Klassische Musik

Opern-Crashkurs in Moers: Online-Dating statt Julias Balkon

Diana Petrova Darnea (links) und Triin Maran (rechts) in der Dorfkirche Repelen.

Diana Petrova Darnea (links) und Triin Maran (rechts) in der Dorfkirche Repelen.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Moers.   Die Sängerinnen Diana Petrova Darnea, Triin Maran und der Pianist Denis Ivanov kombinieren in der Dorfkirche Repelen Schauspiel und Operngesang.

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Unterhaltsames Schauspiel und Operngesang: Das ist eine Kombination, an die man vielleicht nicht direkt denkt, doch das genau diese Kombination passt, stellten die Sopranistin Diana Petrova Darnea, die Mezzosopranistin Triin Maran und der Pianist Denis Ivanov am Sonntagabend in der Repelener Dorfkirche unter Beweis.

„Opera kompakt“ heißt das Format, mit dem die Musiker zum zweiten Mal in Moers gastierten. Mit Duetten und Arien wollen sie dem Publikum das Kulturgut Oper näherbringen. „Heutzutage gehen immer weniger Menschen in eine dreistündige Opernaufführung. Mit unserem Konzert präsentieren wir unkompliziert und unterhaltsam die größten und bekanntesten Hits verschiedener Opern“, erklärte Diana Petrova Darnea. Das Thema lautete „Wir sind Frauen – Ein Crashkurs für Paare und Singles“.

Der vordere Kirchenteil verwandelt sich in eine Bühne

Der Titel war dabei wohl mit einem Augenzwinkern zu betrachten. „Wir sind ja auch Frauen und das ist ein sehr vielseitiges Thema“, sagte Triin Maran schmunzelnd. Musikalisch fand sich dieses Leitmotiv natürlich auch wieder.

So präsentierten die Sängerinnen Mozarts Duett der Fiordiligi und Dorabella aus „Cosi fan Tutte“ und die Arie der Frau Fluth aus „Die lustigen Weiber von Windsor“ von Otto Nicolai. Der vordere Teil der Kirche verwandelte sich in eine Bühne. Dazu gab es sogar ein kleines Bühnenbild: auf der einen Seite ein Tisch mit allerlei Requisiten vom Krönchen bis zur Brille, auf der anderen Seite eine Kleiderstange mit bunten Kleidern und Accessoires, die im Laufe der Aufführung zum Einsatz kamen. Mehrmals zogen sich die beiden Sängerinnen um. „Man könnte sagen, dass wir Kabarett machen, nur mit klassischer Musik“, so Maran.

Wie Julia, bevor sie Romeo das erste Mal trifft

Das Stück begann, die beiden Sängerinnen betraten in keiner großen Abendrobe die Kirche, sondern ganz leger gekleidet. Das passte zum Inhalt des Stückes, einer Szene aus dem heutigen Alltag. Auf der Suche nach der großen Liebe kam den beiden Frauen die Idee, den Traummann vielleicht über eines der zahlreichen Onlinedating-Plattformen zu finden. Gesagt, getan.

„Ich fühle mich wie Julia bevor sie ihren Romeo das erste Mal getroffen hat“, sagte Petrova Darnea und begann passend dazu den Walzer der Giulietta aus „Romeo und Julia“ von Charles Gounod zu singen. Das Geschehen nahm seinen Lauf, die stimmlichen Höhen und Tiefen der Sängerinnen wurden musikalisch mit passenden Arien präsentiert, so beispielsweise auch, als sich das Date als Fälschung entpuppte.

Die Idealmaße des Mannes lauten 80, 42, 60

„80, 42, 60, sind doch die Idealmaße eines Mannes: 80 Jahre alt, 42 Grad Fieber und 60 Millionen Euro auf dem Konto“, ist sich Maran sicher. Passend dazu sang sie das Stück Ideal und Wirklichkeit von Hanns Eisler.

Man mag meinen, bei gleichzeitigem Schauspiel und Gesang bleibt eines auf der Strecke aber das war am Sonntag sicher nicht der Fall: Bei den beiden Profisängerinnen saß jeder noch so hohe Ton. Sie zeigten, wie zeitgemäß und locker klassischer Operngesang sein kann. Belohnt wurde das mit viel Applaus vom Publikum.

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