Dieselskandal

Moerserin klagt wegen Dieselskandals und gewinnt gegen VW

Anke von Zabiensky aus Moers hat wegen des Dieselskandals gegen VW geklagt.

Anke von Zabiensky aus Moers hat wegen des Dieselskandals gegen VW geklagt.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Moers.  Anke von Zabiensky aus Moers hat gegen Volkswagen geklagt und Recht bekommen. Sie kann ihren Skoda zurückgeben. Der Konzern sieht das anders.

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Anke von Zabiensky aus Moers am Niederrhein hat gegen die Volkswagen AG geklagt – und Recht bekommen. Nach einem erstinstanzlichen Urteil des Landgerichts Kleve kann sie den Familienwagen, einen Skoda Octavia Kombi, an den Konzern zurückgeben, weil der Wagen vom Dieselskandal betroffen ist. Skoda gehört zur Volkswagen-Gruppe. Das Gericht findet klare Worte für das Vorgehen des Autoherstellers.

Für 11.975 Euro hatten von Zabiensky und ihr Mann David Bockhorst den Wagen im April 2016 mit rund 94.000 Kilometern auf dem Tacho gekauft – für die Familie ein überaus praktisches Fahrzeug. Doch Monate nach dem Kauf erreicht die Familie ein Schreiben: Der Wagen braucht ein Softwareupdate, sonst droht die Stilllegung – der Dieselskandal ist bei der jungen Familie angekommen.

Das Ehepaar handelt schnell, in einer Vertragswerkstatt wird das Update aufgespielt, allerdings mit heftigen Folgen. „Der Wagen ruckelte danach stark, er beschleunigte langsamer und vor allem sprang die Kühlung viel schneller an als zuvor“, sagt Bockhorst. In der Werkstatt habe man anschließend ein Teil ausgetauscht, aus Kulanz, wie Bockhorst sagt. Doch das Dröhnen der Kühlung bleibt.

Es gibt mehrere Termine vor dem Landgericht

„Wir hatten immer die Angst, dass an dem Wagen etwas Großes kaputtgeht“, sagt von Zabiensky. Schon allein deshalb entschließt sich das Ehepaar zu klagen. Mehrere Termine gibt es vor dem hier zuständigen Landgericht Kleve. „Wir mussten nachweisen, dass wir den damals schon bekannten Dieselskandal nicht mit unserem Fahrzeug in Verbindung gebracht haben. Wir wussten bis dahin auch nicht, dass Skoda eine Volkswagen-Tochter ist“, sagt Anke von Zabiensky.

Am Ende hat die Klage Erfolg, wie der Pressesprecher des Landgerichts Kleve, Alexander Lembke, bestätigt. Das Urteil ergeht am 12. Juli. Volkswagen soll den Wagen zurücknehmen und den Kaufpreis erstatten. Abzüglich einer Nutzungsentschädigung bleiben dann 7.672,95 Euro.

Zum Zeitpunkt der Urteils ist der Wagen über 150.000 Kilometer gelaufen. Dass der Dieselskandal schon bekannt ist, als die Familie den Wagen kauft, spielt für das Gericht keine Rolle, wie der Kölner Rechtsanwalt Dirk Fuhrhop mitteilt. Eine Ad-hoc-Mitteilung des Konzerns sei ebenso ungeeignet, potenzielle Käufer umfassend zu informieren wie die Berichterstattung von Medien. Fuhrhop berichtet auch, dass in dem Verfahren von einer „sittenwidrigen Schädigung durch Volkswagen“ gesprochen wurde.

Eine Musterklage wird vorbereitet

„Diese Entwicklung, auch in einem Fall von Kenntnis um den Abgasskandal, der Klage stattzugeben, darf ohne Zweifel als weiterer großer Schritt in der rechtlichen Aufarbeitung des Abgasskandals und im Verbraucherschutz gelten“, wird Rechtsanwalt Professor Marco Rogert in einer Mitteilung von Fuhrhop zitiert. Beide arbeiten für die Kanzlei Rogert und Ulbrich. Laut Fuhrhop vertritt die Kanzlei im Dieselskandal die Interessen von bundesweit 12.500 Einzelklägern. Zusammen mit einer Kanzlei aus Süddeutschland bereiten Rogert und Ulbrich auch eine Musterfeststellungsklage im Auftrag des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen vor. Das Klageregister war Ende November 2018 nach einer Gesetzesänderung erstellt worden.

Anke von Zabiensky freut sich, dass sie und ihr Mann den Wagen an Volkswagen zurückgeben können: „Das ist eine große Erleichterung.“ Noch habe sich Volkswagen nicht gemeldet. Das könnte vielleicht auch noch etwas dauern. Rechtsanwalt Dirk Fuhrhop rechnet damit, dass der Autohersteller in Berufung geht.

Die NRZ hat die Pressestelle der Volkswagen AG um eine Stellungnahme zum Urteil gebeten. Michael Manske meldete sich: „Volkswagen hält das Urteil für rechtsfehlerhaft und hat bereits Berufung eingelegt. Aus Sicht von Volkswagen gibt es grundsätzlich keinen Anspruch auf Schadenersatz. Die Fahrzeuge waren zu jederzeit uneingeschränkt gebrauchstauglich und werden von den Klägern weiterhin benutzt.“

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