Wirtschaft

Moerser Firma beginnt dort, wo es für andere schwierig wird

Geschäftsführer Frank Scheuermann von Tectus.

Geschäftsführer Frank Scheuermann von Tectus.

Foto: Volker Herold

Moers.   Die Firma Tectus holt Produktionsreihen aus dem Ausland ins Eurotec. Geschäftsführer Frank Scheuermann hat auf den Rat eines Kumpels gehört.

Auf den Bohrplattformen dieser Welt herrschen oft extreme Bedingungen: Kälte, Hitze, Stürme, Salzwasser. Das Material, welches auf den Plattformen verwendet wird, muss einiges vertragen können. Noch extremer wird es unten in den Bohrlöchern mit Drücken von 1380 Bar und Temperaturen von 200 Grad Celsius. Soll dort Transponder-Technik eingesetzt werden, braucht es für deren Entwicklung und Konstruktion absolute Experten – und die findet man im Moerser Eurotec bei der Tectus Transponder Technology GmbH

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Auf Transponder-Technologie trifft man heutzutage überall. Im Moerser Rathaus haben beispielsweise die Schlüssel (außer an Altweiber) längst ausgedient; die Mitarbeiter öffnen die Türen mittels eines Transponders. Es ist eine kontaktlose Kommunikationstechnik, die als Keyless-Go auch Einzug ins Auto gehalten hat.

Der Chef kommt vom Pütt

Doch so etwas interessiert Tectus-Geschäftsführer Frank Scheuermann kaum. Sein Credo lautet: „Wir setzen da ein, wo’s schwierig wird. Wir sind das SEK.“ Und so stellt Tectus unter anderem Transponder-Systeme her, die in Bohrgestänge eingebaut werden. Wenn Frank Scheuermann ein Gehäuse für seine Technik auf den Markt bringt, dann ist sie aus massivem Stahl, jeder einzelne auf höchste Drücke geprüft. Fast könnte man sagen, es sei gebaut für Sohle 7, immerhin liegt das Eurotec auf einem alten Zechengelände.

Vielleicht hat sich genau deshalb Tectus dort angesiedelt – denn Frank Scheuermann kommt vom Pütt, hat auf der Zeche in Oer-Erkenschwick Elektriker gelernt und war später Elektrosteiger, bevor er sich selbstständig machte. Mit dem Bergbau ging es bergab, der Elektrosteiger erhielt den Rat: „Such Dir wat anderes.“ Das war 1994.

Transponder für Kraftwerke und Windräder

„Mit einem Kollegen habe ich eine Zwei-Mann-Firma gegründet“, beschreibt der 58-jährige Ex-Kumpel seinen weiteren Werdegang. Sie hatten eine gute Idee, entwickelten sie und verkauften das Ergebnis an einen Konzern. Mit dem Erlös wurde 2004 die Tectus GmbH gegründet. Scheuermann: „Die Gesellschafter kommen aus der RFID-Branche, einer war Geschäftsführer eines der größten Transponderhersteller, der Wegfahrsperren für Autos produziert.“

In Moers werden Transponder für jeden Zweck konstruiert, auch für riesige Planetengetriebe, wie sie in Kraftwerken und Windrädern eingesetzt werden. Wie gesagt, einfach kann jeder, aber bei Tectus hat es den Anschein, als laute das Firmenmotto: je extremer, desto besser.

„Das ,Made in Germany‘ hat einen super Namen“, so Frank Scheuermann, „unsere Kunden wissen, dass ihre Teile aus deutscher Produktion stammen und dass sie die auch in fünf Jahren nachbestellen können.“ Dies ist ein Grund, warum Tectus bestimmte Produktionsreihen aus dem Ausland nach Moers ins Eurotec holen wird – von der Forschung und Entwicklung bis zum fertigen Produkt ist dann alles „Made in Moers“.

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