Werkschau

Moerser Seewerk zeigt Werke von dreizehn Künstlern

Künstlerin Dini Thomsen zeigt in ihrem Ausstellungsraum im Seewerk eine Installation, die der gerade im Aufbau befindlichen auf Nepix Kull ähnlich ist.

Künstlerin Dini Thomsen zeigt in ihrem Ausstellungsraum im Seewerk eine Installation, die der gerade im Aufbau befindlichen auf Nepix Kull ähnlich ist.

Foto: Erwin Pottgiesser

Moers.   Dini Thomsen baut auf Nepix Kull ihre Installation „Behausungen“ auf. Mit ihrer Arbeit thematisiert sie eine ureigene Sehnsucht des Menschen.

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Das Thema ist aktueller denn je: Die Suche nach einem Ort, an dem Menschen Sicherheit und Schutz finden. In der Jahresausstellung des Seewerks und auf der Kulturinsel Nepix Kull gibt die im Kreis Kleve lebende Künstlerin Dini Thomsen jetzt dieser ureigenen menschlichen Sehnsucht nach Geborgenheit eine kraftvolle Gestalt: „Behausungen“ hat Dini Thomsen die zum Teil bis vier Meter hohe Installation betitelt, die derzeit auf der Kulturinsel aufgebaut wird. Aber schon die kleinere Version der Installation, die ab dem 2. September mit Werken zwölf weiterer Künstler im Seewerk am Silbersee zu sehen sein wird, lässt erahnen, dass vier Wände nicht nur Schutz bedeuten können, sondern manchmal auch Isolation.

Dunkle Holzkästen in verschiedenen Formen, mal wie Pfahlbauten auf dünnen Stelzen, mal sargähnlich konstruiert, stehen als Ensemble in einem der Ausstellungsräume im Seewerk. Nebenan hat Dini Thomsen ihre „Ahnengalerie“ für Arme gehängt: Raue gesichtslose Porträts aus Gips und Paletten gewerkt, statt der üblichen Bilder in Goldrahmen.

Anmutung wie Totenhemden

Einen Raum weiter hängen steife Gewänder, scheinbar unbrauchbar geworden und abgelegt, auf Kleiderständern. Manche muten wie Totenhemden an, mit roten Handabdrücken versehen oder mit Scherben bestückt. „Häutung“ nennt Czaja Braatz ihre Installation. „Wenn sie wachsen, stoßen Tiere ihre Haut ab, sind aber in dieser Zeit besonders verletzlich“, so die 57-jährige Künstlerin über den Hintergrund ihrer Installation. Übertragen auf den Menschen bedeute das, sobald etwas Schlimmes auf ihn zukomme, müsse auch der Mensch sich „häuten“. „Dann wächst der Mensch, oder er geht kaputt“, sagt Czaja Braatz.

Telefonbuch als gemaltes Tagebuch

Die Düsseldorfer Künstlerin Rose-Marie Nöcker hat sich auf dem Gelände am Silbersee den Unterbau eines Stelzenhauses als Ausstellungsort ausgesucht. Was von Weitem wie sich im Wind bewegende gegerbte Tierfelle aussieht, hat sie aus Vlies gestaltet, in das sie Weizensamen gesät und dann auf verschiedene Weise bearbeitet hat. Der gebürtige Pole Andrzej Swierczynski zeigt im Seewerk unter anderem seine „Bilderbücher“. Eines dieser Exemplare war ursprünglich ein Pariser Telefonbuch aus dem Jahr 2000. Auf jeder Seite des Buches hat Swierczynski gezeichnet oder gemalt, vor allem Figuratives. „Sozusagen ein gemaltes Tagebuch“, sagt der Künstler.

Weitere Zusammenarbeit

Seit zehn Jahren arbeitet das Seewerk jetzt bereits mit der Stadt Moers zusammen. Er schätze das, was hier mit einem weiten Blick in die Region jedes Jahr passiere, betonte Kulturdezernent Wolfgang Thoenes mit Blick auf das Engagement der Seewerk-Macher Angelika Petri und Frank Merks. Diese Zusammenarbeit werde fortgesetzt.

>> AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG AM 2. SEPTEMBER

Die Ausstellung wird am 2. September, 14 Uhr, auf Nepix Kull eröffnet, anschließend geht es ab 15 Uhr weiter im Seewerk. Zu sehen sind Werke von Dini Thomsen, Nadja Nafe, Rose-Marie Nöcker, Wasa Marjanov, George Struikelblok, Andrzej Swierczynski, Jörg Parsick-Mathieu, Anatol Herzfeld, Frank Merks, Max Müller, Guiseppe Lamers, Martje Verhoeven und Czaja Braatz.

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