Abgasskandal

Moerser klagt gegen Porschezentrum auf Rückgabe des Wagens

Serhat Varol neben seinem Porsche Cayenne. Der Fahrlehrer klagt gegen den Porschehändler, der ihm den Wagen verkauft hat.

Serhat Varol neben seinem Porsche Cayenne. Der Fahrlehrer klagt gegen den Porschehändler, der ihm den Wagen verkauft hat.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Moers.  Software-Updates haben keine Verbesserungen gebracht, sagt der Moerser und liefert ein Gutachten. Er will sein Geld zurück. Die Chancen sind gut.

Vor zwei Jahren erfüllte Serhat Varol sich und seiner Frau einen Traum. Er kaufte einen Porsche-Cayenne 3,0 Liter V6 Diesel – einen rund 70.000 Euro teuren Boliden mit bis zu 300 PS, der außerdem noch besonders umweltfreundlich sein sollte. Das sagte Porsche zumindest. Er soll sogar so umweltfreundlich gewesen sein, dass er die Euro-6-Norm erfüllte. Zwei Tage später begann der Ärger. Und seit rund eineinhalb Jahren klagt der Moerser Fahrlehrer gegen ein Porschezentrum im Rheinland, bei dem er seinen Wagen gekauft hat. Er will ihn zurückgeben und sein Geld wiederhaben. Das Porschezentrum wehrt sich dagegen. Allerdings hat Varol einen Beweis, den er am Dienstag dem Landgericht Kleve vorlegte und der ihm am Ende recht geben könnte.

Das Fahrzeug von Serhat Varol verliert in zwei Tagen um rund 40.000 Euro an Wert

Der Reihe nach: Nur zwei Tage, nachdem er den Wagen gekauft hatte, bekam Serhat Varol einen Brief, in dem Porsche die betroffenen Dieselmodelle seiner Fahrzeugflotte zurückrief, um sie einem Software-Update zu unterziehen, mit dem die illegale Abschaltvorrichtung beseitigt wird, die offenbar auch in den neuesten Modellen verbaut wurde. Und das lange, nachdem der Skandal um manipulierte Dieselmotoren an die Öffentlichkeit gelangt war.

„Ich war verblüfft“, sagt Serhat Varol. Dann begann er, im Internet zu recherchieren. Dort fand er zahlreiche Beiträge, die davor warnten, den Wagen für das Update an Porsche zurückzugeben, weil es nichts bringe und den Wert des Fahrzeugs erheblich mindere. Daraufhin fuhr Varol zu dem Porsche-Händler. Er wollte den Wagen zurückgeben und zumindest ein anderes, gleichwertiges Modell ohne Mängel. Der Händler lehnte dies mit Worten ab, die der Moerser wohl nie wieder vergessen wird: „Der Händler sagte, dass dies nicht gehe, weil mein Auto nur noch 30.000 Euro wert sei.“

Gemeinsam mit seinem Anwalt gibt Varol ein externes Gutachten in Auftrag

Innerhalb weniger Tage war der Wert des Porsche Cayenne 3,0 Liter V6 Diesel um rund 40.000 Euro gefallen. Varol nahm sich einen Anwalt. Gemeinsam ließen sie im Sommer dieses Jahres über das Emissions-Kontroll-Institut der Deutschen Umwelthilfe ein Gutachten anfertigen, das beweist, dass das Software-Update zur Beseitigung der Abschaltvorrichtungen absolut nichts bringt. Die Abgaswerte waren nach dem Update nur minimal niedriger als vorher.

Das Gutachten einer beauftragten Fachfirma aus Berlin präsentierte Varol beim mittlerweile dritten Verhandlungstag am vergangenen Dienstag dem Landgericht Kleve, wo das Verfahren anhängig ist. Das Landgericht hat sein Urteil für den 8. Januar 2020 angekündigt. Und laut Varols Anwalt Tobias Ulbrich, dessen Kölner Kanzlei Rogert & Ulbrich im Rahmen des Dieselskandals derzeit mehr als 9000 Klagen gegen Autohersteller und Händler führt, gibt es dann „ein klagezusprechendes Urteil“. Heißt: Serhat Varol werde den Wagen zurückgeben können und den Kaufpreis zurückerhalten. Und: „Zuzüglich Zinsen wird mein Mandant mehr Geld erstattet bekommen als er ursprünglich für das Auto gezahlt hat“, prognostiziert Rechtsanwalt Ulbrich.

Für Serhat Varol wäre das Kapitel damit endgültig beendet. Er sieht sich gerade nach einem anderen Auto um. Ein Porsche werde es aber nicht mehr sein, sagt der Fahrlehrer.

Ein interessanter Prozess mit möglichem Vorbildcharakter für andere Städte beginnt am Mittwoch, 20. November, in Bonn. Die Stadt Bonn klagt als erste Kommune gegen einen Autohersteller auf Rückgabe ihrer Dienstwagen. Sie möchte insgesamt 30 Fahrzeuge - 27 VW-Caddy und drei Audi - an den VW-Konzern zurückgeben.

Auch hier stehen die Chancen laut Rechtsanwalt Tobias Ulbrich gut. Das Gericht soll bereits angeordnet haben, dass sämtliche Dienstwagen an dem Tag vorgeführt werden.

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