Mordprozess

Mordversuch in Moers-Meerbeck: Kameras haben die Tat gefilmt

Das Moerser Amtsgericht: Hier verhandelt die auswärtige Strafkammer des Landgerichts Kleve.

Das Moerser Amtsgericht: Hier verhandelt die auswärtige Strafkammer des Landgerichts Kleve.

Foto: Volker Herold

Moers.   Überwachungskameras zeichnen auf, wie ein 13-Jähriger am 12. April von hinten in den Rücken gestochen wird. Das angebliche Alibi hält nicht.

Zweiter Verhandlungstag im Prozess um den versuchten Mord an einem 13-Jährigen: Mehrere Zeugen widerlegten am Mittwoch das Alibi des 32-jährigen Angeklagten. Zudem wurden im Gerichtssaal Filme zweier Überwachungskameras abgespielt – eines davon zeigt die Tat, die nur ein paar Sekunden dauerte.

Rund um den Tatort hinter der Sparkasse in Meerbeck waren am Tattag, 12. April, Überwachungskameras in Betrieb. Beamte der Mordkommission sicherten die Aufzeichnungen, so dass diese am Mittwoch vor der auswärtigen Strafkammer des Landgerichts Kleve abgespielt werden konnten: Eine Gestalt springt hinter Koniferen hervor, sticht einer anderen in den Rücken und verschwindet so schnell, wie sie gekommen ist.

Jede Menge Bargeld im Zimmer des Angeklagten

Der Angeklagte hatte zudem behauptet, er habe sich zur Tatzeit in Düsseldorf aufgehalten. Zwei Zeugen identifizierten ihn allerdings eindeutig als den Mann, der am 11. April am Moerser Bahnhof versucht habe, den am nächsten Morgen lebensgefährlich verletzten Jungen zu schlagen. Ein Mitbewohner hatte bei der Polizei ausgesagt, er habe den Angeklagten am 11. April abends in der Küche der Moerser Wohnung gesehen; außerdem habe der Angeklagte ihn am Tattag angerufen und gefordert, falls jemand nach ihm frage, solle sein Mitbewohner sagen, er sei in Duisburg. Die Auswertung der Funkzellen ergab, dass der 32-Jährige von Moers aus telefonierte.

Ob der Angeklagte aber mit der Tat den jahrelangen sexuellen Missbrauch des 13-Jährigen hätte vertuschen wollen, schien der Strafkammer zumindest fraglich. Der Vorsitzende Richter Johannes Huismann erklärte, dass auch eine Verurteilung wegen eines heimtückischen Mordversuchs, nicht aber eines Verdeckungsmordversuchs möglich sei. Obwohl im Zimmer des Angeklagten knapp 6000 Euro und 2900 Dollar in bar gefunden wurden, gab es keine Hinweise darauf, dass der 32-Jährige als Zuhälter von Kindern tätig war. – Der Prozess wird am Montag, 17. Dezember fortgesetzt, dann soll auch das Urteil fallen.

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