Polizeiausbildung

Moerserin macht mit 34 Jahren noch Ausbildung zur Polizistin

Sandra Hodzic (4.v.l.) ist im Traumjob angekommen.

Foto: Dr. Frank Kawelovski

Sandra Hodzic (4.v.l.) ist im Traumjob angekommen. Foto: Dr. Frank Kawelovski

Moers/Neukirchen-Vluyn.   Sandra Hodzic hat es spät in ihren Traumjob geschafft. In einem Jahr ist sie fertig, dann will sie erst Erfahrungen auf der Straße sammeln.

Auf dem Wurftaubenstand zerplatzen unter Leitung von Heiner Franken die Tonscheiben, Hans Gerd Schmithüsen leitet das Büchsenschießen: Auf dem Schießstand der Kreisjägerschaft (KJS) Wesel in Vluynbusch waren wieder Polizeischüler zu Gast, um den sicheren Umgang mit Jagdwaffen zu erlernen. Die meisten Stundenten der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung haben sich nach dem Abitur für den Polizeidienst entschieden, aber bei Sandra Hodzic ist das anders: Die 34-Jährige arbeitete zuvor acht Jahre lang im Telekom-Laden am Königlichen Hof in Moers, später in Duisburg und Bottrop.

Fitness? Kein Problem

Der Polizeiberuf ist für die in Moers aufgewachsene gelernte Bürokauffrau für Telekommunikation ihr Traumjob. Ihr zweites Studienjahr hat sie fast hinter sich, ein Jahr kommt noch. Sie hatte einen Job und hat ihn für die Ausbildung aufgegeben – ein Sprung ins kalte Wasser? „Natürlich ist die Sicherheit da, dass man einen Beruf erlernt hat“, erläutert die 34-Jährige, aber die Konsequenzen bei Nichtbestehen hat sie klar vor Augen: Dann fiele für ihre Familie erst mal ein Gehalt komplett weg.

Dabei war es gerade ihr Mann, der ihr den Weg in den Traumjob zeigte: „Er hat gesehen, dass ich mich noch bis 37 bewerben durfte – und dass eine abgeschlossene Berufsausbildung das Abitur ersetzt. Da habe ich es mal versucht.“ Dass sie die Schule vor dem Abi verlassen hat, so gibt sie heute zu, hat sie längst bereut. Aber als sich ihr die Chance bot, doch noch in den Traumjob zu kommen, ergriff sie die Gelegenheit beim Schopf. Aber Moment mal – wie war das mit dem Einstellungstest und der körperlichen Fitness?

Die 34-Jährige gestattet sich ein leichtes Schmunzeln. „Die körperliche Anforderung war kein Problem. Ich war bei der Prüfung die einzige Frau von 14 Teilnehmern – und ich habe sie als drittbeste bestanden.“ Klar, man müsse schon was tun, Spaß am Sport haben und über genügend Eigenmotivation verfügen, dann „ist das auch für über 30-Jährige zu schaffen“.

Kuschelecken sind das nicht

Wer schon etliche Jahre in einem anderen Job zugebracht hat, der macht sich auch konkrete Vorstellungen über seine Zukunft bei der Polizei. Sandra Hodzic: „Ich möchte den Wach- und Wechseldienst mitnehmen, Erfahrungen auf der Straße sammeln und später eventuell in den Einsatztrupp oder auf die Kriminalwache.“

Wo sie nach erfolgreichem Studienabschluss als Polizeibeamtin eingesetzt wird, steht noch in den Sternen. Sandra Hodzic kann sich aber Gelsenkirchen, Essen oder Duisburg als Einsatzort gut vorstellen. „Kuschelecken sind das nicht“, sagt sie in dem Bewusstsein, was da auf sie zukommen wird. Aber: „Da werden wir gebraucht, da sollten Stellen zuerst besetzt werden.“ Ihr Wunsch: mehr Respekt gegenüber Polizeibeamten.

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