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Moerser Bergmann verpasst Stichtag um gerade einmal 27 Tage

Die Bergmänner Orhan Karakas (links) und Ertan Kanoglu (rechts) in einem Streb des Steinkohle-Bergwerks Prosper-Haniel (Schacht 10) in Bottrop.

Die Bergmänner Orhan Karakas (links) und Ertan Kanoglu (rechts) in einem Streb des Steinkohle-Bergwerks Prosper-Haniel (Schacht 10) in Bottrop.

Foto: Felix Heyder

Moers.  Orhan Karakas kann nicht in den Vorruhestand gehen. Er ist dafür ein paar Tage zu spät im Jahr 1973 zur Welt gekommen. Was macht er nun?

Kurz vor den Feierlichkeiten am Freitagnachmittag auf der Zeche Prosper-Haniel zum Ende des Steinkohlebergbaus erreichen wir Orhan Karakas am Telefon. Nein, er ist gerade nicht auf dem Weg zur Veranstaltung. „Mittagsschicht“, sagt er. Der Mann aus Moers muss also weiter arbeiten. Auch am Freitag zum endgültigen Ende des Bergbaus im Ruhrgebiet – und womöglich noch einiges länger als die anderen Kumpel, die mit ihm jahrzehntelang unter Tage malochten.

Karakas ist am 27. Januar 1973 geboren und damit 27 Tage zu spät, um im Jahr 2021, wenn die Nacharbeiten des Bergbaus auf Prosper-Haniel in Bottrop abgeschlossen sein werden, in den Vorruhestand gehen zu können. Die anderen sichern sich durch die Stichtagsregelung ungefähr 70 Prozent ihres Einkommens. Der Jahreswechsel ist der Stichtag. 420 anderen Bergleuten geht es aber genauso wie Karakas.

Eine Abfindung ist für Karakas keine Option

Die Regel der RAG besagt: Wer 49 Jahre alt ist und 20 Jahre unter Tage war, kann 2021 in den Vorruhestand gehen. Karakas wird das Alter um genau 27 Tage verpassen. Der Moerser hatte noch gehofft, dass der Bergbau länger im Ruhrgebiet bleibt. Eine Abfindung der RAG hat er bislang ausgeschlagen. „Das ist keine Option. Die Summe, die wir für 30 Jahre harte Arbeit erhalten würden, ist lächerlich“, sagt Karakas im Gespräch mit der NRZ.

Aktuell liefen noch Verhandlungen, ob die gut oder schlecht ausgehen werden, kann er nicht beantworten. „Die einen sagen so, die anderen so. Es sind halt Gerüchte“, erklärt der Bergmann.

Deshalb ist Karakas nun auf Jobsuche. Wenn er in einem knappschaftlichem Betrieb unterkäme, hätte er mit 55 Jahren Anspruch auf die so genannten Knappschaftsausgleichsleistungen. Nur sind die Stellen in Nordrhein-Westfalen bekanntlich rar. In Niedersachsen gibt es ein Bergwerk, jedoch viel zu weit, um von Moers aus täglich dorthin zu pendeln.

Den Bergbau bis zum Ende durchziehen

Findet Karakas keinen Job im Knappschaftsbereich, muss er bis zu seinem 63. Geburtstag arbeiten. Andere Kumpel hatten versucht, in anderen Bereichen unterzukommen, auch in fachfremden wie der Pflege durch eine Umschulung. „Ich will den Bergbau auf jeden Fall bis zum Ende durchziehen“, kündigt der Moerser an.

Drei Jahre geht das in Bottrop auf Prosper-Haniel, der letzten Zeche des Ruhrgebiets mit den Nachbergbauarbeiten noch. Dann spätestens muss Orhan Karakas etwas Neues gefunden haben.

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