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Neukirchen-Vluyn spart durch Privatisierung 100.000 Euro

Mindestlohn für Gebäudereiniger

Foto: Privat

Mindestlohn für Gebäudereiniger

Neukirchen-Vluyn.   Private putzen seit 2017 das Schulzentrum. Für die Stadt ist das billiger, aber die Löhne sind niedriger, die Mitarbeiter müssen mehr schaffen.

Seit einem Jahr wird das Schulzentrum nicht mehr von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt gereinigt, sondern von den Beschäftigten eines privaten Putzdienstes. Zumindest wirtschaftlich ist es ein Erfolg: Die Stadt hat dadurch im vergangenen Jahr gut 100 000 Euro gespart.

Vor der Entscheidung hatte die Politik lange um das Für und Wider dieser Privatisierung gerungen. Auch deren Befürworter sahen damals durchaus, dass die Einsparung für die Stadt nur aufgrund niedrigerer Löhne im privaten Reinigungsgewerbe möglich würde. CDU-Ratsmitglied Heiko Haaz sprach in der entscheidenden Sitzung des Hauptausschusses von einer „Entscheidung zwischen Pest und Cholera“. Gleichwohl stimmte eine knappe Mehrheit schließlich für die Privatisierung.

Beigeordnete: „kleinere Anlaufschwierigkeiten“

Nach einem Jahr zieht die Beigeordnete der Stadt, Margit Ciesielski, eine positive Bilanz. Nach der Umstellung habe es zwar „kleinere Anlaufschwierigkeiten“ gegeben, so Ciesielski in ihrer Vorlage für den Hauptausschuss am 14. März.

Insgesamt bleibe festzustellen, dass die Reinigungsleistung den Erwartungen entspreche, Kontrollen hätten keinen nennenswerten Anlass zu Beanstandungen gegeben. Im Übrigen gebe es seitens der verpflichteten Firma aus Essen trotz der Bauarbeiten im Julius-Stursberg-Gymnasium großes Entgegenkommen.

Stursberg-Gymnasium von Anfang an privat gereinigt

Für die Reinigung der Haarbeck- und der Theodor-Heuss-Realschule sowie der Turnhallen überwies die Stadt 2017 die Summe von gut 126 000 Euro. Bis dahin hatte die Reinigung durch städtische Mitarbeiter 229 000 Euro jährlich gekostet. Das JSG wird schon seit seiner Gründung privat gesäubert. Die Einsparung kommt wegen des Haushaltssicherungskonzeptes dem städtischen Haushalt zu Gute.

Dass Private soviel billiger putzen können, liegt an zwei Stellschrauben, wie der Detlef Bartsch, Personalratsvorsitzender der Stadtverwaltung, erklärt. Der Basislohn liegt bei den Unternehmen knapp über 10 Euro. Je nach Berufserfahrung der Mitarbeiterinnen zahlt der öffentliche Dienst 1 bis 5 Euro mehr. Sparpotenzial gebe es zum zweiten bei den so genannten Quadratmeterrichtzahlen, erklärt Bartsch weiter. Wenn man als Rathaus-Mitarbeiter eine bestimmte Zeit für die Reinigung von 200 Quadratmetern Turnhalle habe, müsse man in derselben Zeit bei einer Firma 250 Quadratmeter schaffen.

Personalrat sieht keine weitere Privatisierung

Das Sauberhalten der städtischen Gebäude durch „eigene“ Beschäftigte ist in Neukirchen-Vluyn nach wie vor die Regel. 34 Mitarbeiterinnen sind unter anderem im Rathaus, den Kindertagesstätten oder den Feuerwehrhäusern tätig. Das soll auch so bleiben. Personalrat Detlef Bartsch jedenfalls sieht keine Initiativen für zusätzliche Fremdvergaben: „Der Stellenplan wird aufrecht erhalten.“ Das sieht auch CDU-Fraktionschef Markus Nacke so: „Es gibt keine Diskussion bei uns über weitere Privatisierungen bei der Reinigung.“

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