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Moerser Karnevalist erhält seltenen Verdienstorden

Ralf Weier erhält den Goldenen Verdienstorden des Kulturausschusses Grafschafter Karneval (KGK).

Foto: Volker Herold

Ralf Weier erhält den Goldenen Verdienstorden des Kulturausschusses Grafschafter Karneval (KGK). Foto: Volker Herold

Moers.   Ralf Weier ist seit 33 Jahren für die Karnevalsgesellschaft Lusticana-Barbara in Meerbeck im Einsatz. Er ist nicht nur ein Fachmann für Wagenbau.

Es gibt sie noch, die Freiwilligen, die unermüdlich für ihr Hobby und den Verein im Einsatz sind. Einer davon ist Ralf Weier. Er ist seit 33 Jahren für die Karnevalsgesellschaft Lusticana-Barbara in Meerbeck im Einsatz. Für den gelernten Elektriker ist das ganz normal: „Wir sind fast alle irgendwie aktiv.“ Für sein Engagement erhielt der Meerbecker jetzt den Goldenen Verdienstorden des Kulturausschusses Grafschafter Karneval – Dachverband der jecken Vereine in der Region. „Das ist eine Auszeichnung, die der KGV nur selten verleiht“, meint Weier stolz.

Die Lusticana ist eine relativ junge KG: „Damals wollte sich die KAB nicht am Straßenkarneval in Moers beteiligen“, berichtet Ralf Weier. Kurzerhand gründeten die jungen Jecken 1978 eine eigene KG, Lusticana-Barbara. Der Name erinnert bis heute an die kirchlichen Wurzeln der Mitglieder in der Altsiedlung der Bergarbeiter. Ebenfalls bis heute pflegt die Lusticana freundschaftliche Kontakte zum KAB-Karneval. „Wir feiern beispielsweise das Hoppeditz-Erwachen immer gemeinsam.“

Motivwagen mit Kumpel Anton

Karneval – da gibt’s immer was zu tun: Drei Lusticana-Zugwagen sind zu renovieren und zu warten, auch der Motivwagen will gebaut sein. Diesmal zeigt er mit Blick auf das Ende des Bergbaus Kumpel Anton. Auch die Sitzungen der KG müssen vorbereitet werden, vom Kasten Sprudel bis zur Büttenrede. Besuche bei anderen Vereinen stehen ebenfalls auf dem Programm. Besonders stolz ist die KG, dass ihre Galasitzung bei den Jecken so beliebt ist. „Das letze Mal waren wir schon im September ausverkauft.“ Und auch der Seniorenkarneval habe schon Tradition. Werbung muss die Lusticana nicht machen.

Was wohl auch daran liegt, dass die Büttenreden, die Gardetänze und Gesangsvorträge alle von den Lusticanern selbst gestaltet werden. „Beim letzten Mal sind wir um 18 Uhr angefangen und waren um 24 Uhr noch nicht fertig“, berichtet Weier stolz.

Versierte Handwerker sind gefragt

Vor allem Vielseitigkeit der Aktiven ist in einem kleinen Verein gefragt, wenn er überleben will. „Ich mache alles.“ So fungierte Ralf Weier schon als Präsident, dann als Organisationsleiter, inzwischen als Fachmann für den Wagenbau. Versierte Handwerker sind eben auch im Verein gefragte Leute. Weder vor Gesang noch der Rede in der Bütt schreckt der jecke Meerbecker zurück. Auch die Reden und Liedertexte schreibt er dann selbst.

Aufgewachsen ist er in der Altsiedlung Hochheide. Näheren Kontakt zum Karneval hatte er allerdings erst später in Meerbeck. „Kollegen meiner Frau nahmen uns zu einer Sitzung mit. Von da an waren wir infiziert: Ein Jahr später wurde ich Mitglied, meine Frau trat etwas später ein.“ In die Bütt steigt bei der KG auch der Nachwuchs gerne. Wie die beiden Söhne der Weiers, die Karneval schon mit der Muttermilch aufsogen. „Beide sind heute aktive Karnevalisten.“

Zu Karneval nimmt sich Weier frei

Dass die Karnevalisten hart gesotten sein müssen, ist bekannt. „Ich nehme mir dafür frei“, schildert Ralf Weier. Denn: Auf der Arbeit hat der Mann mit echten Schwergewichten zu tun. Am Flughafen Düsseldorf nimmt er die Jumbos, Boeings oder Airbusse ins Schlepptau und zieht sie gekonnt zur Wartung in die Hallen oder holt sie dort wieder heraus. Die Schlepper, selbst bis zu 60 Tonnen schwer, helfen den Jets auch beim Rangieren. „Sie haben ja keinen Rückwärtsgang. Etwa 380 Tonnen wiegt so ein Jumbo. Da kann man sich keinen Fehler erlauben.“

Ein Anliegen hat der Meerbecker Jeck auch: „Das Jugendheim, in dem alle Veranstaltungen stattfinden, steht beim Bistum auf der Kippe.“ Falls das Haus tatsächlich einmal dicht gemacht würde, wären Karnevalisten und auch andere Meerbecker Bürger heimatlos. „Ersatz ist in Moers nicht zu finden.“

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