Wirtschaft

Moerser macht seine Leidenschaft für Bits und Bytes zu Geld

Bei der Arbeit: Noel Schäfer an seinem neuen Domizil im Eurotec Looop.

Bei der Arbeit: Noel Schäfer an seinem neuen Domizil im Eurotec Looop.

Foto: Norbert Prümen

Moers.  Virtuelle Rundgänge hat Noel Schäfer aus Moers schon mit zarten 19 Jahren gebaut. Jetzt plant er mit seiner Firma Telepano die nächsten Schritte.

Noel Schäfer ist ein Nerd. Er kann nichts dagegen machen. Und jetzt? Jetzt sitzt er im ebenso traditionellen wie modernen Gewerbecenter Eurotec Looop in Moers und macht seine Leidenschaft für Bits und Bytes zu Geld. Aber die Geschichte fängt ja eigentlich viel früher an.

Nach dem Abitur am Gymnasium Rheinkamp jobbt er bei einer Krefelder Firma. Es geht um Digitales. Das ist ganz sein Geschmack, aber die Bezahlung ist schlecht. Andere hätten sich dann einfach den nächsten Job gesucht, aber Noel Schäfer ist nicht wie andere. Zusammen mit einem Bekannten gründet er Telepano. Richtig: Es geht um Digitales, genauer gesagt darum, Digitalfotos so miteinander zu verbinden, dass sie am Ende einen 360-Grad-Blick erlauben.

Neue digitale Geschäftsfelder

Das Angebot verfängt, zum Beispiel bei Michael Birr. Der Geschäftsführer von Moers Marketing baut die Rundum-Blicke 2016 in den Internet-Auftritt moers-stadtportal.de ein. Wer Schäfers Arbeit sehen möchte, ist zudem auf der Seite 360moers.de gut aufgehoben. Interessierte können sich also bereits am heimischen Computer in Geschäften der Moerser Innenstadt umsehen. Aber nicht in allen, wie Schäfer berichtet: „Auch heute stoßen wir teilweise noch auf Ablehnung.“

Im kommenden Oktober wird Telepano fünf Jahre alt. Noel Schäfer ist jetzt 24. In dem Alter kann auch nicht jeder auf eine fünfjährige Erfahrung als Gründer und Geschäftsführer zurückblicken. Begonnen hat Schäfer mit Home Office, dann hat er einen Arbeitsplatz angemietet, Co-Working-Space heißt das heute in Neudeutsch. Mit der Zeit sind viele weitere digitale Geschäftsfelder dazu gekommen, zum Beispiel die Gestaltung und Betreuung von Internetseiten. Jetzt macht er den nächsten Schritt. Dort, wo früher Bergwerksausbildung stattfand, arbeitet er jetzt in der digitalen Welt, und er fragt sich: „Wie wird das weitergehen mit Telepano?“ Zumal IT-Unternehmen in Moers hochwillkommen sind.

Der Innovationstakt ist hoch

Die virtuellen Rundgänge sind immer noch sein Lieblingskind. In der Digitalbranche ist der Innovationstakt jedoch hoch. Immobilienmakler, sagt Schäfer, könnten heute solche Rundgänge mit ein bisschen Know how fast selbst erstellen. Dass die Qualität dabei oft nicht so gut ist, wie bei seinen Rundgängen, hält ihn nicht davon ab, nach neuen Entwicklungen zu suchen.

Wie praktisch, dass er studiert. Den Bachelor in Sozialwissenschaften hat er in Düsseldorf gemacht, zurzeit ist er im neuen Studiengang Innopreneurship in Duisburg. Wer jetzt denkt, dass sich nur Akademiker solche Namen ausdenken können, liegt vielleicht nicht ganz falsch. „Das Wort setzt sich zusammen aus Innovation und dem englischen Wort für Unternehmertum“, erklärt Schäfer. Die Webseite des Studiengangs hat er gestaltet und natürlich kann er sich vorstellen, dort auch einmal selbst Kurse zu geben. Vor allem aber schätzt Schäfer, dass er im Studium auf Ideen kommt, auf Geschäftsideen.

Online-Marketing ist so eine Idee, die sicher nicht neu ist, aber mit seinen Kenntnissen und seiner Erfahrung eine Richtung für Telepano und sein kleines Team vorgeben könnte. Was Schäfer jetzt schon so drauf hat, wissen bereits Kunden vom Niederrhein, aus der Schweiz und den Niederlanden zu schätzen: „Es sind viele Empfehlungen dabei. Ich bin ein überzeugter Netzwerker, es macht mir Spaß, mit Menschen Lösungen zu finden.“

Eine gesunde Distanz

Deshalb organisiert Schäfer auch unter dem Titel „Tedx Moers“ eine Konferenz, auf der es um Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Zusammenhalt geht. Die Konferenz beginnt am 10. Januar, 16 Uhr im Eurotec, Eurotecring 15. Tickets kosten 49 Euro, für Menschen unter 26 Jahren nur 19 Euro.

Und gerade, weil er sich in der digitalen Welt so gut auskennt, hat Schäfer eine gesunde Distanz zu den Dingen, die das Internet so unappetitlich und manchmal auch gefährlich machen. Beim NSA-Skandal, einer globalen Spionageaffäre rund um den amerikanischen Geheimdienst, habe er sich „erschrocken, mit welcher Gleichgültigkeit das hingenommen wurde“.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben