Wahl 2021

Moers: Wie das Mercator-Berufskolleg Politiker befragt

| Lesedauer: 4 Minuten
Zur Podiumsdiskussion „Wir gestalten Deutschland!" am Mercator-Berufskolleg Moers waren sechs von zehn Wahlkreiskandidatinnen und -kandidaten eingeladen.

Zur Podiumsdiskussion „Wir gestalten Deutschland!" am Mercator-Berufskolleg Moers waren sechs von zehn Wahlkreiskandidatinnen und -kandidaten eingeladen.

Foto: Karl Banski / FUNKE Foto Services

Moers.  In wenigen Tagen ist die Bundestagswahl. Am Mercator-Berufskolleg in Moers gab es viele Fragen. Nicht alle wurden konkret beantwortet.

Kurz vor der Bundestagswahl am 26. September hat das Mercator-Berufskolleg in Moers zu einer Gesprächsrunde eingeladen. Den Fragen der Schülerinnen und Schüler stellten sich am Mittwoch sechs von zehn Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Wahlkreis Moers, Neukirchen-Vluyn und Krefeld Nord/Mitte. Redezeit bekamen alles sechs reichlich, nicht immer gab es konkrete Antworten.

Politiklehrer Markus Blensekemper hatte die Gesprächsrunde im Unterricht akribisch vorbereiten lassen. Fragen gab es zu vier Themenblöcken: Umwelt/Klima, Wirtschaft/Finanzen, Migration/Integration und Arbeit/Soziales. Eingeladen worden waren die Kandidatinnen und Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien, wie Mercator-Schulleiter Dr. Oliver Wolf sagte.

Diese vier Kandidaten nehmen nicht teil

Im Einzelnen: Kerstin Radomski (CDU) und Ulle Schauws (Grüne) gehören dem Deutschen Bundestag seit 2013 an und möchten das auch weiterhin. Jan Dieren (SPD), Hauke Finger (AfD), Sebastian Schubert (Linke) und Dr. Michael Terwiesche (FDP) bewerben sich um ein Mandat. Moderator Markus Blensekemper sagte später, wenn auch die anderen Kandidaten eingeladen worden wären, wäre das Podium zu groß gewesen. Nicht teilgenommen haben Carsten Butterwegge (Die Partei), Lars Kosma (Die Basis), Genja Raboteau (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands) und Hans-Günther Schmitz (Freie Wähler).

Bei den Themen gab es aus der Runde viel Bekanntes aus den Parteiprogrammen, bei der beruflichen Gleichstellung von Mann und Frau waren sich zum Beispiel alle einig: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Beim Thema Flüchtlinge gab es von mehreren den Hinweis, die Fluchtursachen in den betroffenen Ländern zu bekämpfen, auch das ist eine seit Jahren bekannte Position.

Beim Thema Kohleausstieg, also dem Tag, an dem Deutschland sich ausschließlich aus regenerativer Energie versorgt, blieben die Antworten schwammig. Bis auf Ulle Schauws (Grüne) und Sebastian Schubert (Linke) wollte sich keiner festlegen.

Schauws („Die Klimakrise ist die Existenzfrage unserer Zeit“) befürwortet den Ausstieg 2030, Schubert 2035, laut aktuellem Beschluss ist er für 2038 geplant. Hauke Finger (AfD) geht davon aus, dass „wir Kohle- und Gaskraftwerke noch länger brauchen“. Und: „Die AfD glaubt nicht an den menschengemachten Klimawandel.“

Dank der Fragen der Schülerinnen und Schüler gab es aber auch Konkretes: So will sich Terwiesche (FDP) für ÖPNV-Verbindungen von Moers nach Krefeld und Düsseldorf einsetzen, Dieren für mehr Solarenergie in der Region, Radomski für mehr Windenergie auch am linken Niederrhein: „Die Enni ist Vorreiter, Krefeld ist noch nicht soweit.“

Viele der im Unterricht vorbereiteten Fragen konnten in der Runde am Mittwoch allerdings gar nicht gestellt werden, weil die pro Thema vorgesehene Viertelstunde schnell um war. So kam es zum Beispiel erst gar nicht zu der Frage eines Schülers zum Thema Umwelt und Klima, warum nicht mehr Förderung für E-Autos und Wasserstoff-Technik möglich sei.

Lebhaft wird es am Ende der Gesprächsrunde

Lebhaft wurde die Runde zum Schluss, als SPD-Mann Dieren Fragen an AfD-Mann Hauke Finger stellen wollte. Fingers teilweise bekannte wie provokante Sätze („...eine ausgeprägte Einwanderung in die Sozialsysteme...“) waren bis auf eine Ausnahme (Ulle Schauws) bis dahin unwidersprochen geblieben. Doch Moderator Blensekemper ließ Dierens Fragen nicht zu. Er bot an, die Fragen nach der Diskussion zu stellen, was aber nicht passierte.

Politiklehrer Blensekemper richtete sich zum Schluss der Gesprächsrunde an die Schülerinnen und Schüler im Saal: „Ich weiß, dass heute viel mehr politischer Elan in der Jugend vorhanden ist als noch vor 20 Jahren. Deshalb ist es wichtig, am 26. September zu wählen. Geht wählen, es geht kein anderer für euch wählen.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Moers und Umland

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben