Schlosstheater

Moerser Schlosstheater startet mit „Zur schönen Aussicht“

Noch ohne Perücken, Maske und Kostüme: Das STM-Ensemble im aktuellen Bühnenbild von Birgit Angele.

Noch ohne Perücken, Maske und Kostüme: Das STM-Ensemble im aktuellen Bühnenbild von Birgit Angele.

Foto: Erwin Pottgiesser

Moers.   Intendant Ulrich Greb lenkt mit Ödön von Horváths Komödie den Blick auf aktuelle Entwicklungen in Europa. Premiere ist am 21. September.

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Eine liberale Gesellschaft verabschiedet sich von ihren Grundwerten, für alle geht es nur noch um den größtmöglichen eigenen Vorteil. Was Ödön von Horváth in seinem Stück „Zur schönen Aussicht“ 1926 in eine bitterböse Komödie gekleidet hat, scheint heute in Europa aktueller denn je. Mit ein Grund dafür, dass Schlosstheater-Intendant Ulrich Greb und sein Ensemble genau mit diesem Stück am 21. September in die neue Spielzeit starten.

Spezialist für bitterkomische Stoffe

Der Inhalt in Kürze: Irgendwo in den europäischen Alpen liegt das Hotel „Zur schönen Aussicht“. Allerdings sind die Aussichten hier nicht wirklich schön. Die Gäste bleiben aus, das Personal hat sich von der Außenwelt abgeschottet und kreist um die Baronin, die als einzig zahlender Gast im Zentrum der Macht steht. Bis auf einmal die junge Christine im Hotel auftaucht und die Lage endgültig eskaliert ...

„Wir sehen in dem Stück eine Gesellschaft, die sich Stück für Stück radikalisiert und eigene Machtstrukturen entwickelt“, erläutert Dramaturgin Larissa Bischoff. Horváth liefere ein „bitteres und sehr komisches Panoptikum der Zwischenkriegszeit, das mehr mit der aktuellen Situation zu tun hat, als uns angenehm ist“.

Der Ungar schrieb das Stück in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Regisseur Ulrich Greb sieht ihn in diesem Zusammenhang als Seismograph einer widersprüchlichen Zeit, aber auch als „Spezialisten für bitterkomische Stoffe“. „Uns hat bei der Inszenierung auch das Verhältnis von innen und außen interessiert. Warum kommen keine Gäste mehr, ist ,draußen’ Krieg oder vielleicht eine Naturkatastrophe? Wir sehen eine Gesellschaft, die Angst vor ,dem Draußen’ hat. Eine Gesellschaft mit Sehnsucht nach Ordnung, die sich aber auflöst.“

Figuren wie in einem Comic

Bühnenbildnerin Birgit Angele hat dafür die Bühne im Schloss in ein Restaurant mit merkwürdig schrägen Tischen verwandelt. Eine Spiegelwand assoziiert alte Größe, die einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein altersschwaches Radio. Das Ensemble spielt in stilisierten Kostümen und mit Perücken, so dass die Figuren comic-artig überzeichnet werden.

Am Moerser Schlosstheater ist damit erst zum zweiten Mal die Inszenierung eines Horváth-Stückes zu sehen. Für beide zeichnet Ulrich Greb verantwortlich: Auch seine allererste Inszenierung in Moers war ein Stück des Ungarn – „Die Unbekannte aus der Seine“.

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