Ausstellung

Museum Kloster Kamp zeigt neuen Blick auf die zehn Gebote

Zu ihren Bildern hat Katharina Müller auch Texte verfasst.

Foto: Anika Hegmans

Zu ihren Bildern hat Katharina Müller auch Texte verfasst. Foto: Anika Hegmans

Kamp-Lintfort.   Designerin Katharina Müller hat die biblischen Spielregeln neu verpackt. Wie, das ist ab 4. März in „10 Gebote. Sinn & Design“ zu sehen.

Der rote Fensterladen des ehedem idyllischen Familienheimes ist zersplittert, der Riss nicht mehr zu kitten: Für das sechste Gebot („Du sollst nicht Ehe brechen“) hat Designerin Katharina Müller nach dem Pinsel zur Axt gegriffen. „10 Gebote“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Museum Kloster Kamp, für die die Künstlerin die biblischen Gebote aus ihrem ganz eigenen Blickwinkel ins Hier und Jetzt übertragen hat.

Die Idee, sich in einer Ausstellung im Museum Kloster Kamp künstlerisch mit den zehn Geboten auseinandersetzen, entwickelte Katharina Müller vor zwei Jahren. „Ich wollte mich mit diesen Geboten ins Alltägliche begeben“, sagt Müller.

Intensiv beschäftigt

Bei der Auseinandersetzung mit der Thematik sei sie sehr schnell in ihrem direkten Umfeld fündig geworden. „Mobbing“ sei zum Beispiel ein Thema, das sie intensiv beschäftigt habe und das sie zum achten Gebot („Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“) in einer Tuschezeichnung eindrucksvoll interpretiert. Manche ihrer Bilder, sagt Müller, seien laut und provokativ. Mit Absicht: „Ich wünsche mir, dass die Menschen darüber nachdenken, was wertvoll ist und welche Werte wir erhalten wollen.“

Bei der Umsetzung hat sie zu vier unterschiedlichen Techniken gegriffen: Acryl auf Holz und Leinwand, Tusche auf Büttenpapier, Papierreliefs und digitale Arbeiten. Zu sehen sind zwölf Bilder, „aber es könnten auch viel mehr sein“, sagt Katharina Müller, „das Thema ist unerschöpflich.“

Smartphone statt Gabel

Was begehren Menschen heute? Für das zehnte Gebot visualisiert die Künstlerin eine Lebensspirale mit kleinen Piktogrammen vom Schnuller über das Pony, vom flotten Flitzer bis zur Villa. „Du sollst nicht stehlen“ lautet das siebte Gebot. Katharina Müller deckt einen Tisch. Teller, Tasse, Messer, Löffel. Die Gabel fehlt. Stattdessen liegt ein Smartphone beim Gedeck. „Zeit“ ploppt auf dem Display via Whatsapp auf.

Wo es in der Bibel heißt „Du sollst Vater und Mutter ehren“, fügt die Designerin auf ihrem Bild ein Kind hinzu – ein bisschen wie ein neues elftes Gebot, findet Museumsleiter Dr. Peter Hahnen, der Müller während seiner Arbeit am kirchlichen Hochschulzentrum in Dortmund als Designstudentin kennen- und schätzen lernte.

Werte aus den Augen verloren

Katharina Müller will mit ihren Bildern zum Nachdenken anregen: „Die zehn Gebote sind auch unsere Werte, die wir manchmal aus den Augen verloren haben.“ Für Dr. Peter Hahnen bietet die Ausstellung mit Blick auf die aktuelle Wertedebatte guten Diskussionsstoff. Deshalb hat er unter anderem Angebote für Schulklassen im Rahmen von Religionsunterricht, Ethik-Unterricht, Philosophie- oder Gesellschaftslehrekursen aufgelegt.

Die Ausstellung „10 Gebote. Sinn & Design“ läuft vom 4. März bis zum 21. Mai im Museum Kloster Kamp. Zur Vernissage am Samstag, 4. März, 15.30 Uhr, spricht der Kreis Weseler Landrat, Dr. Ansgar Müller. Infos unter www.kloster-kamp.de.

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