schwere nehmen“, erklärte David Roth.

Sinn der Ausstellung sei, Menschen dazu zu bringen, sich überhaupt mal mit diesem Thema zu beschäftigen. Ein Wunsch, der zumindest bei den rund 100 Vernissage-Gästen in Erfüllung ging, jedes Foto war von diskutierenden Besuchertrauben umlagert: „Seit dem Tod meines Mannes habe ich mein Sterbekleid schon im Schrank. Ich bin vorbereitet“, sagte eine 76-jährige Rheinbergerin, die sich trotzdem über die Fotos amüsierte.

Träger denkt über Erweiterung der Hospiz-Plätze nach

„Wir haben derzeit zwar nur acht Plätze. Doch aufgrund des großen Andrangs denken wir über eine Erweiterung auf zehn nach“, versprach Ralf Neenhaus, Geschäftsführer des Hospiz-Trägers St. Josef Krankenhaus GmbH in Moers. Eine ganz wichtige Rolle spiele dabei der nicht nur finanziell hilfreiche Hospiz-Förderverein. Das Jubiläum wird neben der Ausstellung bis Ostern noch mit vier weiteren Veranstaltungen im Peschkenhaus gewürdigt.

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