Theater

Moerser Schlosstheater bringt „Die Pest“ auf die Bühne

Puppe Dr. Rieux mit Puppencoach Joost van Brandem, Intendant Ulrich Greb und Dramaturgin Viola Köster.

Puppe Dr. Rieux mit Puppencoach Joost van Brandem, Intendant Ulrich Greb und Dramaturgin Viola Köster.

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Moers.  Die Rolle der Hauptfigur spielt eine Handpuppe, das Publikum sitzt in einem Schutzraum – das verspricht einen unterhaltsamen Spielzeitauftakt.

Erst sterben die Ratten, dann die Menschen. Das Bakterium „Yersinia pestis“ infiziert nach und nach die gesamte algerische Hafenstadt Oran. Ein Entkommen vor der Epidemie scheint fast unmöglich zu sein. Wie verhalten sich die Menschen in dieser Stadt in so einer Extremsituation? Halten sie zusammen oder nicht? In seinem 1942 bis 1946 entstandenen Roman „Die Pest“ beschreibt Albert Camus den Ausbruch der Pest und beobachtet mit wissenschaftlicher Nüchternheit die Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben. Das Moerser Schlosstheater widmet sich aktuell genau dieser Geschichte. Mit dem Stück „Die Pest“ nach der Romanvorlage von Camus feiert das Ensemble in einer Woche, am Donnerstag, 19. September, um 19.30 Uhr im Schlosstheater Premiere.

Die Proben laufen auf Hochtouren. „Grenzziehungen jeglicher Art scheinen Konjunktur zu haben. Es gibt immer mehr Grenzen zwischen Menschen oder europäische Außengrenzen. Das Thema ist aktueller denn je“, erklärt Dramaturgin Viola Köster. „Wieviel Solidarität wollen wir uns leisten? Dieses solidarische Verhalten mit Camus‘ philosophischen Ansatz wollen wir darstellen“, ergänzt Intendant Ulrich Greb.

Dr. Rieux als Handpuppe

Camus stellt Figuren und Strategien im Kampf gegen die Krankheit wie in einer Versuchsanordnung neben- und gegeneinander: Vom Fatalismus über Hedonismus bis zum Widerstand, von der persönlichen und ideologischen Instrumentalisierung bis zum flammenden humanistischen Plädoyer. Das Ensemble mit Patrick, Dollas, Lena Entezami, Matthias Heße, Roman Mucha, Elisa Reining und Frank Wickermann schlüpft dabei in die verschiedenen Rollen. Eine Besonderheit gibt es allerdings: Die eigentliche Hauptfigur, der Arzt Dr. Rieux, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, wird nicht von einem Schauspieler, sondern von einer Handpuppe verkörpert. „Wir als Menschen möchten den Zuschauer nicht moralisieren und sagen ‚schaut, so seid ihr‘“, sagt Greb.

Puppencoach Joost van den Branden vom belgischen Theater Tieret übt mit den Schauspielern den Umgang mit der Puppe. Jeder aus dem Ensemble übernimmt diese in dem Stück. Gespickt ist das Stück zudem mit eingespielten Sounds des Improviser in Residence, Emilio Gordoa. Gespielt wird nicht klassisch auf der Bühne: Im Schlosstheater steht bereits ein großes weißes Zelt mit zwei langen Stuhlreihen – der Schutzraum. Um das Zelt herum stehen weitere Stühle. „Wir schaffen ein Innen und ein Außen und spielen aus mehreren Perspektiven“, so Greb. Die Zuschauer sind mittendrin. Während des Stückes kann es auch passieren, dass sie ihre Plätze wechseln müssen, gegebenenfalls auch vom Inneren des Zeltes nach außen. Doch ist man damit vor der Epidemie gerettet oder wurde man ausgegrenzt? Und wer entscheidet das?

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